Wunschliste: Welche Features Continuum für den Durchbruch benötigt

Continuum soll künftig die Primärwaffe von Microsoft bei der Vermarktung von Windows 10 Mobile sein. Zukünftige Hardware von Microsoft und seinen OEM-Partnern wird nicht mehr versuchen, als klassisches Smartphone zu glänzen. Was wir stattdessen sehen werden, sind ultramobile Arbeitsgeräte, die in der Lage sein sollen, Tablet, Notebook und PC zu ersetzen, und die quasi nebenbei einem Smartphone ähnlich sehen und teilweise auch dessen Funktionen bieten.

Ein Ansatz, der durchaus funktionieren kann. Allerdings sehe ich noch einige Hausaufgaben, die Microsoft erledigen muss, bevor dieses Konzept wirklich greift. Im Moment ist Continuum – so genial das Feature auch ist – einfach noch zu limitiert, um echtes, produktives Arbeiten zu ermöglichen. Hier kommen meine Vorschläge, was noch getan werden sollte, und ich freue mich auf Eure Ergänzungen und Anmerkungen dazu.

Touch-Unterstützung
Nach wie vor ist es eine Glaubensfrage, ob ein Notebook Touch-Unterstützung bieten muss oder nicht. Aber Touch hat sich inzwischen zu stark etabliert, als dass man darauf verzichten könnte, es anzubieten. Das gilt ganz besonders bei den Continuum-Apps für Windows 10, die ja durchweg touchoptimiert sind. Das Lap Dock zum HP Elite x3 hat kein Touch-Display, eben weil im Continuum-Modus keine Toucheingaben möglich sind. Das sollte sich ändern.

Session-Restore
Aktuell ist es so: Trennt man die Continuum-Verbindung, werden alle aktiven Apps suspendiert. Schließt man das Telefon wieder an, muss man sich seine vorherige Arbeitsumgebung wieder neu einrichten. Ein echtes K.O.-Kriterium, denn genau das ist ein realistisches Szenario. Ich arbeite am Desktop, dann stehe ich auf, um z.B. an einer Besprechung teilzunehmen, und da nehme ich mein Arbeitsgerät natürlich mit. Wenn ich wieder zurück komme, will ich genau da weiter arbeiten, wo ich zuvor aufgehört habe.

Das ist im Übrigen der Punkt, der auch von den Kunden gegenüber Microsoft am häufigsten kritisiert wird, darum wird daran bereits gearbeitet, und ein entsprechendes Update könnte schon im Herbst erscheinen.

Multi-Monitor und 4k-Unterstützung
Das hat nicht oberste Priorität, aber zwei Bildschirme auf einem Schreibtisch sind längst keine exotische Ausstattung mehr. Und darum sollte man auch via Continuum zwei Monitore ansteuern können. Hier ist natürlich auch die Hardware ein limitierender Faktor, dieses Problem wird die technische Evolution in absehbarer Zeit lösen. Ich könnte mir aber auch vorstellen, dass man in die Desktop-Dockingstationen einfach noch eine zusätzliche Grafikeinheit integriert, welche die entsprechende Zusatzleistung liefert. Dann könnte man auch 4k-Displays befeuern. Im Moment löst Continuum maximal in FullHD auf, und wenn das an einem 4k Monitor hochskaliert wird, dann ist das kein Anblick, den man einen ganzen Arbeitstag lang ertragen möchte.

Echter Desktop
Derzeit bietet Continuum einen leeren und damit weitgehend sinnbefreiten Desktop. Damit echtes Windows-Feeling aufkommt, muss das entsprechend erweitert werden, damit man sich Verknüpfungen auf Desktop und Taskleiste ablegen kann. Auch Kontextmenü-Optionen sollten verfügbar gemacht werden. Ganz so wie ein echtes Windows eben. Darum ist auch der folgende Punkt ganz wichtig.

Zwei oder mehr Fenster
Eine App im Vollbildmodus ist zu wenig, das wussten schon die Nutzer von Windows 8. Beim Arbeiten am PC ist es oft unerlässlich, dass man zwei oder gar mehr Fenster gleichzeitig im Blick hat, um nicht ständig zwischen den Anwendungen hin und her springen zu müssen. Darüber muss man im Grunde gar nicht weiter diskutieren. Dieses Feature muss kommen, und es wird kommen – das kann man auch ohne Glaskugel vorhersagen.

nicht kompatible Apps auf dem großen Bildschirm
Das ist ein Punkt, an dem ich mit mir selbst gehadert habe. Derzeit lassen sich nur Apps auf den großen Bildschirm bringen, die Continuum auch wirklich unterstützen. Das macht einerseits Sinn, denn nur so ist gewährleistet, dass der Nutzer es auch so erlebt, wie Microsoft sich das ausgedacht hat. Und womögich hatte man ursprünglich auch gedacht, man könne so ein wenig Druck auf die Entwickler aufbauen, ihre Apps mit Continuum kompatibel zu machen.
Inzwischen sehe ich das anders und bin der Meinung, man sollte die nicht kompatiblen Apps dann eben mit einem dicken schwarzen Rahmen auf den großen Monitor bringen – nach dem Motto „besser als gar nicht“. Es ist ein großer Vorteil von Continuum, dass man das Phone unabhängig davon weiter benutzen kann. Aber der Vorteil wird zum Nachteil, wenn man das tun muss.

Echtes Universal App Design
Das Konzept der Universal Apps, die sich an die verfügbare Bildschirmgröße anpassen und entsprechend ihre Bedienelemente neu ausrichten, ist große Klasse. Aber es ist für Continuum noch nicht perfekt. Microsoft Edge beispielsweise hat im Continuum-Modus keine Favoritenleiste, was mir persönlich sehr fehlt. Das ist nur ein Beispiel, es gibt noch mehr davon. Die Anforderung lautet daher ganz simpel: Apps müssen im Continuum-Betrieb das volle Desktop-Erlebnis bieten, und keine „aufgeblasene“ mobile Oberfläche.

x86 Support
Der wichtigste und selbstverständlichste Punkt kommt zum Schluss. Um mit Continuum wirklich einen PC zu ersetzen, müssen zwingend klassische x86 Programme unterstützt werden. Wenn nicht nativ, dann über eine clevere Virtualisierung, die Microsoft am besten gleich mit anbietet. Die Einstellung von Azure Remote App und die erweiterte Kooperation mit Citrix sendet genau das richtige Signal. Für größere Unternehmen dürfte Virtualisierung auch deutlich attraktiver sein als die lokale Ausführung, denn diese Programme kann man zentral verwalten und pflegen, die Software-Verteilung auf die mobilen Geräte entfällt. Der Online-Zwang ist hier kein echtes Ausschluss-Kriterium, ohne permanente Netzwerkverbindung geht in der modernen Arbeitswelt ohnehin nichts mehr. Und im LAN spielt das sowieso keine Rolle.

HP hat sich einen tollen Slogan für das Elite x3 ausgedacht: „The one device that’s every device“. Das beschreibt die Vision von Continuum perfekt. Und mit den oben genannten Weiterentwicklungen kann sie tatsächlich Realität werden.

Artikel im Forum diskutieren (51)

Über den Autor
Martin Geuß
  • Martin Geuß auf Facebook
  • Martin Geuß auf Twitter
Ich bin Martin Geuß, und wie unschwer zu erkennen ist, fühle ich mich in der Windows-Welt zu Hause. Seit mehr als zwölf Jahren lasse ich die Welt an dem teilhaben, was mir zu Windows und anderen Microsoft-Produkten durch den Kopf geht, und manchmal ist das sogar interessant. Das wichtigste Motto meiner Arbeit lautet: Von mir - für Euch!
Nach oben