Windows 10 Mobile Creators Update: Was bringt es, wer bekommt es, wie geht es weiter

Am 25. April – also heute – startet der Rollout des Creators Update für Windows 10 Mobile. So hatte es Microsoft zumindest vor einigen Wochen angekündigt. An einem genauen Termin sollte man sich allerdings nicht festhalten, denn wie immer wird es vom Modell und vom Provider abhängen, wann das Update bei wem aufschlägt. Fest steht leider schon, dass nicht alle Windows 10 Mobile Smartphones das Creators Update erhalten werden.

Von den Geräten, die hierzulande erhältlich sind, werden folgende Modelle mit dem Creators Update versorgt:

HP Elite x3
Microsoft Lumia 550
Microsoft Lumia 640/640XL
Microsoft Lumia 650
Microsoft Lumia 950/950 XL

Dazu kommen noch die folgenden, nicht in Europa erhältlichen Geräte:

Alcatel IDOL 4S
Alcatel OneTouch Fierce XL
SoftBank 503LV
VAIO Phone Biz
MouseComputer MADOSMA Q601
Trinity NuAns NEO

Microsoft hatte angekündigt, dass die Geräte, die nicht offiziell versorgt werden, über den Release Preview Ring trotzdem an die Version 1703 kommen und auch die kumulativen Updates erhalten werden, die in den kommenden Monaten noch folgen. Zur Teilnahme am Slow und Fast Ring sind allerdings nur noch die oben genannten Phones berechtigt.

Die Entscheidung, Geräte wie das Lumia 930 oder 1520 nun abzuklemmen, fiel laut Microsoft auf Basis von Feedback, dass die User-Experience mit dem Creators Update nicht gut sei. Ich kann das nur so stehen lassen, ich habe es selbst nicht getestet.

Neben dem Umstand, dass nur wenige Geräte aktualisiert werden, stand der Umfang des Creators Update für Windows 10 Mobile bereits des Öfteren in der Kritik. In Kombination klingt es natürlich ähnlich widersprüchlich, beides zu kritisieren, als wenn man sich im Lokal beschwert, das Essen sei nicht gut und die Portionen seien zu klein.

Es stimmt, das Creators Update für Windows 10 ist keine allzu große Nummer. Spannende Features wie der 3D Scan und praktisch alle Neuerungen bei Continuum waren zunächst angekündigt und sind dann wieder heraus genommen worden. Das Update ist auch in keiner Weise geeignet, irgendeine Art von Momentum für Windows 10 Mobile zu erzeugen. Aber dennoch ist es ein Update mit einer Reihe von Verbesserungen, die es unter dem Strich besser machen. Und das war dann wohl auch das Maximum, was man erwarten durfte: Wer mit Windows 10 Mobile bisher zufrieden war, der hat beste Chancen, mit dem Creators Update noch zufriedener zu werden.

Was ist neu?
Werfen wir also einen Blick auf die Neuerungen. Da wäre zuerst der Umstand zu nennen, dass Windows 10 Mobile mit dem Creators Update insgesamt einfach „runder“ läuft. Es gibt weniger Bugs und die Performance hat sich insgesamt verbessert. Bei meinem HP Elite x3 führt das im Zusammenspiel mit der neuen Firmware in der Tat zu einem ganz neuen Erlebnis. An der Stelle ein Hinweis an alle Insider: Wenn ihr von Performance-Problemen oder kurzer Akkulaufzeit geplagt seid, dann solltet ihr auf jeden Fall ein Recovery in Erwägung ziehen, bevor ihr euch damit lange herumärgert. Das wirkt in den meisten Fällen Wunder.

Es gibt außerdem diverse neue System-Sounds und diverse neue interaktive Benachrichtigungen im Info-Center. So können beispielsweise Anrufe per SMS beantwortet oder Mails direkt aus der Benachrichtigung heraus als gelesen markiert werden.

Unified Update Platform
Wie auch bei der PC-Version werden Systemupdates nun über die „Unified Update Platform“ abgewickelt. Das führt zu kleineren Downloads sowie zu einer schnelleren und zuverlässigeren Installation der Updates.

Bluetooth-Verbesserungen
Das Creators Update bringt drei wichtige Neuerungen für Bluetooth-Peripherie-Geräte: GATT Server, Bluetooth LE Peripheral Role sowie Unpaired Bluetooth LE Device Connectivity. Das eröffnet den Herstellern entsprechender Geräte neue Möglichkeiten. Wer ein Fitness-Band von Fitbit benutzt, wird sich darauf künftig (endlich) Benachrichtigungen von seinem Windows Smartphone anzeigen lassen können.

Microsoft Edge
Auch unter Windows 10 Mobile verfügt Microsoft Edge nun über die Unterstützung von eBooks, leider werden im deutschen Windows Store allerdings bisher noch keine angeboten. Wer Dateien im EPUB-Format auf sein Windows 10 Mobile Gerät überspielt, kann diese aber mit Edge öffnen und sie sich auch vorlesen lassen.
Weitere Neuerungen in Edge sind eine verbesserte Zoom-Funktion für Webseiten sowie der Support für die Payment Request API, die Online-Einkäufe bequemer und sicherer machen kann.

Sicherheit
SD-Karten können jetzt ebenfalls verschlüsselt werden.
Es gibt außerdem Berichte, wonach die Anmeldung mittels Iris Scan beim Lumia 950/XL sowie beim HP Elite x3 nun zuverlässiger, schneller und aus größerer Entfernung funktioniert. Ich bin mir allerdings nach wie vor nicht sicher, ob das nicht ein Placebo-Effekt ist, denn solche Optimierungen erfordern in aller Regel ein Firmware-Update. ein solches hat es aber für die 950er Lumias bislang aber nicht gegeben.

Einstellungen
Im Bereich der Einstellungen hat es die meisten Veränderungen gegeben. In vielen Rubriken wurden die Einstellungen von PC und Mobile mit dem Creators Update weiter vereinheitlicht. Die Bluetooth- und WiFi-Einstellungen wurden außerdem umstrukturiert und sind nun wesentlich übersichtlicher.
Ganz neu in den Einstellungen ist die Möglichkeit, unter Apps / Apps und Features eine App zurückzusetzen, falls sie nicht mehr ordnungsgemäß funktioniert.
Unter Einstellungen / Datenschutz / Hintergrundapps kann die Ausführung von Apps im Hintergrund bei Bedarf global deaktiviert und wieder aktiviert werden.
Äußerst nützlich finde ich die „Verwandten Einstellungen“, die in jeder Rubrik angezeigt werden. Falls man sich auf der Suche nach einer bestimmten Einstellung in die falsche Kategorie verläuft, ist da vielleicht der passende Tipp zu finden.
Für Windows 10 Smartphones, die in Unternehmensumgebungen verwaltet werden, fügt das Creators Update die Möglichkeit hinzu, Updates für Windows 10 Mobile zu pausieren – genau wie am PC.

Continuum
Urprünglich sollte das Creators Update umfangreiche Neuerungen bei Continuum bringen. Echtes Multitasking, Apps im Fenstermodus und das automatische Wiederherstellen einer Session beim erneuten Andocken waren Einige davon, Details dazu kann man hier nachlesen und hier auch im Video sehen.
Geblieben sind am Ende nur zwei kleinere Verbesserungen. Die Erste ist, dass man den Bildschirm des Telefons abschalten kann, während man Continuum nutzt. Die zweite Neuerung ist, dass vorher gestartete Apps zumindest als Icon auf der Taskleiste bleiben, wenn man die Verbindung zum Dock trennt und wiederherstellt.

Wie geht es weiter?
Die seriöseste Form der Berichterstattung wäre derzeit zweifellos, diese Frage gar nicht erst zu stellen, geschweige denn zu versuchen, eine Antwort zu geben. Der geringe Umfang des Creators Update ist für einige Nutzer der Beweis, dass Windows 10 Mobile so langsam aufs Abstellgleis wandert. Andere wiederum nehmen Microsoft in Schutz und sagen „es wurde versprochen, dass das System weiter gepflegt wird, und genau das passiert auch“. Beide Sichtweisen kann ich nachvollziehen.

Die Aufspaltung der Builds im Insider-Programm sorgt erneut für Irritationen, und ich müsste lügen, wenn ich schreiben wollte, dass mich das optimistischer macht. Es hilft wohl nur abwarten, immerhin gibt es aber nun gute Indikatoren, an denen man den Eindruck festmachen kann, ob noch irgendeine Form der Weiterentwicklung stattfindet. Werden die verschobenen Continuum-Features demnächst in die Insider-Builds integriert? Werden die Office UWP Apps, die wohl künftig nur noch unter Windows 10 Mobile zur Verfügung stehen, weiter gepflegt und mit neuen Funktionen ausgestattet? Das wird spannend zu beobachten sein.

Daran, dass es mit dem mobilen Windows irgendwie weiter geht, zweifelt kaum jemand. Ob das dann eben noch Windows 10 Mobile heißt und ob die gegenwärtig aktuellen Geräte davon noch profitieren werden, steht wieder auf einem anderen Blatt. Der Blick in die Vergangenheit lässt hier beinahe auch nur einen Schluss zu – in ein paar Monaten sind wir schlauer.

Artikel im Forum diskutieren (97)

Über den Autor
Martin Geuß
  • Martin Geuß auf Facebook
  • Martin Geuß auf Twitter
Ich bin Martin Geuß, und wie unschwer zu erkennen ist, fühle ich mich in der Windows-Welt zu Hause. Seit mehr als zwölf Jahren lasse ich die Welt an dem teilhaben, was mir zu Windows und anderen Microsoft-Produkten durch den Kopf geht, und manchmal ist das sogar interessant. Das wichtigste Motto meiner Arbeit lautet: Von mir - für Euch!
Nach oben