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Kaspersky ruft EU und das Bundeskartellamt gegen Microsofts Defender zu Hilfe

Sie tun es tatsächlich: Eugene Kaspersky, Chef des gleichnamigen Unternehmens, hat bekannt gegeben, dass man sowohl bei der Europäischen Kommission als auch beim Bundeskartellamt eine offizielle Beschwerde gegen Microsoft eingereicht hat. Es geht wenig überraschend um die Integration von Microsofts eigener Antivirus-Lösung Defender in Windows 10, gegen die Kaspersky schon mehrfach gewettert und auch bereits eine Beschwerde bei den russischen Behörden eingelegt hat.

Der Vorwurf: Microsoft nutzt seine marktbeherrschende Stellung aus und behindert die Anbieter von Antivirus-Software aktiv, indem man sie einerseits technisch sabotiert und andererseits die eigenen Nutzer falsch informiert.

Was ich davon grundsätzlich halte, habe ich bereits vor Monaten niedergeschrieben und an meiner Meinung hat sich auch grundsätzlich nichts geändert:
An Herrn Kaspersky: Microsoft schützt seine Nutzer und das ist gut so

Ich war auch schon wieder im „Rage Modus“, als ich den Blogbeitrag von Eugene Kaspersky gelesen habe. Allerdings habe ich tatsächlich Dinge gefunden, denen ich zustimmen kann – sofern sie der Wahrheit entsprechen. Einerseits bemängelt Kaspersky, dass die Antivirus-Anbieter von Microsoft zu wenig Zeit bekämen, ihre Produkte an eine neue Windows-Version anzupassen. Das ist sicherlich ein Punkt, der durch engere Zusammenarbeit und Kommunikation gelöst werden kann. Bisher war meine Meinung dazu, dass jeder Entwickler sich die Vorabversionen greifen und seine Programme anpassen kann. Dem Einwand von Kaspersky, dass nur die fertige „RTM“-Version als verlässliche Basis dienen kann, möchte ich mich aber nicht verschließen.

Weiterhin kritisiert er, dass sein Programm nach Ablauf des Abonnements keine entsprechende eigenständige Benachrichtigung an den Nutzer absetzen kann, stattdessen sei zwingend ein Hinweis über das Info-Center vorgeschrieben, dem nur wenige Nutzer Aufmerksamkeit schenken. Diese Beschränkung gelte nur für Antivirus-Programme, behauptet Kaspersky. Wenn dem so ist, dann ist das durchaus ein Punkt, über den man diskutieren kann.

Last but not least wird bemängelt, dass sich der Defender in Windows 10 weder komplett abschalten noch entfernen lässt. Darüber mag man vielleicht geteilter Meinung sein, ich würde das mit einem „und das ist auch gut so“ ergänzen.

Leider enthält der Blogpost aber auch sehr viel Propaganda. Er ist trotzig formuliert und führt unter anderem den Bestätigungsdialog, der vor der Installation eines Programms angezeigt wird, als zusätzliche „Behinderung“ an. Kaspersky kritisiert, dass Microsoft seine eigene Lösung aktiv bewirbt, tut aber selbst genau das Gleiche. Dass er ungeprüft den Bericht eines französischen Kunden zitiert, dem angeblich vom Microsoft-Support mitgeteilt wurde, Windows 10 sei mit Antivirus-Programmen von Drittanbietern grundsätzlich nicht kompatibel, raubt dem Beitrag dann schon beinahe die Seriösität.

Schade, ein klein wenig sachlicher, und man hätte Kaspersky sogar ansatzweise Recht geben können. So aber klingt das doch alles sehr nach „beleidigter Leberwurst“ und ich kann nur hoffen, dass die Behörden mit der nötigen Umsicht agieren und nicht das Kind mit dem Bade ausschütten. Wenn Windows 10 unsicherer werden muss, damit die überholten Geschäftsmodelle der Antivirus-Programmierer abgesichert werden, wäre das eine Katastrophe.

Über den Autor

Martin Geuß

Martin Geuß

Ich bin Martin Geuß, und wie unschwer zu erkennen ist, fühle ich mich in der Windows-Welt zu Hause. Seit mehr als zwölf Jahren lasse ich die Welt an dem teilhaben, was mir zu Windows und anderen Microsoft-Produkten durch den Kopf geht, und manchmal ist das sogar interessant. Das wichtigste Motto meiner Arbeit lautet: Von mir - für Euch!

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