Continuum mit dem HP Elite x3 und dem Lap Dock

Das HP Elite x3 ist nicht das erste Windows Smartphone, das Continuum unterstützt. Es ist aber sehr wohl das erste Gerät, bei dem hinter der Funktion auch ein tatsächliches Konzept steckt. Neben dem Desk Dock, welches mit dem Display Dock des Lumia 950 oder dem des Acer Liquid Jade Primo vergleichbar ist (obwohl HP auch hier die reifste aller Lösungen am Start hat), gibt es noch das Lap Dock.

Es sieht auf den ersten Blick aus wie ein normales Netbook, verfügt aber über keine eigene „Intelligenz“. Die kommt einzig und allein aus dem HP Elite x3, welches entweder drahtlos oder über USB-C mit dem Lap Dock verbunden wird und alle Apps, die mit Continuum kompatibel sind, auf das externe Display projiziert.

Ich hatte zwar schon im Sommer Gelegenheit, dieses Konzept kurz anzutesten, die finale Version des Lap Dock ist aber erst seit kurzer Zeit erhältlich, und wirklich belastbare Eindrücke gewinnt man ja ohnehin nur am heimischen Schreibtisch bei der praktischen Arbeit.

Bevor wir ins Detail gehen, ein wichtiger Hinweis: Dies ist kein gewöhnlicher Testbericht. Wäre es einer, dann wäre das Ergebnis vernichtend, das Konzept selbst ist aber viel zu spannend, um es insgesamt zu verurteilen. Wer weiter liest, der erfährt, warum das HP Elite x3 in Verbindung mit dem Lap Dock das aktuell spannendste und beste Continuum-Erlebnis bietet – und warum man es trotzdem nicht kaufen sollte.

Die Hardware

Blicken wir zunächst auf die Hardware und die technischen Daten:
Display: 12,5 Zoll, FullHD, matt, ohne Touch
Anschlüsse: 3 x USB-C, microHDMI, 3,5 mm Audio
Gewicht: 1,08 kg
Akku: 46,5 Whr

Zur Hardware selbst gibt es nur eines zu sagen: Note 1. Das Lap Dock bietet absolute Premium-Qualität, die Verarbeitung ist perfekt und die Haptik ist äußerst wertig, dafür sorgt das Gehäuse aus verstärktem Polycarbonat und Aluminium. Die Tastatur ist nach der des Surface Book die beste, auf der ich je getippt habe. Das Display ist ebenfalls sehr gut und der Sound klingt so, wie man ihn sich aus einem solchen Gehäuse vorstellt. Laut und klar, aber natürlich nicht voluminös.

Rein technisch ist das Lap Dock also absolut erstklassig, was man für knapp 700 Euro auch erwarten darf.

Continuum
Kommen wir zum Wichtigsten. Mittels Continuum soll das Lap Dock echtes Notebook-Feeling bieten, obwohl ja letztlich alle Apps auf dem Elite x3 gestartet und ausgeführt werden. Ich habe sowohl mit der aktuellen Version 1607 von Windows 10 Mobile getestet als auch mit der aktuellen Vorabversion des Creators Update (Build 14977). Obwohl die einzig sichtbare Neuerung aktuell jene ist, dass gestartete Apps auf dem Continuum-Bildschirm auf der Taskleiste verbleiben, auch wenn die Verbindung unterbrochen wird, lässt sich sagen: Continuum funktioniert mit dem Creators Update einfach rundum besser.

Die Verbindung zwischen Elite x3 und dem Lap Dock ist sowohl drahtlos als auch verkabelt eine Sache von Sekunden. Verbindungsabbrüche hatte ich bislang gar keine, bei der drahtlosen Verbindung passierte es allerdings hin und wieder, dass der Mauszeiger erst verzögert reagierte und dann teilweise wild umher sprang.

Ich zeige Euch nachfolgend ein paar Screenshots. Sie sind im Grunde alle völlig unspektakulär, und genau das sollen sie auch sein. Wie ihr sehen könnt, sehen alle Apps so aus, wie ihr sie vom PC her kennt, und sie verhalten sich auch genau so. Wenn man sein aktuelles Arbeits-Szenario mit den zur Verfügung stehenden Universal Apps abdecken kann, dann taucht man wirklich in die Welt von Continuum ein und vergisst, dass man eigentlich an einem Phone arbeitet.

Ich habe schon alle Continuum-Lösungen durchprobiert, aber hier hatte ich zum ersten Mal den Gedanken: Ja, das ist es! So will ich das eines Tages haben. Nur noch ein Gerät, auf dem all meine Anwendungen sind und das ich je nach aktuellem Szenario mit dem dafür bestmöglichen Display nutze. Wie ich schon mehrfach betonte, sehe ich in Continuum nicht nur ein Feature von Windows 10, sondern die Vision der Trennung von Display und Computer.

Zum ersten Mal bei meinen Continuum-Tests verspüre ich bei der Arbeit mit dem Lap Dock das Bedürfnis, noch mehr damit erledigen zu wollen. Natürlich stößt man früher oder später an die Grenzen, welche ein ARM-Gerät derzeit noch mit sich bringt – es können keine klassischen Windows-Programme ausgeführt werden. Wie wir wissen, wird sich das in absehbarer Zeit ändern. Zwar nicht für Windows 10 Mobile, aber ich bin einfach mal sicher, dass es da ebenfalls eine Lösung geben wird. Den Cloud-Service HP Workspace, mit dem x86 Anwendungen auf das Elite x3 gestreamt werden, konnte ich bislang leider nicht testen, dafür soll ich aber demnächst einen Zugang erhalten.

Wenn man ganz dekadent ausblendet, dass man für das HP Elite x3 und das Lap Dock insgesamt mehr als 1.500 Euro investieren muss, dann bilden diese beiden Geräte ein fantastisches Duo mit der derzeit bestmöglichen Produktivität, die man ohne ein echtes Notebook erreichen kann. Für den Privatbereich ist das völlig uninteressant, da kauft man sich ein gutes Mittelklasse-Smartphone, ein ordentliches Notebook und macht vom Rest noch einen Kurzurlaub, aber für diese Zielgruppe ist das ja auch nicht gemacht. Bei einem anderen Preis-Leistungs-Verhältnis und mit fortschreitender Entwicklung von Continuum wird das aber auch für zur Hause eine Alternative werden, darauf möchte ich beinahe wetten.

In welchen Szenarien sich dieses Investment im Business-Bereich lohnt, darauf bin ich gespannt. HP hat bescheidene Absatz-Ziele, und unabhängig vom Erfolg des Elite x3 wird derzeit bereits intensiv an dessen Nachfolger gearbeitet, weil man bei HP an die Zukunft dieses Konzepts glaubt.

Ich tue das ebenfalls, nach intensiver Nutzung des Lap Dock mehr als je zuvor. Wenn mich also jemand fragt, ob er sich das Elite x3 nebst Lap Dock kaufen soll, dann lautet die Antwort eindeutig „Nein“. Insgesamt ist diese Lösung so etwas wie ein frei verkäufliches Konzept. Aber es ist ein Konzept, welches den Weg in die Zukunft aufzeigt. Eines Tages werden ich mit einer solchen Kombination meinen Alltag bestreiten, davon bin ich überzeugt.

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Über den Autor
Martin Geuß
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Ich bin Martin Geuß, und wie unschwer zu erkennen ist, fühle ich mich in der Windows-Welt zu Hause. Seit mehr als zwölf Jahren lasse ich die Welt an dem teilhaben, was mir zu Windows und anderen Microsoft-Produkten durch den Kopf geht, und manchmal ist das sogar interessant. Das wichtigste Motto meiner Arbeit lautet: Von mir - für Euch!
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