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Sprachassistenten: Zwei essentielle Faktoren für den Durchbruch

Es gibt derzeit gleich mehrere Technologien, denen man zutraut, „The next big thing“ zu werden. Neben den verschiedenen Ausprägungen der virtuellen Realität gehören auch die digitalen Assistenten dazu, die vornehmlich per Sprache bedient werden. Amazon, Apple, Google und Microsoft sind bereits am Start, weitere werden folgen. Neben ihrer wichtigsten Aufgabe – nämlich der, tatsächlich nützlich zu sein und das zu tun, womit man sie beauftragt, gibt es für mich zwei weitere wichtige Eigenschaften, die darüber entscheiden werden, ob ein solcher Sprachassistent bei den Nutzern erfolgreich ankommt oder nicht.

In der letzten Woche habe ich Microsofts Cortana eher bescheidene Erfolgsaussichten attestiert, und einer der beiden Punkte hat damit auch ganz direkt zu tun. Aber der Reihe nach:

Benutzer-Authentifizierung und Mehrbenutzerfähigkeit
Wir kennen die Geschichten von dem Nachrichtensprecher, der zu Hause das Licht ausschaltet und von Kindern, die das Vermögen ihrer Eltern bei Amazon ausgeben. Kuriose und amüsante Fälle, die aber ein ernsthaftes Problem zum Vorschein bringen: Es muss sichergestellt werden, dass Derjenige, der eine Aktion durchführt oder eine vertrauliche Information abruft, und sei es nur der persönliche Kalender, auch tatsächlich dazu berechtigt ist. So lange der Assistent noch in einem Smartphone „wohnt“, welches in der Regel nur seinem rechtmäßigen Besitzer zugänglich ist, mag das noch eine einfache Aufgabe sein. Wenn wir aber an Geräte wie Amazons Echo denken, die darauf ausgelegt sind, irgendwo im Raum zu stehen, wird eine solche sichere Authentifizierung zur Pflichtaufgabe. Im Idealfall geschieht das auf natürliche Art und Weise durch eine zuverlässige Erkennung anhand der Stimme

In diesem Punkt sehe ich Microsoft in einer guten Position: Sichere Authentifizierung und Mehrbenutzerfähigkeit stecken tief in der DNA alle Produkte, Windows 10 als der Unterbau für alle Geräteklassen bringt diese Fähigkeit mit, und eine Technologie wie Windows Hello schreit geradezu danach, durch eine biometrische Authentifizerung mittels Sprache erweitert zu werden.

Natürliche Sprache
Der zweite Punkt ist noch sehr viel wichtiger. Ich bin sogar der Überzeugung, dass er wichtiger ist als alle anderen Eigenschaften zusammen. Nicht die Sicherheit oder der Funktionsumfang werden am Ende entscheidend sein – der Weg in den Olymp der Sprachassistenten führt über die natürliche Erkennung der Sprache. Egal ob Alexa, Siri, Cortana oder Google Assistant – all diese Sprachassistenten können ihre volle Leistungsfähigkeit erst ausspielen, wenn der Benutzer weiß, wie er sie zu bedienen hat. Man muss die verfügbaren Befehle kennen und wissen, wie man diese formulieren muss, damit man das gewünschte Ergebnis bekommt. Man muss lernen, seinen Assistenten zu verstehen, obwohl es genau anders herum sein sollte.

Natürliche Sprache ist DAS Killerfeature. Ich muss mit meinem digitalen Assistenten sprechen können, wie mir der Schnabel gewachsen ist und ohne mir irgendwelche Gedanken machen zu müssen, ob ich die richtigen Schlagworte in der korrekten Reihenfolge angegeben habe. Der Assistent, der am menschlichsten wirkt, wird die Sympathie der Nutzer bekommen. Und diese Sympathie wird die Menschen sogar über funktionale Defizite gegenüber Konkurrenzprodukten hinwegsehen lassen. Nicht der intelligenteste und umfangreichste, sondern der menschlichste Assistent wird ganz vorne sein. Und das ist eben genau der Punkt, in dem Microsoft mit seiner eher suboptimalen Lokalisierung die größte Gefahr droht, international aufs Abstellgleis zu geraten. Der Rückstand ist allerdings nicht so groß, wie er auf den ersten Blick erscheint – auch deshalb, weil man diese Fähigkeit nicht einprogrammieren kann. Die künstlichen Intelligenzen müssen sich das sozusagen selbst beibringen und genau das ist ein Bereich, in den Microsoft massiv investiert. Die Kapazitäten sind also vorhanden, sie müssen nur auf das richtige Ziel ausgerichtet werden.

Über den Autor

Martin Geuß

Martin Geuß

Ich bin Martin Geuß, und wie unschwer zu erkennen ist, fühle ich mich in der Windows-Welt zuhause. Seit 15 Jahren lasse ich die Welt an dem teilhaben, was mir zu Windows und anderen Microsoft-Produkten durch den Kopf geht, und manchmal ist das sogar interessant. Das wichtigste Motto meiner Arbeit lautet: Von mir - für Euch!

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