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HP Spectre x360-15 Review: Manchmal kommt es eben doch auf die Größe an

Die 15 Zoll Version des Spectre x360 ist das neueste Premium-Notebook von HP. Gegenüber seinem „kleinen Bruder“ bietet es nicht nur ein größeres Display, sondern auch einen integrierten Digitizer sowie einen aktiven Eingabestift. Für zwei Wochen war das große Spectre x360 mein treuer Begleiter, und es hat nicht nur wegen seiner Größe einen bleibenden Eindruck hinterlassen.

Bevor wir in die Details abtauchen, werfen wir einen Blick auf die technischen Daten des Testgeräts. Es handelte sich hierbei um die Maximalausstattung, die zu einer UVP von 1.999 Euro angeboten wird.

Display: 15,6 Zoll IPS Multitouch, 3840×2160 Pixel, mit Digitizer
CPU: Intel Core i7-7500U
RAM: 16 GB DDR
SSD: 1 TB PCIe/NVMe
Grafik: Nvidia GeForce 940M, 2 GB dedizierter Grafikspeicher
angegebene Laufzeit: bis zu 12 Stunden
Anschlüsse: HDMI, 2 x USB-C, 1 x USB-A 3.0, SD-Slot, 3,5 mm Audio
Webcam: 2 MP, unterstützt Windows Hello
Gewicht: 2,01 Kg
Maße: 35,6 x 25,1 x 1,79 cm
Betriebssystem: Windows 10 Home
im Lieferumfang: Tasche, aktiver Stylus
weitere Infos: Bang & Olufsen Stereosound, Bluetooth 4.2, WLAN 802.11a/​b/​g/​n/​ac

Verarbeitung, Design, Qualität
Von einem Notebook für 2.000 Euro darf man kompromisslose Qualität, hochwertige Materialien und perfekte Verarbeitung verlangen, und genau das ist beim HP Spectre x360-15 der Fall. Das Aluminium-Gehäuse mit der leicht angerauten Oberfläche fasst sich hervorragend an und ist exzellent verarbeitet. Die 360 Grad Scharniere sind stahlverstärkt und machen einen dementsprechend robusten Eindruck. Sie halten das Display jederzeit stabil in jeder eingestellten Position, sind aber auch flexibel genug, um den berühmten Test „kann ich das Notebook mit einer Hand öffnen, ohne das Unterteil festzuhalten?“ zu bestehen.

Im Rahmen dessen, was man sich mit einem geliehenen Gerät traut, reagiert das Spectre x360 mit Gelassenheit auf alle Versuche, es zu verwinden. Es knarzt und kratzt auch nirgends, eben genau so, wie das bei einem Premium-Gerät sein soll.

Die Kanten am Unterteil könnten vielleicht ein klein wenig stärker abgerundet sein, das ist aber schon Jammern auf höchstem Niveau. Fast möchte man sagen, die Verarbeitung ist beinahe zu gut, denn der Power-Knopf fügt sich so nahtlos seitlich ins Gehäuse, dass man ihn nicht einmal ertasten kann. Bis man sich die Stelle eingeprägt hat, an der er sich befindet, muss man einige Male nachschauen.

Die Beurteilung des Designs ist wie üblich Geschmackssache – schaut es euch an und urteilt selbst. Ich finde, das Spectre x360 wirkt trotz seiner beeindruckenden Größe edel und schick – vielleicht ist es aber gerade die mächtige Erscheinung, die diesen Eindruck verstärkt. Nach vielen Jahren hatte ich zum ersten Mal wieder ein 15 Zoll Notebook auf dem Schreibtisch, es hat wirklich ein paar Tage gedauert, bis ich mich daran gewöhnt hatte.

Performance
Mit dem Intel Core i7-7500U hat das Spectre x360 eine der aktuell leistungsfähigsten CPUs unter der Haube und ist damit auch für anspruchsvolle Aufgaben gerüstet. Freunde ausführlicher Benchmarks muss ich an dieser Stelle wie üblich enttäuschen, für mich zählt allein die gefühlte Arbeitsgeschwindigkeit, und die ist erwartungsgemäß bestens. Das Spectre x360 fährt in unter 10 Sekunden hoch und auch alle Apps und Anwendung starten zügig. Für Letzteres ist ja ohnehin eher die Festplatte als der Prozessor zuständig, und da schaute ich dann doch mit einem Benchmark nach. Ich würde sagen, die Werte können sich absolut sehen lassen.

Dank der Nvidia GeForce 940M ist das Spectre x360 auch bedingt spieletauglich. Natürlich kauft man sich ein solches Gerät nicht, weil man die neuesten Blockbuster-Games spielen möchte, aber wenn man mal Lust auf ein Spielchen zwischendurch bekommt, dann ist das möglich. Forza Motorsport 6: Apex läuft in FullHD-Auflösung und mit allen Details flüssig und sieht auch fantastisch aus. Wenn man sich mit der Auflösung etwas weiter nach oben traut, kommt die Framerate allerdings recht schnell in den Bereich, in dem es sichtbare Ruckler gibt. Aber wie gesagt, für gelegentliche Spiele-Sessions ist das Spectre x360 prima geeignet.

Display
Das Spectre x360 besitzt ein 4k Display, das mit dem Wort „fantastisch“ im Grunde ausreichend beschrieben ist. Tolle Farben, kräftige Kontraste, Text ist hervorragend lesbar, auch Spiele und Filme sehen darauf bezaubernd aus. Wie alle Hochglanz-Displays leidet auch dieses unter der Rasierspiegel-Krankheit, damit befindet es sich allerdings in bester Gesellschaft. Überrascht hat mich, dass es keine automatische Helligkeitsregelung gibt. Da dies technisch keine besondere Herausforderung ist, gehe ich davon aus, dass es eine bewusste Design-Entscheidung war. Adaptive Helligkeit kann ja auch manchmal nerven, vielleicht war das der Grund, dass man darauf verzichtet hat.
Trotz der wirklich brillanten Qualität ist es nach wie vor so, dass 4k unter Windows eine Grenzerfahrung ist, weil nach wie vor viele Applikationen nicht vernünftig skalieren und es dann einfach besch…eiden aussieht. Mit einer geringeren Auflösung hätte man dies umgangen, auch die Akkulaufzeit wäre damit deutlich besser, aber an diesem Problem ist ein Stück weit auch die Kundschaft schuld. Es wird nach 4k gerufen und das Marketing liefert.

Tastatur
Den Großteil des Tages verbringe ich mit Schreiben. Folglich ist die Tastatur für mich das wichtigste Ausstattungsmerkmal überhaupt. Bei diversen Komponenten bin ich kompromissbereit, aber nicht bei der Tastatur. Bin ich mit dieser nicht zufrieden, ist das entsprechende Gerät untendurch, völlig unabhängig davon, was es ansonsten kann. Umgekehrt lässt mich eine wirklich gute Tastatur über manch andere Schwäche hinweg sehen.

Was den Druckpunkt, die Haptik der Tasten und das Schreibgefühl angeht, kann ich dem Spectre x360 durchaus Premium-Qualitäten bescheinigen. Mit meinem Surface Keyboard kann es locker mithalten, an die Tastatur des Surface Book kommt es aber nicht heran. Angesichts des Preisunterschiedes von rund 1.500 Euro bei gleicher Ausstattung ist das aber ein „Nachteil“, den die meisten Käufer ganz sicherlich gerne verschmerzen.

Die Tastatur bietet eine Hintergrundbeleuchtung, die allerdings nur an- und abgeschaltet werden kann. Das ist im Großen und Ganzen völlig in Ordnung, in sehr dunklen Umgebungen wirkt die helle Tastenbeleuchtung allerdings fast störend und man würde sich wünschen, sie ein wenig dimmen zu können.

Touchpad
Das Touchpad ist mit einer Diagonalen von rund 15 cm wirklich riesig und im Rahmen meiner nach wie vor vorhandenen, grundsätzlichen Abneigung gegen Touchpads macht es auch wirklich Spaß, damit zu arbeiten. Es unterstützt die üblichen Mehrfinger-Gesten, zu meiner Verwunderung konnte ich aber keine Möglichkeit finden, es individuell zu konfigurieren. Die Oberfläche dürfte für meinen Geschmack noch etwas glatter sein.

Sound
HP pflegt schon seit vielen Jahren eine intensive Partnerschaft mit Bang&Olufsen. Ein Name, der selbstverständlich hohe Erwartungen weckt, die bei den HP-Notebooks in der Vergangenheit mal mehr und mal weniger erfüllt wurden. Das letzte HP-Gerät, welches ich intensiver in Benutzung hatte, war das Elite x2, und da war der Klang ziemlich mau. Beim Spectre x360 dagegen ist die Klangqualität den Umständen entsprechend wirklich sehr gut. Meine Leidenschaft für dumpfe Bässe kommt verständlicherweise zu kurz, davon abgesehen macht es aber wirklich Spaß, Musik zu hören oder einen Film zu schauen. Die Lautsprecher sitzen links und rechts neben der Tastatur, und so lange man direkt davor sitzt, erlebt man einen wirklich tollen Stereo-Sound.
Genau wegen dieser Anordnung hatte ich schlimme Befürchtungen, wie es wohl klingt, wenn man das Notebook mit ins Hotelbett nimmt, um mit komplett umgeschlagenen Display einen Film zu schauen. Glücklicherweise erwiesen sich diese Bedenken als überwiegend unbegründet, denn da der Klang auch seitlich sowie nach hinten aus dem Gehäuse austreten kann, sind die Einbußen zwar hörbar, aber nicht unbedingt schmerzhaft.

Windows Hello
Wie das Surface Book und Surface Pro 4 besitzt das HP Spectre x360 über eine integrierte Windows Hello Kamera, welche die Anmeldung per Gesichtserkennung unterstützt. Das funktioniert nach der Einrichtung zuverlässig und schnell – genau so, wie es eben sein soll. Genau wie zwei andere Windows Hello Kameras, die ich in den letzten Wochen ausprobiert habe, lässt sich allerdings auch das Spectre x360 von starkem Seitenlicht oder mäßigem bis kräftigem Gegenlicht aus dem Tritt bringen. Dann dauert die Erkennung deutlich länger oder funktioniert überhaupt nicht mehr. Da gibt es also durchaus noch Unterschiede, das Surface Book beispielsweise lässt sich davon nicht beeindrucken.

Der Stift
Beim Topmodell des HP Spectre x360 gehört der aktive Eingabestift zum Lieferumfang. Wie bei jedem neuen Windows-Stift lautet natürlich auch bei diesem die Frage: Ist er so gut wie der Surface Pen? Einfache Antwort: Ja, ist er. Und das liegt im Wesentlichen daran, dass es technisch weitgehend genau derselbe Stift ist. Der HP-Stift ist ein bisschen kürzer und die Funktionsknöpfe sind anders angeordnet, die verwendete Technologie ist aber identisch – was man auch daran merkt, dass man die Stifte gegeneinander vertauschen kann. Der HP Pen schreibt auf dem Surface und der Surface Pen auf dem Spectre x360. Leider habe ich auch weiterhin mit beiden Stiften die identische Sauklaue.

Zuerst dachte ich, die Tasten des Stifts lassen sich nicht frei belegen, dann entdeckte ich aber die vorinstallierte App „HP Pen Control“, mit der jeder Taste eine individuelle Funktion zugewiesen werden kann. Somit fehlt diesem Stylus nur der „Radierer“ – wer auf diesen nicht verzichten mag, der kauft eben den Surface Pen dazu und nutzt diesen.
Wie man den HP-Stift transportiert, muss man sich selbst überlegen, eine Befestigung am oder im Gerät ist nicht vorgesehen.

Akkulaufzeit
„Bis zu 12,4 Stunden“ Laufzeit verspricht HP für das Spectre x360. Ein Wert, der in der Praxis wie so oft nicht erreicht wird. Bei meinem üblichen Workload, der überwiegend aus E-Mail, Office, Browser und Bildbearbeitung besteht, sind etwas mehr als acht Stunden allerdings locker drin. Unter hoher Last, zum Beispiel beim Spielen, dürfte der Akku für etwa fünf Stunden reichen. Ein 15,6 Zoll großes 4k Display hat nun mal einen hohen Energiebedarf, weshalb ich nach wie vor der Meinung bin, dass 4k in Notebooks nicht unbedingt sein müssen.
Dank Schnelllade-Funktion ist ein entleerter Akku binnen 30 Minuten wieder bis auf 50 Prozent aufgeladen, somit kann man unterwegs schnell mal „nachtanken“, wenn der mobile Arbeitstag etwas länger ausfällt als geplant. In welchen der beiden USB-C Ports man das Ladegerät einsteckt, ist glücklicherweise egal. Ebenfalls positiv ist, dass man das Spectre x360 auch mit anderen USB-C Ladegeräten aufladen kann, das ist leider eher die Ausnahme denn die Regel (getestet mit den Ladekabeln von Lumia 950 XL, Pixel XL und HP Elite x3).

Software
Kommen wir zum einzigen Punkt, an dem ich wirklich schimpfen muss. Für knapp 2.000 Euro erwarte ich ein Premium-Gerät, und das bezieht sich nicht nur auf die Hardware, sondern auch auf die Software. Es ist daher unverständlich, dass lediglich Windows 10 Home vorinstalliert ist. Noch ärgerlicher aber ist die Bloatware. Das offenbar unvermeidliche McAfee-Testabo ist ebenso vorinstalliert wie diverse HP-Programme, die mit Registrierungs-Aufforderungen, Garantieverlängerungs-Angeboten und Support-Informationen nerven.

Fazit
Ich habe mich vor einigen Jahren entschieden, ganz bewusst einen Schritt zurück zu machen und zu einem kleineren Notebook zu greifen. Die 13-Zoll-Klasse ist seither mein Zuhause – die Geräte sind kompakter, leichter und haben dank des kleineren Bildschirms auch eine bessere Laufzeit. Die 15 Zoll-Version des HP Spectre x360 hat meine diesbezügliche Vernunft zum ersten Mal seit Langem ins Wanken gebracht. Wenn man vor dieser Schönheit sitzt und auf das im Vergleich zu meinem Surface Book riesige Display schaut, dann kommt unweigerlich dieses „will ich haben“-Gefühl auf.
Ganz grundsätzlich hat die zweiwöchige Verwendung dieses Geräts in mir die Erkenntnis reifen lassen, dass die „Yoga-Style-Notebooks“ mit 360 Grad Scharnier die beste Lösung für 2in1-Notebooks sind und dieser Variante die Zukunft gehören sollte. Sie bietet einfach die schnellste und komfortabelste Möglichkeit, „mal eben schnell“ in den Tablet-Modus zu wechseln.
Unter dem Strich ist das HP Spectre x360 ein hervorragendes Premium-Notebook ohne nennenswerte Schwächen. Der Abschied fällt schwer, aber heute muss es wieder zurück. Ein letzter Blick, und dann klappen wir es zu. Danke für’s Lesen!

Über den Autor

Martin Geuß

Martin Geuß

Ich bin Martin Geuß, und wie unschwer zu erkennen ist, fühle ich mich in der Windows-Welt zu Hause. Seit mehr als zwölf Jahren lasse ich die Welt an dem teilhaben, was mir zu Windows und anderen Microsoft-Produkten durch den Kopf geht, und manchmal ist das sogar interessant. Das wichtigste Motto meiner Arbeit lautet: Von mir - für Euch!

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