Twitch: Eigener Desktop-Client geht in die Beta – Update: Zum Download freigegeben
Dass Amazon in den vergangenen Monaten immer stärker auf den klassischen Desktop vordringt, ist schon lange kein Geheimnis mehr. Nachdem man bereits in der Vergangenheit immer schon entsprechende Angebote wie Kindle for PC und Amazon Cloud Drive anbot und die Nutzer von Windows 10 auch mit einer eigenen Universal App für Audible umsorgt, kam zuletzt mit Chime ein neues Angebot hinzu, das ein direkter Konkurrent zu Microsoft Teams und Slack werden soll.
Auch der Gamingsektor wird für Amazon immer wichtiger. Bereits vor einiger Zeit hat man die Cry-Engine von Crytek geforkt und daraus mit Amazon Lumberyard seine eigene Gaming-Engine entwickelt, die im Gegensatz zu ihrem Vorbild über kein Abomodell vertrieben wird. Nun geht man auch mit seinem Streamingportal Twitch einen Schritt weiter und wird bereits am 16. März einen eigenen Desktop-Client in die offene Beta schicken.
Konkurrenz für Discord und TeamSpeak
Der neue Client basiert auf Curse, einem VoIP-Dienst sowie Anbieter einer eigenen Gaming- und Moddingcommunity, den Twitch im vergangenen August übernommen hat. Entsprechend wird die Software neben diversen Kommunikationsmöglichkeiten auch den Downloads von Mods oder gar ganzen Spielen anbieten (wir berichteten hier vor kurzem darüber), die Amazon direkt darüber vertreiben will. Einstellungen werden sich über die Cloud synchronisieren lassen und Twitch-Streamer können zudem ihren eigenen Server aufsetzen und direkt mit ihrer Community in Kontakt bleiben.
Nach den bisherigen Dingen, die bereits bekannt sind, dürfte der neue offizielle Twitch-Client aber zumindest vorerst kein Ersatz für die uns bekannten Universal-Apps wie LiveBeard oder Unstream werden. Gleichwohl bläst Amazon damit, wenn man sich nur auf das Thema Gaming konzentriert, zum Frontalangriff auf Microsoft, die in der Summe mit der Xbox-App, Xbox Play Anywhere und Beam letztlich ganz ähnliche Pläne haben. Dass Twitch hier in der deutlich besseren Ausgangsposition ist, sollte niemanden überraschen.
Was kommt neben dem Gaming?
Spannender wird für mich die Frage sein, was Amazon noch für Twitch abseits des Gamings plant. Der Streamingdienst hat sich bereits seit Längerem dem großen Kreativbereich in all seinen Facetten geöffnet und dabei auch schon diverse Prominenz auf seine Plattform gelockt. So betreiben Adobe, die Bob Ross Inc. oder Twit.tv eigene (24h-)Kanäle dort und auch bekannte Künstler wie der Trance-DJ Darude gehen immer mal wieder live auf der Plattform.
Der aktuelle Vorstoß betrifft erstmal nur die Spielebranche, aber wenn es Amazon geschickt anstellt und weiter, wie bisher, an einem systematischen Ausbau von Twitch arbeitet, könnte es auch für Google interessant werden. Sicherlich wird man YouTube dann immer noch nicht hart im Nacken sitzen, aber dann hat Twitch sehr gute Chancen, sich ähnlich wie Vimeo eine sehr große Nische zu sichern und dem großen Marktführer Marktanteile abzujagen.
via Neowin und Twitch Blog
Update 16.03.2017, 20.34 Uhr
Der Download ist jetzt hier verfügbar.
Über den Autor

Kevin Kozuszek
Seit 1999 bin ich Microsoft eng verbunden und habe in diesem Ökosystem meine digitale Heimat gefunden. Bei Dr. Windows halte ich euch seit November 2016 über alle Neuigkeiten auf dem Laufenden, die Microsoft bei seinen Open Source-Projekten und den Entwicklerthemen zu berichten hat. Beiträge über Edge, Mozilla, Europas Digitalwirtschaft und inklusive Informatik runden meinen Bereich ab.
