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KDE: Wenn FOSS auf den Spuren von Windows 10 wandelt

Microsoft hat mit der Veröffentlichung von Windows 10 im Juli 2015 in vielen Punkten für sich absolutes Neuland betreten. Mit Windows as a Service wurde aus dem Betriebssystem faktisch ein Rolling Release, ein Patchday besteht fast ausschließlich noch aus einem kumulativen Update und mit den Insiderprogrammen arbeiten das Unternehmen und seine Endnutzer im Vorfeld eines großen Updates so eng zusammen wie niemals zuvor.

Zu den herausragenden Neuerungen gehören auch der Sprachassistent Cortana und die Konvergenz der Universal Windows Platform. Interessanterweise gehören beide Funktonen zu den Punkten, denen sich auch die OpenSource-Community immer mehr annimmt. Bereits in meinem ersten Gastartikel aus dem Dezember 2015 hatte ich euch ja schon die geplante Konvergenz von Ubuntu vorgestellt, die Canonical bereits seit mehreren Jahren mit Unity 8 vorantreibt. In der Zwischenzeit hat außerdem die Free Software Foundation von Richard Stallman auch die Entwicklung und Förderung eines eigenen Sprachassistenten auf seine Liste der gesteckten Ziele gesetzt.

Die Rolle des KDE e.V.
Die Entwickler des KDE e.V., deren bekanntestes Projekt sicherlich der Linux-Desktop Plasma 5 ist, hatten mit dem KDE on Windows-Projekt vor Jahren auch schon „unser“ Betriebssystem mit auf dem Schirm. Nachdem das Projekt zeitweise eingeschlafen war, geht es nun seit gut 9 Monaten wieder voran. Mit Craft wurde ein Werkzeug für die PowerShell entwickelt, das das Kompilieren und Portieren von KDE-Projekten auf Windows ermöglicht, und die Zahl der hauseigenen Windows-Portierungen hat stetig zugenommen. So wurden bisher etwa digiKam (Bildverwaltung), Krita (Malen und Zeichnen), Kdenlive (Videoeditor), Kate (Texteditor), KDevelop (Entwicklungsumgebung) oder KStars (Astronomie) ganz neu portiert oder auf den neuesten Stand gebracht.

Zu den aktuellen Projekten gehören aber auch ein Framework zur Entwicklung konvergenter Anwendungen und ein eigener Sprachassistent, deren Umsetzungen sehr an denen in Windows 10 erinnern oder sogar noch deutlich weitergehen.

Das Kirigami-Framework
Bei Kirigami handelt es sich um ein Lightweight UI Framework, welches Teil der KDE Frameworks 5 ist und die konvergente Entwicklung von mobilen und desktopnahen Anwendungen ermöglicht. Anders als bei Microsoft, wo erstmal die UWP im Vordergrund steht und die App dann erst mit Xamarin auf iOS und Android portiert werden muss, ist mit Kirigami von Beginn an eine wesentlich umfangreichere Entwicklung möglich. Windows stand dabei von Beginn an mit im Fokus und bekam mit dem Comicreader Peruse direkt eine Referenzanwendung spendiert.

Wie das jetzt aussehen kann, wenn man einen Schritt weitergeht und mit Kirigami eine wirklich konvergente Anwendung entwickelt, zeigte Entwickler Marco Martin jetzt in einem Blogpost. Seine App Klimbgrades ist vom Aufgabenbereich her sehr simpel, zeigt aber, wenn auch hier unter Android und Linux, die Möglichkeiten, die Kirigami bereits jetzt bietet.

Mycroft, der digitale Assistent
Über Mycroft bin ich erst kürzlich gestolpert, wie ich bei meiner täglichen Runde auch bei Planet KDE vorbeigeschaut habe. Sein Entwickler Aditya Mehra hatte einen Artikel in seinem Blog veröffentlicht, die den aktuellen Stand der Arbeiten an Mycroft und seinem Frontend Mycroft Plasmoid dokumentieren. Was die Features angeht, kann ich mich hier kurz fassen: Was Cortana unter Windows kann, kann Mycroft nahezu lückenlos unter Plasma 5. Der Sprachassistent wird dabei als Applet eingebunden und kann sich, genau wie bei uns Cortana, so direkt neben das Startmenü setzen.

Schaut man sich das Video in seinem Artikel an (ich kann es hier leider nicht einbinden, sry), ist es schon beeindruckend, wie gut Mycroft mittlerweile funktioniert. Beim neuen Frontend fühle ich mich als Animefan zwar auch unweigerlich an gewisse Pokémon erinnert, aber das soll die Leistung der Entwickler ja nicht schmälern.

Die Bedeutung für Windows
Mit seinen neuen Werkzeugen wie Craft und Kirigami hegen die KDE-Entwickler unbestritten ziemlich große Ambitionen und andere Entwicklungen wie Mycroft zeigen auch, dass sie in ihren Bestrebungen teilweise schon eine ganze Ecke weiter sind als Canonical. Dabei soll nach früheren Aussagen definitiv auch Windows nicht zu kurz kommen, was mich als großen Freund von Mozilla und KDE doch sehr freut. Welche Projekte es von KDE aber tatsächlich auf Windows schaffen, wird die Zeit zeigen. Kdenlive war der jüngste Neuzugang, die nächsten werden wohl das Datenbankprogramm Kexi und der Dokumentenbetrachter Okular, an dem auch schon gearbeitet worden sein soll, sein. Außerdem sagte Kevin Funk, einer der Entwickler hinter KDevelop, mal, dass auch der Dateimanager Dolphin und KDE Connect, ein Werkzeug zum Synchronisieren von Dateien und Benachrichtigungen von Android und dem Desktop, Programme sind, die der KDE e.V. definitiv auf Windows sehen möchte.

So oder so zeigen die Entwicklungen bei KDE, dass OpenSource durchaus fortschrittlich sein und ebenfalls enormen Spaß machen kann. Zähle ich noch diverse Dinge dazu, die Mozilla alleine in diesem Jahr für Firefox plant und zu denen unter anderem der Activity Stream und der Context Graph gehören, werden das für mich tolle Monate. Das soll jetzt nicht bedeuten, dass ich jetzt auf dem Sprung zu Linux bin und Windows 10 für KDE Neon von meiner Platte fege (das würde ich sowieso niemals tun, dafür mag ich Windows viel zu sehr), aber es zeigt mit dem Blick über den Tellerrand immerhin wieder einmal, dass auch andere Ecken nicht nur einen Status Quo zementieren wollen, sondern durchaus auch zu Weiterentwicklungen fähig sind. Warten wir mal ab, was da noch kommt…

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Über den Autor

Kevin Kozuszek

Kevin Kozuszek

Seit 1999 bin ich Microsoft eng verbunden und habe in diesem Ökosystem meine digitale Heimat gefunden. Bei Dr. Windows halte ich euch seit November 2016 über alle Neuigkeiten auf dem Laufenden, die Microsoft bei seinen Open Source-Projekten und den Entwicklerthemen zu berichten hat. Beiträge über Edge, Mozilla, Europas Digitalwirtschaft und inklusive Informatik runden meinen Bereich ab.

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