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Continuum mit dem NexDock: Es blieb leider bei der guten Idee

Im Frühjahr machte das Crowdfunding-Projekt NexDock von sich reden. Für wenig Geld wollte man eine Notebook-Erweiterung für verschiedene Geräte und Plattformen anbieten, unter anderem eben auch für Windows 10 Mobile. Geräte, die Continuum unterstützen, sollten damit wie ein echtes Notebook genutzt werden können, ganz so, wie das Microsofts Vision auch vorsieht. Das Interesse war groß, es gab ein positives Medienecho mit reichlich Vorschusslorbeeren, auch wir waren daran beteiligt.

Anfang April hatte man über 300.000 Dollar eingesammelt und verkündete stolz den Beginn der Serienproduktion. Dann aber kamen schwere Rückschläge. Im Juni verwüstete ein Feuer die gesamte Produktion, und als die Geräte endlich nachproduziert und verschickt waren, gab es Ärger mit nicht funktionierenden Netzteilen und es kam erneut zu einer Verzögerung.

Ende September trafen dann meine beiden bestellten NexDocks endlich ein – und alle beide hatten einen Display-Schaden, der wohl auf dem Transport entstanden ist. Nachdem ich reklamiert und Fotos eingereicht hatte, bekam ich anstandslos Ersatz.

Nun konnte der Test also beginnen, vorab arbeiten wir uns aber noch schnell durch die technischen Daten:

– Display: 14,1 Zoll, 1366×768 Pixel
– integrierte Lautsprecher
– Bluetooth 4.0
– miniHDMI
– 2 x USB 2.0
– 3,5mm Audio

Neben dem Einsatz als Continuum-Dock für Windows 10 Mobile preist NexDock noch folgende Verwendungsmöglichkeiten an:

– als Erweiterung für ein Windows-Tablet (dann hat man einen vollwertigen Desktop).
– mit verschiedenen Sticks wie FireTV, Intel Compute Stick, Android Sticks etc.
– als sekundäres Display für ein Notebook.
– als ChromeCast- oder Miracast-Display (mit entsorechenden Dongles).
– Als Monitor für AirPlay mit dem iPhone.

Verwendung des NexDock mit Continuum
Die Überschrift hat die Spannung ja schon ein wenig raus genommen, nun wollt Ihr aber sicher wissen, warum diese Lösung nicht das Gelbe vom Ei ist.

Die Verbindung erfolgt über ein HDMI-Kabel. Dieses ist beigelegt, zusätzlich benötigt man aber noch einen USB-C auf HDMI Adapter. Empfohlen wird unter anderem der von HP, diesen habe ich mir daher besorgt. Mit dem Lumia 950 XL kam überhaupt keine Verbindung zustande, auf diesem läuft bei mir allerdings die aktuelle Redstone 2 Preview. Hoffen wir, dass das nur eine vorübergehende Inkompatibilität ist.

Mit dem HP Elite x3 auf dem aktuellen Release-Pfad klappte es dagegen auf Anhieb. Damit man auch Tastatur und Touchpad benutzen kann, muss man dieses per Bluetooth mit dem Smartphone koppeln. Auch das funktionierte im ersten Versuch.

Nun hätte der Spaß also beginnen können, nur leider kam dieser gar nicht erst auf. Das Trackpad erwies sich als fast nicht benutzbar, weil der Mauszeiger teils mit erheblicher Verzögerung reagierte und man so immer über das anvisierte Ziel hinaus schoss. Das Eingeben von Text über die Tastatur funktionierte dagegen praktisch verzögerungsfrei.

Die Bildqualität kann man als gerade noch in Ordnung bezeichnen, längere Texte möchte man in diesem Modus aber definitiv nicht lesen. Am besten war das Bild noch beim Betrachten eines Films – allerdings klappte die Audio-Ausgabe nicht. Woran das genau lag, vermag ich nicht zu sagen.

Ich hatte an diesem Punkt dann ehrlich gesagt auch schon die Lust verloren, denn auch ein funktionierendes Audio-Signal hätte nichts an meinem Fazit geändert, dass beim NexDock in Verbindung mit Continuum am Ende leider nur die gute Idee übrig geblieben ist. Das ist vermutlich dem Preis geschuldet: Wenn es in den freien Verkauf geht, soll es lediglich 119 Dollar kosten. Es hat wohl schon seinen Grund, warum HP für das Lap Dock zum Elite x3 einen Preis jenseits der 600 Euro aufrufen wird.

Das negative Erlebnis ändert aber nichts daran, dass ich weiterhin an die Vision hinter Continuum glaube, denn dahinter steckt der Ansatz, die Recheneinheit vom Display zu trennen und das selbe Erlebnis auf verschiedene Anzeigen zu transportieren. Das hat Zukunft und Microsofts Lösung wird hier ganz bestimmt nicht die einzige bleiben.

Wenn man sich die Homepage von NexDock und dort speziell den Bereich Future anschaut, dann sieht man, dass die Leute dort genau den selben Traum haben. Mein Urteil über das NexDock soll daher nicht als vernichtend empfunden werden, es ist ein typisches „First Generation“ Gerät. Leider werde ich damit weiter nichts anfangen können, aber vielleicht werde ich als Gegenleistung für meine Investition in ein paar Jahren das gute Gefühl bekommen, eine großartige Sache von Anfang an unterstützt zu haben

Über den Autor

Martin Geuß

Martin Geuß

Ich bin Martin Geuß, und wie unschwer zu erkennen ist, fühle ich mich in der Windows-Welt zuhause. Seit 15 Jahren lasse ich die Welt an dem teilhaben, was mir zu Windows und anderen Microsoft-Produkten durch den Kopf geht, und manchmal ist das sogar interessant. Das wichtigste Motto meiner Arbeit lautet: Von mir - für Euch!

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