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Microsoft Edge: Warum gibt es so wenig Erweiterungen?

Mit dem Anniversary Update für Windows 10 bekam Microsoft Edge eine Neuerung spendiert, auf die besonders Power-User sehnsüchtig gewartet haben: Edge unterstützt jetzt Erweiterungen. Zumindest in der Theorie, in der Praxis ist davon bislang nämlich noch nicht sehr viel zu sehen. Gerade mal ein Dutzend Erweiterungen für Edge findet man im Windows Store.

Warum ist das so? Haben die Entwickler tatsächlich so wenig Interesse, ihre Erweiterungen für Edge verfügbar zu machen, obwohl zumindest der offiziellen Darstellung nach eine Portierung von Chrome zu Edge kinderleicht ist? Angesichts eines Marktanteils von nach wie vor nur rund fünf Prozent eine naheliegende Schlussfolgerung.

Ich weiß nicht, wie groß das Interesse der Entwickler ist, im Moment spielt das allerdings auch gar keine Rolle. Der simple Grund, warum sich der Store noch gar nicht mit Extensions füllen kann, ist: Es ist überhaupt nicht möglich, Edge-Erweiterungen in den Store zu stellen.

Was bislang verfügbar ist, sind Eigenentwicklungen von Microsoft oder Kooperationen mit den entsprechenden Anbietern, einzeln entwickelt und einzeln abgenommen. Für die „massenhafte“ Anlieferung von Edge-Erweiterungen gibt es noch keinen definierten Prozess.

Wie schnell sich das ändert, vermag ich nicht zu sagen. Anfang August hörte ich, an den entsprechenden Dokumentationen für die Entwickler werde noch gearbeitet und sie würden so schnell wie möglich zur Verfügung gestellt. Das ist bislang allerdings noch nicht geschehen. Über den Grund, warum die „Schleusen“ noch nicht geöffnet sind, konnte ich leider nichts in Erfahrung bringen. Ich kann daher nur zwei unterschiedliche Vermutungen anstellen.

Die erste Vermutung wäre, dass man technisch einfach noch nicht soweit ist und die Erweiterungs-Schnittstelle von Edge noch nicht über alle nötigen Funktionen verfügt, um sie für die breite Masse zu öffnen. Das wäre natürlich unschön, zumal mit dem Anniversary Update der offizielle Startschuss gefallen ist und die Nutzer nun darauf warten, dass das Angebot an Edge-Erweiterungen wächst.

Es gibt allerdings noch eine zweite Vermutung: Nämlich die, dass Microsoft gar kein „unkontrolliert“ großes Angebot an Erweiterungen haben möchte. Auch dafür gäbe es gute Gründe, denn wenn man so in die Foren schaut, dann hängen gefühlte 90 Prozent aller Browser-Probleme mit irgendwelchen Erweiterungen zusammen, die eine Webseite schreddern oder sich mit einer anderen Erweiterung nicht vertragen. „Nackt“ machen sowohl Firefox als auch Chrome nur ganz selten Probleme.

Dass Erweiterungen für Edge derzeit noch Mangelware sind, kann also sowohl Not als auch Tugend sein – oder von Beidem ein bisschen. Ich persönlich würde es begrüßen, wenn die zweite Vermutung zutrifft und Microsoft tatsächlich auf ein handverlesenes Angebot setzt.

Über den Autor

Martin Geuß

Martin Geuß

Ich bin Martin Geuß, und wie unschwer zu erkennen ist, fühle ich mich in der Windows-Welt zu Hause. Seit mehr als zwölf Jahren lasse ich die Welt an dem teilhaben, was mir zu Windows und anderen Microsoft-Produkten durch den Kopf geht, und manchmal ist das sogar interessant. Das wichtigste Motto meiner Arbeit lautet: Von mir - für Euch!

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