Coalition for Better Ads: Auch Microsoft beteiligt sich am Werbeblocker
Aufdringliche Werbung ist für viele Nutzer im Internet ein Ärgernis und ein Sicherheitsrisiko zugleich. So wundert es auch nicht, dass die Nutzung entsprechender Werbeblocker in den vergangenen Jahren stetig zugenommen hat. Einige Unternehmen wie die Eyeo GmbH, die hinter der Entwicklung des bekannten Werbebblockers Adblock Plus stehen, haben sich daraus auch bereits eigene Geschäftsmodelle erschlossen und fungieren dabei mittlerweile als Gatekeeper zwischen dem Nutzer und der Werbeindustrie.
Seit geraumer Zeit nehmen sich auch immer mehr Browserentwickler diesem Thema an. Die Herangehensweisen unterscheiden sich dabei sehr deutlich. Einige bekanntere Vertreter wie Opera oder Maxthon integrieren mittlerweile eigene Adblocker in ihre Programme, die zum Teil sogar gänzliche Eigenentwicklungen sind. Andere wie Cliqz oder der von Brendan Eich, dem ehemaligen CTO von Mozilla und geistiger Vater hinter JavaScript, initiierte Brave-Browser wollen den Umgang mit Werbung gänzlich neu definieren, und wieder andere wie Mozilla arbeiten an einem Trackingschutz, der nicht in erster Linie, aber auch Werbung blocken kann und wird.
Technikriesen wollen Bad Ads ausradieren
Auch seitens Google gibt es mittlerweile unbestätigte Gerüchte, dass das Unternehmen aus Mountain View einen eigenen Werbeblocker in Chrome integrieren will. Konkret steht dieser in Zusammenhang mit Googles Engagement innerhalb der Coalition for Better Ads, der unter anderem auch Facebook und Microsoft angehören und die aufdringliche und gefährliche Werbeformen den Kampf angesagt hat. Entsprechende Bemühungen von Google sind dabei grundsätzlich nicht neu. Vor einiger Zeit gab es bereits das Contributor-Programm, bei denen Nutzer gegen Bezahlung das Ausspielen von Google-Werbung verhindern konnten, und mit einem neuen Tool, dem Google Web Designer, arbeitet das Unternehmen grundsätzlich darauf hin, dass die Werbeindustrie den baldigen Wechsel von Flash auf HTML 5 schafft.
Die Idee, die nun innerhalb der Coalition for Better Ads diskutiert wurde und von Google nun auch bald in die Tat umgesetzt werden dürfte, wird nun nach einem neuen Bericht von MSPU auch von Microsoft für seinen Browser Edge in Erwägung gezogen. Die Funktionsweise soll der von Googles Variante weitgehend gleichen und nicht grundsätzlich alle, aber die ganz aufdringliche und gefährliche Werbung kicken. Es wäre nach den Tracking Protection Lists, die Microsoft noch für den Internet Explorer zugelassen hatte, ein neuer Ansatz, der nun auch den neuen Browser erreicht.
Gewaltiges Kräftemessen vorprogrammiert
Mit diesen Maßnahmen geht es in erster Linie sicherlich darum, entsprechenden Anbietern wie Adblock Plus das Wasser abzugraben und ihnen ihr Geschäftsfeld zu entziehen. Allerdings sollte es auch niemanden wundern, wenn die Gerichte und politischen Institutionen wie die EU-Kommission in Zukunft deutlich mehr zu tun bekommen. Für Verlage wie Axel Springer ist ein Unternehmen wie Eyeo bereits ein wahrer Albtraum. Wenn sich jetzt eine solch mächtige Allianz der Technikriesen zu einem solchen Schritt verbündet, der dann auch noch von anderen Kräften und Unternehmen wie der EFF, Mozilla oder Opera direkt oder indirekt begleitet wird, dürfte ihnen hierbei erst recht der Allerwerteste auf Grundeis gehen.
Was es am Ende für den Nutzer bedeutet, ist nach jetzigem Stand noch nicht abzusehen. Im besten Fall entsteht ein Kompromiss, der die unangenehmsten Werbeformen ein für alle Mal ins Grab schickt. Das ist durchaus nicht ganz unwahrscheinlich, denn die Werbeindustrie selbst übt sich bereits seit wenigen Jahren in Selbstkritik und will nach eigener Aussage neue Werbeformen entwickeln, die auch nicht mehr in der Art wie heute dem Nutzer auf die Nerven gehen. Wenn der Kompromiss am Ende aber gelingen soll, muss die Industrie auch klar Stellung zu wichtigen Themen wie Tracking oder Malvertising nehmen. Tut sie das nicht, hat sie den Kampf um Akzeptanz ein für alle Mal verloren.
via MSPU und GoogleWatchBlog
Über den Autor

Kevin Kozuszek
Seit 1999 bin ich Microsoft eng verbunden und habe in diesem Ökosystem meine digitale Heimat gefunden. Bei Dr. Windows halte ich euch seit November 2016 über alle Neuigkeiten auf dem Laufenden, die Microsoft bei seinen Open Source-Projekten und Microsoft Edge zu berichten hat. Beiträge über Mozilla, Europas Digitalwirtschaft und inklusive Informatik runden meinen Bereich ab.


