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Windows 10 Mobile: Microsoft, gib der Welt ein Zeichen!

Wir alle wissen, welche Antwort man bekommt, wenn man Microsoft nach der Zukunft von Windows 10 Mobile fragt. Dann hören wir, dass man voll dahinter stehe, es ein unverzichtbarer Teil der „One Windows“ Strategie ist und man in jedem Fall daran festhalten werde, auch wenn es im Jahr 2016 nicht im Mittelpunkt der Strategie steht. Das sind die Worte, die man immer wieder hört, und die allmählich niemand mehr hören kann und will.

Nun misst man Menschen und Unternehmen aber nicht an dem, was sie sagen, sondern an dem, was sie tun, und welche Signale sie aussenden. Was Microsoft und Windows 10 Mobile betrifft, so gab es seit langer Zeit kein Signal mehr, welches auch nur ansatzweise für Optimismus unter den Freunden des Systems sorgen konnte.

Es begann schon während der Entwicklung von Windows 10 im letzten Jahr, als man den Eindruck bekommen musste, an der mobilen Version werde nur dann gearbeitet, wenn die Entwickler Langeweile haben und nicht wissen, wie sie den Tag hinter sich bringen sollen.

Im November folgte die Präsentation der 950er Lumias, bei der Panos Panay dem allgemeinen Empfinden nach am liebsten Gummihandschuhe getragen hätte. Dann kam die Verschiebung der Verschiebung des verschobenen Rollouts von Windows 10 Mobile, und im Mai schließlich die Quasi-Einstellung der Smartphone-Produktion. Aktuell arbeitet man daran, die Marke Lumia so verschwinden zu lassen, als hätte es sie niemals gegeben.

Die Signale, die Microsoft abseits seiner Lippenbekenntnisse aussendet, sprechen eine deutliche Sprache, und wenn Journalisten und Blogger fleißig die Sargnägel einschlagen, dann muss man dafür jedes Verständnis haben. Wenn die Situation so bleibt, wie sie jetzt ist, dann ist Windows 10 Mobile in der Tat unweigerlich am Ende, da hilft auch kein „Business!“-Geschrei und kein Continuum mehr.

Was man auf die Schnelle bräuchte, wäre ein Wunder. Ein solches wird aber nicht geschehen. Also braucht man zumindest ein starkes Signal. Es wären wohl wieder nur Worte, aber Worte können ja durchaus auch stark sein. Das weichgespülte und inzwischen absolut unglaubwürdige Gewäsch hilft jedenfalls nicht mehr. Wenn man seine Fans, aber auch die Entwickler und die eigentliche Zielgruppe, nämlich die Geschäftskunden, weiterhin bei der Stange halten will, dann muss man ihnen etwas geben, woran sie glauben können: Zum Beispiel einen konkreten Ausblick auf kommende Hardware sowie auf die weitere Entwicklung von Windows 10 Mobile.

Die Xbox-Abteilung hat es vorgemacht: Obwohl noch niemand weiß, was sich im Detail hinter Project Scorpio verbirgt, so wissen wir doch, dass man in Redmond an einer Konsole arbeitet, die zum Zeitpunkt ihres Erscheinens alle bisher dagewesenen Konsolen in den Schatten stellen soll. Ob das gelingt, steht auf einem anderen Blatt, aber die Vision ist da. Wir wissen: Da kommt was.

Natürlich hat Microsoft immer wieder „bestätigt“, dass man weiterhin eigene Hardware entwickeln wird. Das „Surface Phone“ geistert in schöner Regelmäßigkeit durch die Schlagzeilen – aber ich kenne niemanden, der die Hand dafür ins Feuer legen würde, dass es auch wirklich kommt. Man muss ganz einfach alles anzweifeln, was Microsoft derzeit zu Windows 10 Mobile sagt, weil das Gehörte oder Gelesene von den offensichtlichen Fakten überlagert wird.

Darum, liebe Leute bei Microsoft: Wenn Ihr tatsächlich einen Plan habt, dann teilt ihn der Welt mit. Und zwar jetzt. Weil ihr sonst keine Gelegenheit mehr bekommen werdet, ihn umzusetzen. Es wird niemand mehr da sein, der sich dafür interessiert.
Wenn ihr – was man ebenfalls ernsthaft befürchten musst – gar keinen Plan habt, sondern darauf hofft, dass schon alles gut werden wird, wenn man nur oft genug „Business“ sagt, dann bleibt weiter ganz entspannt. Das erledigt sich dann auch von selbst.

Über den Autor

Martin Geuß

Martin Geuß

Ich bin Martin Geuß, und wie unschwer zu erkennen ist, fühle ich mich in der Windows-Welt zu Hause. Seit mehr als zwölf Jahren lasse ich die Welt an dem teilhaben, was mir zu Windows und anderen Microsoft-Produkten durch den Kopf geht, und manchmal ist das sogar interessant. Das wichtigste Motto meiner Arbeit lautet: Von mir - für Euch!

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