Windows 10 Mobile: Was ist neu im Anniversary Update?

Wenn man sich tagtäglich mit der Materie beschäftigt, dann hat man das gar nicht so wirklich auf dem Schirm, aber für viele Besitzer eines Windows Smartphones geht es ja quasi Schlag auf Schlag: Seit März gibt es das Upgrade auf Windows 10 Mobile und keine fünf Monate später rückt mit dem Anniversary Update bereits eine umfangreiche Aktualisierung an. Das ist der zweite Punkt, den man nicht auf dem Radar hat: Es ändert sich nämlich eine ganze Menge.

Spontan darauf angesprochen, was denn nun für Nutzer von Windows 10 Mobile mit dem Update neu sei, musste ich erst mal tief Luft holen. Man driftet von Insider-Build zu Insider-Build, und was heute noch neu ist, ist in der kommenden Version schon wieder kalter Kaffee. Da verliert man ganz schnell den Überblick.

Um ihn wieder zu erlangen, habe ich mich durch die Ankündigungen der Builds und unsere eigene Berichterstattung gewühlt. Garantiert habe ich trotzdem etwas übersehen.

An vielen Stellen ist das Anniversary Update für Windows 10 Mobile Evolution pur. Es gibt keine bahnbrechenden neuen Features, aber unter dem Strich sorgt die Summe der Verbesserungen dafür, dass sich das System sehr viel reifer anfühlt. Man kann einzelne Features aus dem Kontext reißen und sagen „das gibt es für iOS und Android schon lange“, und in einigen Punkten trifft das sogar zu. Ich habe an solchen Diskussion allerdings das Interesse verloren und rechne nicht mehr gegen, was Windows 10 Mobile alles hat, was den anderen Plattformen fehlt (wir reden hier nur über das System).

Also schauen wir mal drauf, was es so alles an Neuigkeiten gibt.

Überarbeitetes Info-Center
Das ist der Bereich, in dem sich mit dem Anniversary Update am meisten geändert hat. Es beginnt schon ganz oben mit den so genannten „Quick Actions“. Die lassen sich nun nämlich frei konfigurieren. Man kann wählen, was angezeigt wird und an welcher Stelle.

Die Benachrichtigungen der Apps sehen jetzt viel besser aus, weil sie nicht mehr nur das App-Icon anzeigen, sondern bei Mails oder in der neuen Facebook-App das Kontaktbild einer Person. Immer vorausgesetzt natürlich, die App unterstützt das auch.

Mein persönliches Killer-Feature ist die Möglichkeit, die Benachrichtigungen zu priorisieren. So hat man die Infos aus den Apps, die man persönlich für wichtig hält, immer sofort im Blick, während das „Rauschen“ aus den anderen Apps weiter unten stattfindet. Aufrufen kann man diese Einstellungen übrigens nicht nur über die Settings-App, sondern auch, in dem man den Finger kurz auf dem Namen einer App oder einer einzelnen Benachrichtigung parkt.

Zur Konfiguration der Benachrichtigungen hat Daniel übrigens ein cooles Video gemacht.

Synchronisation von Benachrichtigungen zwischen PC und Phone
Benachrichtigungen von Eurem Phone werden nun auch im Info-Center von Windows 10 angezeigt. Wenn Ihr sie dort löscht, verschwinden sie auch vom Telefon.
In den Einstellungen von Cortana lässt sich im Übrigen einstellen, für welche Apps die Benachrichtigungen auch am PC angezeigt werden sollen. Standardmäßig ist es für alle Apps aktiviert.

Neuerungen bei Cortana
Cortana ist und bleibt ein „internationales Stiefkind“, neue Funktionen gibt es meist nur in der US-Version, für uns kommen sie dann später oder manchmal auch gar nicht. Erfreulich für Nutzer aus Österreich und der Schweiz ist, dass man nun nicht mehr die Region umstellen muss, um Cortana aktivieren zu können. Es genügt, in den Einstellungen von Cortana selbst eine unterstützte Sprache auszuwählen.

Cortana kann jetzt aufgenommene Fotos direkt an einen verbundenen PC schicken (Sprachbefehl: Sende dieses Foto an meinen PC) und auch am PC eine Benachrichtigung anzeigen, wenn der Akku zur Neige geht.

Über das standardmäßige Teilen-Feature von Windows 10 Mobile können jetzt Cortana-Erinnerungen angelegt werden. Wenn Ihr z.B. gerade eine interessante News entdeckt, aber keine Zeit habt, sie zu lesen, könnt Ihr Euch von Cortana später daran erinnern lassen.

Die Aktivierung der Standortdienste ist jetzt keine Grundvoraussetzung mehr. Cortana funktioniert auch ohne Ortung, die darauf basierenden Funktionen stehen dann aber logischerweise nicht mehr zur Verfügung.

Last but not least ist die Musiksuche nun über einen entsprechenden Button oben rechts in Cortana leicht auffindbar.

Continuum wird erwachsener
Alle Phones, die Continuum unterstützen, können nun zusätzliches USB-Zubehör wie Ethernet-Adapter oder Game-Controller ansprechen. Außerdem werden „Notebook-Erweiterungen“ wie z.B. das Lap Dock von HP unterstützt, und die Continuum-Session kann auf einem normalen PC gestartet werden. So kann man mal eben das Notebook eines Kollegen „kapern“ und in der eigenen Umgebung arbeiten.
Ebenfalls neu ist die Unterstützung von Azure Remote App, so können Desktop-Anwendungen gefühlt so gestartet werden, als seien sie lokal installiert.
Für mehr Spaß mit Continuum soll die neue Cast API sorgen, die z.B. die Übertragung eines Films an den Fernseher ermöglicht, während die zugehörige App ergänzende Informationen anzeigt. Näheres dazu kann man in diesem Artikel nachlesen.

Stromspar-Einstellungen
Alle Optionen, die den Stromverbrauch unter Windows 10 betreffen, sind nun im Punkt „Akku“ im Abschnitt „System“ der Einstellungs-App zu finden. Auch die Einstellungen, welche Apps im Hintergrund laufen dürfen, sind nun an dieser Stelle integriert. Windows 10 verfügt jetzt außerdem über eine Automatik-Funktion, die selbständig entscheidet, wann eine App im Hintergrund agieren darf und wann nicht. Es lässt sich auf Wunsch aber auch individuell einstellen.

Apps für Webseiten
Wenn eine Webseite über eine eigene App verfügt, so können Links zu dieser Seite stattdessen mit der zugehörigen App geöffnet werden. Allerdings funktioniert das nur, wenn die Entwickler ihre Apps auch dementsprechend anpassen.

Verbessertes Multitasking
Je nach Ausstattung des Geräts können nun bis zu 16 Apps in der App-Übersicht gehalten werden (langes Drücken auf den Zurück-Button). Außerdem wurde der Umgang mit Hintergrund-Apps in Windows 10 mit dem Anniversary Update grundsätzlich geändert, so dass diese Apps gleichzeitig mehr Möglichkeiten haben und trotzdem weniger Ressourcen verbrauchen.

Neuerungen beim Messaging
An dieser Stelle hätte eigentlich das Feature „Messaging Everywhere“ gefeiert werden sollen, mit dem SMS-Nachrichten nicht nur am PC gelesen, sondern auch beantwortet werden können. Das hat Microsoft aber zu Gunsten der neuen Skype Universal App gestrichen.

Es gibt aber trotzdem Neues in der Nachrichten-App: Unterhaltungen können jetzt mit einem „Wisch“ nach links gelöscht werden, wie man das auch aus Outlook Mail kennt. Außerdem kehrt die Mehrfachselektion zurück: Durch Antippen am linken Bildschirmrand kann man eine oder mehrere Unterhaltungen selektieren, um sie zu löschen.

Kamera-Button und Medien-Steuerung auf dem Lockscreen
Eine für Geräte ohne dedizierten Kamera-Knopf nützliche Neuerung ist, dass sich die Kamera jetzt auch vom Lockscreen aus starten lässt. Mit der Medien-Steuerung vom Lockscreen aus geht ein weiterer, lang gehegter User-Wunsch in Erfüllung.

Edge kann swipen – und noch mehr
Der neue Microsoft-Browser Edge macht mit dem Anniversary Update ebenfalls einen Schritt nach vorne. Aus dem erhofften Support für Erweiterungen auch unter Windows 10 Mobile wurde zwar nichts, Neues gibt es aber trotzdem – und auch Neues Altes: Edge kann jetzt wieder wie früher der mobile Internet Explorer per Wischgesten zur letzten oder nächsten Webseite blättern.

Es sollte nun auch weniger Tab-Chaos geben, denn wenn eine App z.B. einen Link in einem neuen Browser-Tab öffnet und man per Zurück-Button wieder in die App wechselt, so wird das soeben geöffnete Tab wieder geschlossen.

Weitere Verbesserungen sind die neue Schaltfläche zum Öffnen eines Tabs im „InPrivate“-Modus (diese Funktion war vorher gut versteckt) sowie die Anzeige eines Bestätigungs-Dialogs für Downloads, so dass diese nicht versehentlich starten und das kostbare Datenvolumen anknabbern.

Umgang mit System-Updates
Man kann nun für sein Gerät eine „Nutzungszeit“ festlegen. Während dieser Zeitspanne wird man nicht von Update-Meldungen genervt bzw. es erfolgt kein automatischer Neustart. Wahlweise kann man auch eine feste Zeit definieren, zu der das Gerät neu starten soll, wenn ein Update zur Verfügung steht. Das funktioniert allerdings nur bei aktiver Stromversorgung.

Außerdem wird die Insider App nun nicht mehr benötigt, wie am PC können die Einstellungen des Insider-Programms nun direkt über die Settings-App vorgenommen werden.

Zu all dem gehören noch unzählige kleine Änderungen, die den Rahmen endgültig sprengen würden, wie z.B. geänderte Animationen, die für eine gefühlt flüssigere Bedienung sorgen, oder andere optische Kleinigkeiten wie die Icons vor jeder Rubrik in der Einstellungs-App und natürlich die neuen Emojis.

Verschiedene App-Updates zählen zwar nicht zum Anniversary Update, runden aber den insgesamt „erwachseneren Eindruck“ von Windows 10 Mobile ab. Die Karten, Groove Music und auch Outlook Mail und Kalender haben in den letzten Monaten signifikante Updates erfahren, die größtenteils auch für Nicht-Insider schon ausgerollt wurden. Mit dem Anniversary Update kommt außerdem ein überarbeiteter Store sowie die neue Skype Universal App. Der Store soll dann auch das „One Last Thing“-Highlight dieses Beitrags liefern: Endlich können nicht mehr genutzte Apps aus der eigenen Bibliothek ausgeblendet werden und rauben nicht mehr die Übersicht.

Entfallene Funktionen
Es gibt allerdings nicht nur Neues – mit dem Anniversary Update muss auch von ein paar Funktionen Abschied genommen werden. Das Teilen von WLAN-Verbindungen (Wifi-Sense) wurde ebenso gestrichen wie die Kinderecke und die Unterstützung von FM-Radio. Die Integration von Skype in die Nachrichten-App wurde wieder entfernt, da sich Microsoft entschieden hat, eine neue Skype-App zu entwickeln.

Das ändert aber nichts an dem Fazit, dass das Anniversary Update ein großer Sprung nach vorne für Windows 10 Mobile ist. Es gibt längst nicht so viele Neuerungen wie in der PC-Version aber es zeigt dennoch, dass Microsoft längst nicht das Interesse daran verloren hat.

Wenn ich etwas vergessen haben sollte, dann mögen mich die Insider jetzt bitte verbessern und ergänzen, damit dieser Artikel dann für alle „Neueinsteiger“ ins Anniversary Update bis zum kommenden Dienstag möglichst komplett ist.

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Über den Autor
Martin Geuß
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Ich bin Martin Geuß, und wie unschwer zu erkennen ist, fühle ich mich in der Windows-Welt zu Hause. Seit mehr als zwölf Jahren lasse ich die Welt an dem teilhaben, was mir zu Windows und anderen Microsoft-Produkten durch den Kopf geht, und manchmal ist das sogar interessant. Das wichtigste Motto meiner Arbeit lautet: Von mir - für Euch!
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