Mozilla: Thunderbird bleibt Teil der Foundation

Einige von euch haben ihn sicherlich früher verwendet, anderer vielleicht auch heute noch: Mozilla Thunderbird. Der Donnervogel, der von Mozilla nach Thunderbird 17 an die Community übergeben wurde und seitdem so dahin vegetierte, hatte ja zuletzt keine gesicherte Zukunft, was sich nun jedoch ändert. Im Ergebnis bleibt Thunderbird nun bei Mozilla, allerdings wird sich dennoch vieles ändern.

Der Thunderbird Council, der seit der Übergabe an die Community die Geschicke leitete, und die Mozilla Foundation haben sich auf ein neues Fundament geeinigt. Mozilla bleibt die rechtliche und fiskalische Heimat der Software, wobei Thunderbird aber von Mozillas Infrastruktur unabhängig werden muss und die Entwicklung von Firefox nicht behindern darf. Sofern eine der beiden Parteien in den kommenden 6 Monaten dagegen verstoßen, kann der andere die Vereinbarung aufkündigen und Thunderbird muss woanders unterkommen.

Technisch wird Thunderbird zunächst weiter auf Gecko basieren (die Rendering-Engine von Firefox), soll mittelfristig aber eine neue Basis mit Hilfe von Webtechnologien bekommen. Das wird aber alles noch einige Zeit dauern.

Eine Einschätzung
Ich hatte mich in der letzten Zeit mal durch die Mailingliste gelesen und weiss daher ungefähr, was Thunderbird jetzt erwartet. Letztlich bedeutet das nichts anderes, als das eine künftige Version von Thunderbird auf Basis von Electron neu entwickelt wird. Das ist das gleiche Framework, auf dem unter anderem auch Tweeten, Visual Studio Code oder Slack basieren. Diese neue Version wird auch wieder erweiterbar sein, aber – vorausgesetzt, ich habe das richtig verstanden – dabei wird es sich um kein Erweiterungssystem handeln, wie es Thunderbird aktuell besitzt und wie es bei Visual Studio Code ausgestaltet wurde. Es wird wohl eher dem Paketmanager vom Atom-Editor ähneln, der wiederum sehr an die Paketmanager angelehnt ist, die bei Linux-Systemen verwendet werden. Der Paketmanager von Atom (apm, bzw. npm bei Electron allgemein) ist auch genauso empfindlich und da kann schnell mal was in die Hose gehen.

Auf gut Deutsch: Erwartet bitte nicht zu viel. Ich bin extrem skeptisch, ob dieser neue Anlauf gelingt. Außerdem habe ich durchaus auch schon andere Mailclients auf Basis von Electron gesehen und wenn ich sage, dass ich danach meine geballte Faust am Liebsten ins hiesige Mauerwerk gerammt hätte, ist das milde ausgedrückt und ihr könnt euch den Rest denken, wie gut die funktioniert haben (Danke, dass es dich gibt, Outlook!). Rechne ich dann dazu, dass die Communityprojekt von Mozilla vor allem durch fehlende Ausdauer und Kontinuität geglänzt haben, wird das sicherlich spannend, aber aus anderen Gründen, wie viele jetzt denken…

So oder so war Thunderbird erst der Anfang. Es gibt noch eine ganze Reihe von anderen Projekten, die noch davon betroffen sind und deren Zukunft nach wie vor ungeklärt ist…

– SeaMonkey
– Instantbird (wobei ich auf dem IRC-Channel schon gelesen habe, dass die Entwickler des Multimessengers über ein Ende nachdenken)
– Postbox (kommerzieller Mailclient)
– BlueGriffon (WYSIWYG-Editor)
– Nightingale (Musikplayer, wobei auch hier das Ende indirekt schon publiziert wurde)
– etc.

Thunderbird wird den Support für alle jetzt noch funktionierenden Technologien dann jedenfalls komplett einstellen.

via Thunderbird Blog

Über den Autor
Kevin Kozuszek
  • Kevin Kozuszek auf Twitter
Seit 1999 bin ich Microsoft eng verbunden, daneben schlägt mein Herz aber auch für die OpenSource-Welt, wo mein besonderes Interesse der Mozilla Foundation gilt. Wenn ich mich mal nicht mit Technik beschäftige, tauche ich gerne in die japanische Kultur mit all ihren Facetten ab oder widme mich einem meiner zahlreichen anderen Hobbies.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.



Kommentare
  1. Mir reicht Thunderbird vollkommen aus und mit der "SoftMaker Enhanced UI" aus dem Softmaker Office sieht es auch etwas besser aus.
    Gibt es irgendwo Zahlen, wie es um den Vogel aktuell bestellt ist; verglichen mit früher?
    Würde mal wissen, ob er heute noch Chancen hätte oder völlig in die Nische abdriftet.
    Er war selber mal mein Liebling....
    Der Thunderbird Council sprach im Blogpost von 25 Millionen Nutzern weltweit, wobei das schon deprimierend ist. Ich kann mich noch an eine Meldung erinnern, wo Thunderbird vor zig Jahren mal knapp über 20 Millionen Nutzer hatte und Deutschland dabei mit großem Abstand an der Spitze stand (weiss aber nicht mehr, wie viel). Gewachsen ist der T-Bird also kaum noch.
    Gibt es irgendwo Zahlen, wie es um den Vogel aktuell bestellt ist; verglichen mit früher?
    Würde mal wissen, ob er heute noch Chancen hätte oder völlig in die Nische abdriftet.
    Er war selber mal mein Liebling....

    Er ist aktuell mein Liebling, da ich ihn unter verschiedenen OS und da wieder unter verschiedenen Versionen auf ein einziges NON-CLOUD-Profil zugreifen kann. Das ist so genial - egal wo, egal wie man hat immer du letzten Mails, News und Co! Meiner wird es also noch laaaange bleiben...
    Danke für die Recherche.
    Electron ist quasi Chromium - und das dann unter der Aufsicht von Mozilla - lol.
    Ich bin da auch sehr skeptisch. Eine komplette Neuentwicklung ist eine sehr langwierige Aufgabe, in der Zwischenzeit müssen gleichzeitig die bestehenden User gehalten werden, und am Ende dürfen möglichst keine alten Features fehlen.
    SeaMonkey wird der Kerntechnik von Firefox folgen, wie das genau ablaufen wird wenn wichtige Teile von XUL endgültig nicht mehr funktionieren bleibt abzuwarten.
    Bedeutet dann auch daß SeaMonkey und Thunderbird getrennte Wege gehen was die Basis für Mail betrifft.
    Electron ist nicht nur quasi Chromium, sondern eine Kombination aus Chromium Embedded und Node.js im Backend. Grundsätzlich ist es ja schon ne tolle Sache, aber gerade in der OSS-Welt spachteln sich viele einfach irgendwas zusammen und optimieren das nicht richtig. Das Ergebnis ist dann am Ende meistens ein Gebilde, was einfach halbgar wirkt und leicht aus der Fassung zu bringen ist. Atom ist da das beste Beispiel. Mit Atom 1.17 solls ja etwas besser werden, aber momentan ist er einfach quälend langsam und das Paketsystem... nee danke. Ich weiss, warum ich Visual Studio Code nutze.
    Bei SeaMonkey schauen wir mal. Die hatten ja vor allem organisatorische Probleme.
    Hallo, ich bin teilweise bei Thunderbird, seitdem GMX & WEB DE
    verschlüsseln und angesagt haben, unverschlüsselt nicht mehr
    empfangbar zu sein. Da ich permanent nur im TXT schreibe und
    empfange, liegt mir FOXMAIL mehr. Thunderbirdeinstellung ist
    dazu sehr umständlich, da muss man den Editor für jede Adresse
    extra einstellen, bei FOXMAIL ist das Kontoübergreifend.
    Trotzdem kann ich mit Foxmail, WEB DE & T-ONLINE anschreiben
    und empfangen. GMX nicht erforderlich da dieses nur
    zum Empfang von Forennachrichten benutzt wird.
    Mit AON & YAHOO klappt es wie immer....seit 2003.
    Gruß Uwi58

    Als reines Mail-Programm gibt's ja das vorinstallierten etwas von Windows 10... Das reicht mir aktuell vollkommen :D
    @Kevin - du hattest es neulich schon für mich ausgeführt, danke. Ich teile nach wie vor dine Skepsis. Allerdings geh ich schon lange nicht mehr mit Mozilla konform, wie du gleich anderweitig lesen kannst.
    Verwende Thunderbird als Haupt-E-Mail-Client seit Jahren (gibt es auch als transportable Version). Ist für den E-Mail Zweck viel übersichtlicher, vor allem wenn man mehrere E-Mail Konten integriert.
    Outlook verwende ich hauptsächlich zum Testen für HTML-E-Mails, weil man dafür leider immer besonderen Source einbauen muss, damit eine gute Darstellung klappt. Auch die verschiedenen Outlook-Versionen muss man dabei immer berücksichtigen.
    Outlook ist aber die richtige Wahl, wenn man mehr als nur E-Mail verwenden möchte, Resource sharing, Kalender und Erinnerungsfunktionen synchron halten, usw.
    .Bernd
    @Kevin - du hattest es neulich schon für mich ausgeführt, danke. Ich teile nach wie vor dine Skepsis. Allerdings geh ich schon lange nicht mehr mit Mozilla konform, wie du gleich anderweitig lesen kannst.

    Wenn du mir jetzt auch noch sagst, wo ich das lesen kann, wäre das toll. :)
    Outlook ist sehr praktisch. Ich nutze mehrere E-Mail konten und synchronisieren über Exchange Server, da ist Outlook echt gut drin.
Nach oben