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Deutsche Partnerkonferenz: Microsoft akzeptiert keine Ausreden mehr

In der vergangenen Woche hatte Microsoft zur Deutschen Partnerkonferenz (DPK) nach Bremen geladen, und rund 1.700 Teilnehmer waren dieser Einladung gefolgt. Damit war es die bisher größte DPK, überhaupt ist diese nach der weltweiten Partnerkonferenz die zweitgrößte Veranstaltung dieser Art auf dem Globus. Das Motto der diesjährigen DPK lautete „Einen Schritt voraus“, und das war in der Tat mehrdeutig. Microsoft möchte einen Schritt voraus sein und wünscht sich das selbstverständlich auch für seine Partner.

Während der Keynotes wurde aber auch eine andere Botschaft klar, nämlich: Wir gehen jetzt los – mit denen, die wollen. Wer jetzt nicht startet, auf den warten wir nicht mehr. Gregor Bieler, in seiner neuen Funktion als General Manager für das Mittelstands- und Partnergeschäft bei Microsoft Deutschland und damit sozusagen Gastgeber der DPK, formulierte in seiner Keynote einen flammenden Appell an die Anwesenden: Man müsse endlich aufhören, die ausgetrampelten Pfade immer wieder abzulaufen. Er glaubt, dass mit den aktuellen Vertriebsmodellen 80 Prozent des Potenzials bei den Kunden ungenutzt bleiben.

Nach wie vor funktioniert der Verkauf von IT zu sehr produkt- und nicht prozessorientiert. Als Ausweg aus diesem Dilemma sieht Microsoft natürlich seine maßgeschneiderten Cloud-Produkte rund um Azure und Office 365, darum holte man sich prominente Fürsprecher auf die Bühne. Daniel Krauss, CIO von Flixbus, fasste es in einem Satz zusammen: „Wir brauchen die Cloud, damit wir uns auf unsere eigentliche Arbeit konzentrieren können“ (Flixbus hat praktisch keine eigene IT).

In den vergangenen Jahren musste sich Microsoft auch von seinen Partnern immer wieder anhören, dass man ohne „deutsche Cloud“ keine entsprechenden Services verkaufen könne. Nun hat Microsoft sehr viel Geld in die Hand genommen, um genau das zu realisieren: Eine Cloud, die allen Auflagen der deutschen Gesetze gerecht wird. Und auch wenn das natürlich nicht so direkt ausgesprochen wurde, die Botschaft war unmissverständlich: Jetzt gibt es keine Ausreden mehr.

Wer als Partner diesen Weg nicht mitgehen möchte, der hat von Microsoft in Zukunft nicht mehr allzu viel Unterstützung zu erwarten. Microsoft Deutschland hat jahrelang um die deutsche Cloud gekämpft und den Widerstand in Redmond schließlich gebrochen. Nun stehen sie natürlich unter Druck und müssen Ergebnisse liefern, damit sich diese Investition auch auszahlt.

Die „German Angst“ hat Deutschland bei der Digitalisierung bereits ins Hintertreffen gebracht. Die meisten Unternehmen, die immer noch glauben, sie könnten einfach so weiter machen, werden diesen Irrtum mit dem Leben bezahlen. Darum sind die Microsoft-Partner jetzt aufgefordert, ihren Kunden gegenüber ein wenig ungemütlich zu werden, was in doppelter Hinsicht schwierig ist. Denn nicht wenige IT-Dienstleister hängen selbst der eher gemütlichen Vergangenheit nach. Es sei noch sehr viel „Beschleunigungsarbeit“ zu leisten, hieß es auf der Partnerkonferenz. Das gilt tatsächlich für alle Beteiligten – für die Kunden, für die Partner und natürlich auch für Microsoft selbst.

Über den Autor

Martin Geuß

Martin Geuß

Ich bin Martin Geuß, und wie unschwer zu erkennen ist, fühle ich mich in der Windows-Welt zu Hause. Seit mehr als zwölf Jahren lasse ich die Welt an dem teilhaben, was mir zu Windows und anderen Microsoft-Produkten durch den Kopf geht, und manchmal ist das sogar interessant. Das wichtigste Motto meiner Arbeit lautet: Von mir - für Euch!

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