Der unsichtbare Dritte: Ein Marktüberblick über Connected Car-Betriebssysteme - Update vom 22.06.2018

Ein Gastbeitrag von Claus Ludewig.

Update vom 28.06.2018: Ich habe nun neue Informationen direkt von BMW erhalten. Der BMW-Konzern setzt seit BMW iDrive 6.0 auf eine eigens angepasste Linux-Version. Die ersten Modelle mit BMW iDrive 6 sind seit Auslieferung Juli 2017 auf dem Markt. Kennzeichen des Infotainmentsystems sind nebeneinander angeordnete Rechtecke mit Live-Informationen. Ein Konkurrent hingegen hat den Vertrag mit Blackberry verlängert. Jaguar-Land Rover wird auch zukünftig auf QNX als Betriebssystem setzen.

Update vom 14.01.2018: Gut ein Jahr nach der erstmaligen Übersicht, habe ich die Liste mit den aktuellen Entwicklungen aktualisiert. So haben Audi und Vovlo verkündet, schon 2019Android als Betriebssystem für Ihre Festeinbau-Navis verwenden zu wollen. Toyota hat sich erstmals beim 2018er Camry – der nur in den USA verkauft wird – vom Blackberry QNX-Betriebssystem fürs Festeinbau-Navi verabschiedet. Nun setzt man auf die eigene Linux-Variante namens AGL. Mercedes verabschiedet sich ebenfalls von Blackberry QNX für Ihre Infotainmentangebote und setzt beim MBUX auf eine eigens angepasste Linux-Version.

Originalartikel vom 02.01.2017:
Bevor der eigentliche Beitrag startet, ein paar Anmerkungen zu meiner Person. Von Kindesbeinen an verfolge ich die Entwicklungen der Automobilindustrie und nutze Microsoft-Produkte. Seit dem Start des Windows Insider Programms teste ich Insider-Previews von Windows 10. Mein täglicher Begleiter ist ein Surface. Und natürlich bin ich auch im Dr. Windows-Forum aktiv. Und nun auf geht’s:

Im Jahr 2001 ging ein Aufschrei durch die automobile Welt. Der 7er BMW polarisierte nicht nur mit seinem eigenwilligem Äußeren, sondern auch mit einer neuartigen Bedienlogik im Innenraum: Dem iDrive-System. Über einen im Mitteltunnel zwischen Fahrer und Beifahrer angebrachten Dreh-Drück-Steller konnte man verschiedene Funktionen auf einem Display steuern. Bislang war es üblich, alles über stationäre Tasten zu bedienen, BMW brach mit dieser Gewohnheit. Egal, ob es um den Radiosender, die Klimaanlage oder das nächste Reiseziel geht, alles soll über ein zentrales Bedienelement erreichbar sein.

Die Etablierten
Aktuell weit verbreitet in Sachen Betriebssystem für Navigationssysteme ist QNX. 1982 erblickte das OS für embedded systems unter dem Namen QUNIX das Licht der Welt. Zwei Jahre später wurde es in QNX umbenannt. Im Jahr 2004 kaufte Harman International Industries die Firma samt Software auf. Am 9. April 2010 wird öffentlich bekannt gegeben, dass das kanadische Unternehmen Research in Motion – heute heißt es schlicht BlackBerry – QNX aufkauft.

Die QNX Car Application Platform lief Mitte 2011 in mehr als 20 Millionen Fahrzeugen weltweit. Daneben bildet QNX die Grundlage für das eigene Betriebssystem des Tablet-PCs BlackBerry PlayBook, welches im September 2010 auf den Markt gekommen war.

Aktuell läuft die QNX Car Platform in mehr als 60 Millionen PKW. Neben dem VW-Konzern setzt auch BMW – mittlerweile – auf die kanadische Software. Ein Grund für die Beliebtheit ist die Flexibilität. Die Benutzeroberfläche kann von den Automobilherstellern angepasst und mit einer eigenen Bedienlogik versehen werden. Je nach Hersteller gibt es die Möglichkeit, das QNX-basierte System via Over-the-Air-Update auf den neuesten Stand zu bringen.

Verpasst Microsoft wieder einen wichtigen Markt?
Um diese Frage zu beantworten, müssen wir wieder eine Reise in die Vergangenheit unternehmen. Der Redmonder Softwarekonzern hat sein eigenes Betriebssystem Windows Embedded Automotive am 4. Dezember 1998 auf den Markt gebracht. Technische Basis war Windows CE 2.0. Nicht mal zwei Jahre später kam der Nachfolger, der nun Windows CE for Automotive hieß, in die Autos.

Neu mit dabei waren Apps, wie ein Datei-Explorer. 2002 dann erneut eine neue Version und wieder ein neuer Name: Windows Automotive. Diesmal gab es erstmals Unterstützung für das .NET-Framework.

Als BMW das iDrive-System veröffentlicht, läuft es mit einer Embedded-Variante von Windows. Das war im Jahr 2001. Die erste Version litt jedoch unter der hohen Komplexität der Benutzeroberfläche, die BMW selbst entwickelte, und unter einer schwachen Performance, die dem technischen Unterbau geschuldet war. Denn Windows CE konnte nur mit gemächlicher Hardware arbeiten. Für die zweite iDrive-Generation, die im Jahr 2008 ihr Debüt feierte, wechselte das Münchner Unternehmen zu BlackBerrys QNX-System. Bis Mitte 2017 ist man dabeigeblieben. Und hat nebenbei auch noch eine intuitive UI integriert.

Fiat greift seit 2006 auf die Hilfe von Microsoft zurück. Das Blue&Me-System wurde in Kooperation von Magneti Marelli (Automobilzulieferer, der zum Fiat-Konzern gehört) und Microsoft entwickelt. Der prinzipielle Gedanke ist, dass der Fahrer in Kombination mit einem Bluetooth-gekoppeltem Telefon, via Sprachsteuerung Befehle geben kann, um z.B. Telefonnummern eingeben zu können. Außerdem ist die Blue&Me-Plattform offen für andere Anwendungen, so dass es beispielsweise um eine Navigationssoftware ergänzt wurde. Der italienische Autokonzern hat 2007 mit dem Navigationsgerät Blue&Me Map sogar eine mobile Lösung entwickelt, die man aus dem Auto ausbauen und bei Bedarf wieder in die Halterung stecken kann. Mit den neuen Navigationssystemen in der in 2016 vorgestellten Limousine Giulia, wechselt auch Alfa Romeo von Microsoft zu BlackBerry. Bald wird konzernweit auf eine Android-basierte Navigationslösung umgestellt werden, da man eine Kooperation mit Google angekündigt hat. Möglichst viele Funktionen von der Klimaanlage, dem Radio bis hin zur Navigation sollen dann über ein Android-System gesteuert werden.

Im Januar 2007 wurde das Ford SYNC-Navigationssystem auf der NAIAS Automesse in New York vorgestellt. Die Basis lieferte Microsoft mit Windows Automotive beziehungsweise Microsoft Auto, wie man das Embedded-Betriebssystem nun nannte. Ford sicherte sich zudem ein Exklusivrecht, das den anderen Automobilkunden von Microsoft verboten hatte, die Benutzeroberfläche von Ford SYNC oder die Ford-Apps zu nutzen. Die Vereinbarung lief Ende 2008 aus. Das Navigations- und Infotainmentsystem basiert immer noch auf Windows CE. Die veraltete Hardware und Abstürze des Systems führten zu massiven Protesten der Kunden und auch die Entwickler bei der Ford Motor Company waren unzufrieden. Daher kehrte man 2014 Microsoft den Rücken und wechselte zu BlackBerrys QNX. Seit Ford SYNC 3 wird nun die kanadische Software verwendet. Diese bietet auch die Möglichkeit, Android Auto oder Apple Carplay zu nutzen. Das Betriebssystem lässt sich via Over-the-Air-Update aktualisieren. Um die Datenmenge nicht über Mobilfunknetzwerke laufen zulassen, läuft das Ford Service Delivery Network über Microsoft Azure-Server ab, die den Datenstrom via Wi-Fi verteilen.

Der vierte Hersteller, der Windows im Auto genutzt hatte, war Kia. Seit 2011 wurden die UVO-System ausgeliefert – in den USA. Dort bekam man allerdings keine Navigationsfunktion. Und seit einiger Zeit nutzt auch Kia, genauso wie die Konzernschwester Hyundai, QNX-basierte Navigationsgeräte.

Microsoft ist also erstmal raus aus dem Markt für Connected Car-Betriebssysteme.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass QNX eine Marktmacht innehat, was Betriebssysteme in Fahrzeugen angeht. Folgende Konzerne/Marken nutzen das BlackBerry-System:

  • FCA (Fiat Chrysler Automobile): Abarth, Alfa Romeo, Chrysler, Dodge, Ferrari, Fiat, Jeep, Lancia, Maserati, RAM Trucks, SRT -> Der FCA-Konzern hat auf der CES 2017 angekündigt, in seinem neuen UConnect-Navisystem auf Android 7 zu setzen.
  • Ford, Lincoln.
  • GM: Buick, Cadillac, Chevrolet, GMC, Holden.
  • Jaguar-Land-Rover.
  • Kia-Hyundai. -> ein eigenes OS für Connected Cars befindet sich in Entwicklung (genannt ccOS) und soll bis 2020 fertig sein.
  • Renault-Nissan.
  • VW-Konzern. Audi, Lamborghini, Seat, Skoda, Porsche, VW. -> Audi hat angekündigt, zukünftig auf Android als OS fürs Infotainmentsystem zusetzen.
  • Und ein paar weitere Hersteller

Insgesamt nutzen mehr als 40 OEM-Partner die QNX-Systeme für Navigationsgeräte bzw. für andere Komponenten. Dazu zählen beispielsweise: Steuerungssoftware für Fahrerassistenzsysteme oder auch Software für die Darstellung von digitalen Instrumenten.

Konkurrenz aus der IT-Branche
BlackBerry ist natürlich nicht alleine auf dem Markt der Automobilindustrie. Das US-amerikanische Unternehmen Inrix hat im März OpenCar Inc. aufgekauft. Diese hat eine Navigationslösung entwickelt, die in Modellen von Mazda zum Einsatz kommt. Das Betriebssystem lässt sich via Over-the-air-Update auf den neuesten Stand bringen und bietet den Automobilherstellern die Möglichkeit, eine eigene Benutzeroberfläche zu schreiben, damit das Look-and-Feel des Infotainmentsystems auch zur Marke passt. Inrix Inc. selbst ist seit einigen Jahren als Zulieferer aktiv, denn sie haben die Technologie und den Service für die Echtzeitverkehrsinfo entwickelt. Mit einem Ampelsystem wird auf der Navigationskarte angezeigt, ob der Verkehr flüssig fließt (grüne Farbe), es etwas zäh ist (gelb) oder ein Stau vorhanden ist (rot). Neben den deutschen Premium-Autobauern nutzt beispielsweise auch Volvo die Infos des Unternehmens aus Seattle. Und auch Microsoft setzt bei der eigenen Karten-App auf die Daten von Inrix.

Daneben ist Google ein Konkurrent auf dem Automotive-Markt. Hierbei werden zwei verschiedene Lösungen angeboten. Zum einen Android Auto. Damit kann man ausgewählte Apps von einem im Fahrzeug angeschlossenen Android-Smartphone auf das Display im Armaturenbrett spiegeln. Allerdings sind nur speziell zugelassene Applikationen verfügbar, kein Vergleich also zum „normalen“ Betrieb des Smartphones. Android Auto wird ausschließlich in Verbindung mit einem Festeinbau-Navigationsgerät verkauft. Es ist also nur eine Ergänzung der eigentlichen Navigationslösung. Zum anderen vertreibt Google Android auch direkt an Automobilhersteller. Honda nutzt das System aus Mountain View. Bald werden auch die ersten Audi-Modelle und Volvos mit Android erscheinen.

Die große Unbekannte ist da noch Apple. Aktuell bietet man mit Carplay ein Äquivalent zu Android Auto für iPhone-Nutzer an. Laut Gerüchten wird bei Apple an einer Softwarelösung für Connected Cars gearbeitet.

Zuspruch bekommt Linux, dass sich ob seiner Anpassbarkeit bei einigen Herstellern großer Beliebtheit erfreut. Auf jeweils eigens angepasste Linux-Versionen, setzen die folgenden Automarken:

  • BMW-Konzern. BMW, MINI, Rolls-Royce,
  • Mercedes,
  • Tesla,
  • Toyota. Hierbei kommt das AGL (Automotive Grade Linux)-System zum Einsatz. Der Camry ist das erste Modell mit dem neuen Infotainment-OS.

Der Elektroauto-Spezialist Tesla setzt beim serienmäßigen Touchscreen auf eine eigens angepasste Linux-Version von Ubuntu. Als Hardware werden Prozessoren von Nvidia verbaut.

Doch auch Microsoft ist nicht untätig. Mit Renault-Nissan ist eine Partnerschaft geschlossen worden, so dass Azure-Dienste für den Aufbau und die Betreuung von Dienstleistungen rund um das eigene Fahrzeug genutzt werden. Beispielsweise für Apps, die Informationen liefern, wo das Auto geparkt wurde. Toyota hat ein Joint-Venture angekündigt, um gemeinsam mit Microsoft an Systemen für autonome Fahrzeuge zu arbeiten. Außerdem setzen die Japaner auf Azure-Cloudtechnologie. Mit BMW kooperiert Microsoft ebenfalls und hat den ConnectedDrive-Dienst auf Microsoft Azure aufgebaut. Zusätzlich bietet man eine Office 365-Integration in den BMW Navigationssystemen an. Und im neuen 5er BMW (intern G30 genannt) gibt es sogar ein Hauptmenü in Kacheloptik mit Live-Status (Video). Mercedes offeriert auch eine Integration von Office 365. Dabei werden E-Mails, der Outlook-Kalender und die Kontakte mit dem Fahrzeug synchronisiert. Volvo hat nun (am 28. Dezember) angekündigt, eine Skype for Business-App in seinem Navigationssystem vorzuinstallieren. Microsoft will mit Services seinen Platz hinter dem Lenkrad finden. Der unsichtbare Dritte?!

Was man in Zukunft in Redmond in Sachen Connected Car anstellen könnte, erfahrt Ihr in Teil 2.

 

Quellenverzeichnis und weitere Informationen:

DAVIES, JAMIE: Toyota and Microsoft launch connected car initiative. [05.04.2016].

JELICA, ALBERT: Skype for Business zukünftig auf Volvo XC90, V90 & S90 vorinstalliert. [28.12.2016].

MICROSOFT: Renault-Nissan and Microsoft partner to deliver the future of connected driving. [26.09.2016].

MEARIAN, LUCAS: Why Ford is dumping Microsoft for Blackberry’s QNX OS. [26.02.2014].

OLIN, EMILY: Automotive Grade Linux Platform debuts on the 2018 Toyota Camry. [30.05.2017].

QNX

RAVI, SANJAY: BMW partners with Microsoft to build a new kind of car intelligence. [01.04.2016].

SHAPIRO, DANNY: City of Angels – NVIDIA-Powered Cars Unveiled at Los Angeles Auto Show. [19.11.2016].

VOLVO: Das vernetzte Auto der Zukunft. Volvo geht Partnerschaft mit Google ein. [15.05.2017].

WEINTRAUB, SETH: Android Cars at Google I/O 2017. [15.05.2017].

Über den Autor
Martin Geuß
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Ich bin Martin Geuß, und wie unschwer zu erkennen ist, fühle ich mich in der Windows-Welt zu Hause. Seit mehr als elf Jahren lasse ich die Welt an dem teilhaben, was mir zu Windows und anderen Microsoft-Produkten durch den Kopf geht, und manchmal ist das sogar interessant. Das wichtigste Motto meiner Arbeit lautet: Von mir - für Euch!

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Kommentare
  1. Super Bericht, Danke sehr interessant. :) Würde mich schon freuen wenn es möglich wäre mein 950xl über's Touch Display meines 1 Jahr alten Citroen C4 Steuern zu können. Diverse Apps versteht sich.....Navi, Musi und so. ;)
    Microsoft am pc, android am telefon, Blackberry im auto. Jeweils als fast monopol, aber in den anderen bereichen jeweils sogut wie unbedeutend. Warum holt man sich 3 verschiedene betriebssysteme ins haus. Ein einziges ist doch viel effektiver und (zumindest sollte es so sein) greift doch auch viel besser ineinander.
    Ich verstehe Menschen nicht...
    @MisterHerby: Vielen Dank für das Lob :-) Es freut mich, dass Dir mein Bericht gefällt :-)
    Leider muss ich Dich enttäuschen. Momentan deutet rein gar nix daraufhin, dass Du irgendwie ein Lumia 950XL ans Navi anschließen kannst, um den Bildschirm zu spiegeln.
    MirrorLink gibt es zwar auch noch, neben Android Auto und Apple CarPlay, aber es ist am Aussterben. Die Hersteller - vor allem der Smartphones - setzen lieber gleich auf Android Auto, anstatt auf den älteren MirrorLink-Standard. Den hatte u.a. Nokia mit entworfen...Er zeichnet sich vor allem durch eine hohe Inkompatibilität aus. Es funktioniert nur, wenn das Smartphone eine bestimmte Softwareversion hat, das Navi im Auto eine bestimmte Softwareversion hat und selbst dann ist es keine Garantie, dass es wirklich klappt. Ganz zu schweigen von der Bedienung...Das ist MirrorLink.
    Auf Basis von MirrorLink hatte Microsoft auch mal einen Prototypen für "Windows im Auto" entwickelt. Das war 2014. Daraus ist nichts geworden.
    Sehr informativer Bericht.
    Habe dadurch viele Details erfahren die mir bisher gar nicht bekannt waren.
    Danke. :daumen+
    Ehrlich gesagt ist für mich die connected-car-Diskussion ein Versuch der Autohersteller ihre Mondpreise für Unterhaltungselektronik und Navigation im Auto zu halten.
    Für Sicherheitsfunktionen hoffe ich, dass man gar nicht erst auf die Idee kommt, dort für die Allgemeinheit nutzbare/zugängliche Schnittstellen einzubauen.
    Für die Unterhaltung und Komfortfunktionen reicht mir eine Ladehalterung und eine Bluetoothverbindung zum Audiosystem. Luxus wäre im Auto eine Antenne die zum UKW- Empfang auf dem Handy und als Repeater genutzt wird.
    Das Betriebssystem des Mobilgeräts ist dann vollkommen egal und so auch langfristig von irgendwelchen Updates unabhängig. Ein Auto wird in Deutschland durchschnittlich 9 Jahre in Betrieb gehalten. Tendenz steigend. Das sind dann die Supportzyklen die auf die Connected-Car-Anbieter zukommen. Die Autohersteller sorgen bereits heute so lange für Support und Ersatzteile. Wollen die IT-Unternehmen das wirklich anbieten?
    Ich bin da ein etwas gebranntes Kind. Mein TomTom, dass in meinem fünf Jahre alten Auto fest verbaut ist, lässt sich seit ein paar Jahren nicht mehr updaten und ein passendes Nachfolgeprodukt gibt es nicht. Außerdem war es Recht wählerisch was die nutzbaren Handys angeht und hat mein Nokia 3510 am Leben gehalten.
    Navigation gibts jetzt halt komplett übers Handy. Immer aktuell und ohne jede Kompatibilitätsprobleme. Und dank Android auch auf den Nachfolgeräten nutzbar. Bluetooth-Empfanger in die Klinkebuchse und jetzt bin ich fast unabhängig von der Anlage im Auto.
    Ich bin mal so frei und klaue das mal
    Sehr informativer Bericht.
    Habe dadurch viele Details erfahren die mir bisher gar nicht bekannt waren.
    Danke.

    Wobei ich gestehen muss, so lange BT-Freisprechen + Telefonbuch funktioniert, ist mir der Rest für meinen persönlichen Bedarf und meine zwei bis vier Jahres-Beziehungen ziemlich egal. Nur schlechter dürfte es nicht werden.

    Für die Unterhaltung und Komfortfunktionen reicht mir eine Ladehalterung und eine Bluetoothverbindung zum Audiosystem. Luxus wäre im Auto eine Antenne die zum UKW- Empfang auf dem Handy und als Repeater genutzt wird.
    Das Betriebssystem des Mobilgeräts ist dann vollkommen egal und so auch langfristig von irgendwelchen Updates unabhängig. Ein Auto wird in Deutschland durchschnittlich 9 Jahre in Betrieb gehalten. Tendenz steigend. Das sind dann die Supportzyklen die auf die Connected-Car-Anbieter zukommen. Die Autohersteller sorgen bereits heute so lange für Support und Ersatzteile. Wollen die IT-Unternehmen das wirklich anbieten?

    Das Problem ist folgendes: Die Autohersteller wollen ihre Kunden langfristig an die Produkte binden. Was nützt einem ein "autonomes Fahrzeug", wenn es keine Ahnung hat, wo es hinfahren soll? Die Autohersteller brauchen im Fahrzeug fest verbaute Sensorik und ein Festeinbau-Navisystem, um autonome Fahrzeuge anbieten zu können.
    Zusätzlich müssen die Kartendaten immer aktuell sein. Also heißt das: Ein System braucht "Over-the-air"-Updates und zwar möglichst kostenlos, damit man nicht doch auf die Idee kommt und sein Smartphone nutzt. Denn: Die Autohersteller kommen nicht an die Google Maps-Daten bzw. wollen das auch gar nicht, da sie selbst dann Daten an Google abtreten müssten.
    Die Konsequenz: Im neuen 5er BMW (G30) ist ein Navisystem serienmäßig verbaut. Und es gibt "Over-the-air"-Updates. Nur als Beispiel.
    Connected Cars sind ein großer Markt, da ist es logisch, dass Google und Co. ein Interesse haben, auch daran teilzuhaben. Und Supportzyklen ist den IT-Firmen nicht so wichtig, es geht um die Daten, wer wo wann und wie hinfährt. Um den Individualverkehr sicherer zu machen.
    Und wenn es eh Millionen Android-Smartphones gibt, warum nicht diese gleich zur Navigation nutzen?!
    Microsoft am pc, android am telefon, Blackberry im auto. Jeweils als fast monopol, aber in den anderen bereichen jeweils sogut wie unbedeutend. Warum holt man sich 3 verschiedene betriebssysteme ins haus. Ein einziges ist doch viel effektiver und (zumindest sollte es so sein) greift doch auch viel besser ineinander.
    Ich verstehe Menschen nicht...

    Äh, weil die Betriebssystem völlig andere Anforderungen haben. Hersteller werden das präferieren, dass am pflegeleichtesten (und damit auch am günstigsten) ist und gleichzeitig das eigene Anforderungsprofil am besten bedient.
    Was nutzt es in mehrere Szenarien den gleichen Anbieter zu haben, wenn er nur für ein Anwendungsszenario eine zufriedenstellende Lösung bietet.
    Auf Microsoft gewendet: Sie hatten im Vergleich zu QNX (BlackBerry) einfach das minderwertigere Produkt.
    Ich mein, nur weil ich ein Konto bei der Sparkasse habe, muss ich nicht auch dort nen Kredit aufnehmen, wenn die Konditionen bei einer anderen Bank besser sind, nur um zu sagen: Bei mir ist alles Sparkasse only. Ist doch absurd. Für jedes Szenario wähle ich die effektivste und ökonomischste Lösung. Betriebswirtschaft hat mit Fanboy-Mentalität nichts zu tun.
    Sehr aufschlußreich und informativ.
    Ich würde schon fast meinen, dass Samsung mit der Übernahme von Harmann sich den Weg in die Autos gesichert hätten. Aber, QNX wurde vorher an BB verkauft. Wie makaber.
    @Smartlatin:
    QNX wurde vorher an BB verkauft
    Gott oder wem auch immer sei´s gedankt, wäre mir ein Graus, wenn ich wüsste, dass Samsung-Technik bei mir im Hintergrund werkelt.
    Kann sich noch jemand an die Session auf der Build vor zwei(?) Jahren erinnern, wo Microsofts neues Auto-OS gezeigt wurde? Davon hat man dann auch nichts mehr gehört. :D
    @ clausi007
    Du hast Recht klar gehts um die Daten. Aber nur den Unternehmen. Es geht aber darum so ein Produkt zu verkaufen. Da sind andere Sachen wichtig.
    Ich war einige Jahre in der Branche und habe da so einige Erfahrungen gemacht, dass ich daran Zweifel habe: Wie stark steigt die Zahlungsbereitschaft auf dem zahlungskräftigen Massenmarkt wenn man dafür nicht mehr selbst fahren muss? Ist nicht sogar eher zu befürchten, dass sie sinken wird? Autokäufer sind irrational oder gibt es einen vernünftigen Grund ein SUV zu kaufen, wenn man keine Landwirtschaft hat? (Lustig SUV Besitzer nach ihrem Hof zu fragen .. ) Leichtmetallfelgen und Sportgurte braucht auch kein Mensch und zumindest auf den mir bekannten Autobahnen braucht auch keiner ein Sportfahrwerk. Trotzdem ist es ein Riesenmarkt. Diese Emotionen liefert das autonome Fahren nicht. Warum also dafür bezahlen? Rein von der Vernunft her für die meisten Autokäufer ein Hyundai i10 oder ein Citroen ZOE in Kombination mit einer BahncardFirst die optimale Lösung für die Mobilitätsbedürfnisse.
    Die Wachstumsmärkte der Automotivebranche sind der ASEAN-Raum, the Andean, the emerging Mideast (Türkei, Iran usw) und der Nordarikanische Gürtel. Da wäre die Technik zwar sicher auch sinnvoll, aber ich sehe da noch weniger die Zahlungsbereitschaft und -fähigkeit als bei uns.
    Rein von der strategischen Ausrichtung dürfte die Kooperation DongFeng, Nissan und PSA mit ihren robusten Einfachautos eine wesentlich bessere Ausgangssituation haben als die etablierten Technikführer.
    Wo ich die Technik des autonomen Fahrens sehe ist eher der professionelle Markt. Also Lieferdienste und den Verkehr zwischen deren Hubs. Wegen mir auch Pizzadienste oder für Taxis. Letzten Endes muss es aber auch hier jemand zahlen. Bisher sind LKW, die mittlerweile Fahrer von den Philippinen haben, immer noch sehr, sehr billig.
    Das Platzproblem in den Städten löst das autonome Fahren auch nicht.
    Vorher müssen aber erstmal noch eine ganze Reihe rechtliche Fragen beantwortet werden. Damit meine ich nicht den Gesetzgeber. Wie werden Versicherungen solche Fahrzeuge einstufen? Technisch ist das autonome Fahren sicher machbar. Der Rest wird spannend.
    Für mich ist das autonome Fahren so etwas wie der Transrapid der Automobilindustrie. Toll was das alles kann, aber kaufen?
    Kann sich noch jemand an die Session auf der Build vor zwei(?) Jahren erinnern, wo Microsofts neues Auto-OS gezeigt wurde? Davon hat man dann auch nichts mehr gehört. :D

    Dieser Prototyp von "Windows 8 in the car" wurde auf der BUILD 2014 vorgestellt. Allerdings hat es das System nie zur Marktreife gebracht.
    Die Verbindung zum Windows Phone wurde mittels MirrorLink-Technologie hergestellt. Diese wurde noch von Nokia mit entwickelt...Und ist völlig veraltet. Denn: In aktuellen Autos wird MirrorLink nur von Android-Smartphones unterstützt. Und das mehr schlecht, als recht. Es gehen immer nur bestimmte Softwareversionen. Die MirrorLink-App im Auto muss kompatibel sein mit der eigens entwickelten MirrorLink-App auf dem Android-Gerät. Wehe, eine von beiden wird aktualisiert...
    Wie gesagt: "Windows 8 in the car" hat es nie auf den Markt geschafft.
    Link: http://www.theverge.com/2014/4/5/5585148/microsoft-windows-in-the-car-concept .
    steffend
    @ claus007
    Du hast Recht klar gehts um die Daten. Aber nur den Unternehmen. Es geht aber darum so ein Produkt zu verkaufen. Da sind andere Sachen wichtig.
    Ich war einige Jahre in der Branche und habe da so einige Erfahrungen gemacht, dass ich daran Zweifel habe: Wie stark steigt die Zahlungsbereitschaft auf dem zahlungskräftigen Massenmarkt wenn man dafür nicht mehr selbst fahren muss? Ist nicht sogar eher zu befürchten, dass sie sinken wird? Autokäufer sind irrational oder gibt es einen vernünftigen Grund ein SUV zu kaufen, wenn man keine Landwirtschaft hat? (Lustig SUV Besitzer nach ihrem Hof zu fragen .. ) Leichtmetallfelgen und Sportgurte braucht auch kein Mensch und zumindest auf den mir bekannten Autobahnen braucht auch keiner ein Sportfahrwerk. Trotzdem ist es ein Riesenmarkt. Diese Emotionen liefert das autonome Fahren nicht. Warum also dafür bezahlen? Rein von der Vernunft her für die meisten Autokäufer ein Hyundai i10 oder ein Citroen ZOE in Kombination mit einer BahncardFirst die optimale Lösung für die Mobilitätsbedürfnisse.

    Ich gebe Dir Recht, dass das Verkaufen natürlich wichtig ist! Die beste Technik nützt nichts, wenn es niemand versteht und dann kauft.
    Und ja, das Auto ist - für Viele - ein emotionales Thema. Es braucht niemand ein Sportfahrwerk oder ein leistungsstarkes Soundsystem. Trotzdem wird es gekauft. Es ist auch immer ein wenig Ausdruck der eigenen Persönlichkeit.
    Tesla zeigt beispielsweise, wie man eine neue Käuferschicht erreichen kann. Einerseits ökologisch bewusste Kunden, andererseits Technik-begeisterte Menschen. Denn: Das Fahren ist dank E-Motor leise und komfortabel. Auf Wunsch hat man aber auch jede Menge Leistung parat. Zusätzlich kann man sich aber auch "Fahren lassen" - für einige Kunden ist genau dieser Innovationsgeist, DAS Kaufargument.
    Man kann also sagen, Fahren macht Spaß. Sowohl das Selbstfahren, als auch das Gefahren werden :-)
    So KÖNNTE man argumentieren.
    Und außerdem ist auch der serienmäßige Touchscreen samt Navigation ein wichtiges Verkaufsargument. Gerade weil die Bedienung so intuitiv, wie auf dem Smartphone ist, mögen es viele (potentielle) Käufer. Oder eben auch nicht.
    Nur zeigt es, wie eminent die Bedeutung von Navigations- oder besser Infotainmentsystemen, gestiegen ist. Wenn man eine gute Benutzeroberfläche hat, die die gewünschten Funktionen mitbringt, ist genau DAS der Grund, das Auto zu kaufen.
    PS-Zahlen oder der Kofferraum spielen zwar auch noch eine Rolle, aber eben auch die Konnektivität. Und die Vernetzung wird immer bedeutender. Da müssen die zugrunde liegenden Betriebssysteme was bieten...
    Vielen Dank für den sehr informativen Bericht. Das sind Antworten auf Fragen, die man eigentlich schon immer wissen wollte. In so gebündelter Form die Infos aufbereitet zu bekommen, wird sich kaum woanders finden lassen. :daumen+:daumen+
    gut beitrag wusste ich nicht dass Microsoft schon so viel versucht hat mit connected car. aber denkt hier eigentlich niemand an Continuum mit dem ultra mobile device? ?
    was mir bisher bei eigentlich allen 'modernen' Autointegrationen fehlt ist eine innovative Bedienmöglichkeit. Ein einfacher Touchscreen mit Buttons und co ist fürs Auto nicht gut genug. Man muss es blind bedienen können. Das geht so aber leider immer weniger. Irgendeine Kombination von Gesten und Sprache muss da meiner Meinung nach her. Aber wenn da jeder nur sein Betriebssystem draufklatscht und das dann Integration nennt weil es in einer Konsole im Auto eingebaut ist und auch noch die Klimaanlage bedienen kann damit ist es nicht getan. Von daher: ich bin bisher nicht überzeugt. Ich lasse mich aber gerne überraschen.
    Wie eben bei allem, MS zieht sich aus den "Endgeräten" vollständig zurück und Endkunden die auf MS setzen werden letztlich irgendwann in einer Sackgasse enden
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