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Google I/O: Der große Angriff auf Windows bleibt vorerst aus

Google hat auf seiner Entwicklerkonferenz I/O zweifellos ein spannendes Programm zu bieten. Künstliche Intelligenz in allen erdenklichen Ausprägungen ist das Thema, welches sich wie ein roter Faden durch sämtliche Ankündigungen zieht. Da darf und muss man ganz gewiss mit Google rechnen, der Weg in die erste Liga auf diesem Gebiet führt auf jeden Fall über Mountain View.

Wer allerdings erwartet hatte, dass Google im Rahmen der I/O einen Großangriff auf Windows starten würde, der sieht sich getäuscht. Und ich gebe gerne zu, dass ich zu den Leuten gehörte, die fest mit einer solchen Attacke gerechnet haben.

Nun gehört Windows 10 Mobile sicher nicht zu den Systemen, vor denen Unternehmen wie Google sich derzeit fürchten müssen, und es sind sicher keine Notfallmaßnahmen erforderlich, um es zu bekämpfen. Dem Continuum-Ansatz wird allerdings großes Potenzial bescheinigt, und darum war ich wirklich sicher, Google würde eine Antwort darauf präsentieren. In Android N stecken zwar schon einige Features, die es Windows etwas ähnlicher machen, eine Vision ist da aber nicht zu erkennen.

Warum wir dazu jetzt nichts gehört haben – keine Ahnung. Entweder man ist noch nicht so weit, man nimmt den Ansatz nicht ernst – oder aber man hat derzeit schlicht kein Interesse daran, Android-Smartphones zu einer PC-Alternative zu entwickeln. Ich weiß, wie lächerlich das für Viele von Euch klingt, aber denkt einfach immer wieder an die Millionen von Heimanwendern mit ganz einfachen Bedürfnissen. Ich hatte das hier schon beschrieben – das würde funktionieren. Nicht überall und bei jedem Menschen, aber der Markt dafür wäre allemal groß genug.

Stattdessen versucht Google dem hauseigenen Chrome OS durch die (längst überfällige) Integration des Play Store Auftrieb zu verleihen. Es sind aber für den Anfang nur drei Modelle, auf denen Android Apps ausgeführt werden können (Quelle). Ob Google sein Chrome OS überhaupt als Alternative zu Windows sieht, oder ob die da einfach ihr eigenes Ding durchziehen, vermag ich ebenso wenig einzuschätzen wie die Frage, ob es tatsächlich eine Alternative sein kann. Es gibt aber nur einen Weg, das herauszufinden, und darum werde ich mir ein Chromebook zulegen und es ausprobieren, wenn der Play Store Anfang Juni auf Chrome OS ausrollt. Ich werde die Sache wie immer neugierig und möglichst unbefangen angehen. Dass ein Chromebook für mich persönlich nicht ausreichen wird, weiß ich auch, ohne es probiert zu haben, aber ich werde das durch die „einfache Brille“ betrachten.

Aber zurück zum Thema: Googles Großangriff auf den Desktop findet also zumindest vorerst nicht statt, und über die Gründe dafür können wir im Moment nur rätseln. Vielleicht sieht es Google in diesem Fall so wie Microsoft im Smartphone-Bereich: Warum einen Kampf kämpfen, den man nach derzeitiger Lage der Dinge sowieso nicht gewinnen kann. Ich habe dennoch keinen Zweifel daran, dass Google genau wie Microsoft das „Ein und Alles“ für jeden Menschen werden möchte. Die Frage ist nur, auf welchem Weg sie dieses Ziel erreichen wollen.

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Über den Autor

Martin Geuß

Martin Geuß

Ich bin Martin Geuß, und wie unschwer zu erkennen ist, fühle ich mich in der Windows-Welt zuhause. Seit 15 Jahren lasse ich die Welt an dem teilhaben, was mir zu Windows und anderen Microsoft-Produkten durch den Kopf geht, und manchmal ist das sogar interessant. Das wichtigste Motto meiner Arbeit lautet: Von mir - für Euch!

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