Die ersten Tage mit dem Surface Laptop und Windows 10 S

Seit fast einer Woche ist das Surface Laptop bei mir und ich habe es in dieser Zeit natürlich bereits intensiv genutzt. Nun ist es an der Zeit, die zweiten Eindrücke niederzuschreiben. Ein typisches Review wird bei diesem Gerät ziemlich schwer, dafür gibt es zu viele Punkte, die man differenziert bewerten muss – und mindestens einen Punkt, den man erst nach Monaten wird bewerten können.

Ich rede natürlich vom Alcantara-Bezug der Tastatur. In meinen ersten Eindrücken schrieb ich bereits, dass ich große Angst habe, das Gerät könnte nach ein paar Monaten völlig „verranzt“ aussehen. Möglicherweise ist diese Sorge komplett unbegründet, und es wäre unfair, wenn man deshalb von dem Gerät abraten würde. Ich wage allerdings eine Prognose: Dieser Alcantara-Bezug wird so viele potenzielle Käufer abhalten, dass man ihn in der kommenden Generation wieder weglassen wird. Eines kann ich nämlich jetzt schon beurteilen: Ich sehe keinen Mehrwert – es ist ein Marketing-Gag.

Wenn man richtig gemein wäre, dann würde man das Surface Laptop in Gänze als einen solchen bezeichnen. Das Gerät macht weiterhin einen fantastischen Eindruck, aber am Ende des Tages bleibt es ein gewöhnlicher Laptop. Würde mich jemand fragen, warum er genau dieses Gerät und kein anderes kaufen soll, ich wüsste keine Antwort. Die muss es vielleicht aber auch gar nicht geben. Das Surface Laptop ist für alle Leute, die unbedingt ein Surface Laptop haben wollten und es genau aus diesem Grund kaufen. Mehr Argumente brauchen diese Käufer nicht, und damit ist im Grunde alles gut.

Ganz und gar nicht lustig ist der Umstand, dass es sich bei den Farbvarianten des Surface Laptop offenbar nur um eine dünne Lackschicht handelt, die zudem anfällig für Kratzer ist. Und weil das Material nicht durchgefärbt ist, sieht man diese Kratzer dann richtig gut, wie Kollege Paul Thurrott bemerken musste:

Mein Interesse an einer farbigen Version hat sich damit schlagartig erledigt, ich werde bei meinem grauen Modell bleiben.

Tastatur
Die Tastatur kommt ganz nahe an das Type Cover des Surface Pro 4 heran, und es schreibt sich auf dieser noch ein bisschen besser. Druckpunkt, Tastenhub, Tippgefühl, das alles ist so perfekt, wie man das von den Surface-Tastaturen gewohnt ist. An das atemberaubende Feeling des Surface Book kommt das Laptop allerdings nicht heran, und wenn ich sehe, dass meine Version des Surface Laptop (i5, 8 GB RAM, 256 GB SSD) nicht mehr weit unter dem Einstiegsmodell des Surface Book liegt, dann möchte ich beinahe sagen: Wer wie ich den ganzen Tag schreibt, der sollte kurz auf die Zähne beißen und lieber ein Surface Book nehmen. Nicht, weil das Surface Laptop ein fauler Kompromiss ist, das ist es ganz und gar nicht, aber auf dem Book schreibt es sich einfach nochmals so viel besser.

Display
Das Display ist mit seinen 2256×1504 Pixel nicht ganz so hochauflösend wie beispielsweise beim Surface Book, aber das macht mit bloßem Auge betrachtet so gut wie keinen Unterschied. Es ist so hervorragend, wie man das von einem Gerät in dieser Preisklasse erwarten muss, und wie man es auch von den Surface-Geräten der letzten Generation gewohnt war.

Performance
Der Intel Core i5-7200U ist für alle Alltagsaufgaben vollkommen ausreichend, entsprechend habe ich noch keine Performance-Engpässe erlebt. Es wundert mich ein wenig, dass Microsoft beim Surface Pro, in dem meines Wissens die selbe CPU steckt (und keine aus der y-Serie, also dem Nachfolger von Core M), auf einen Lüfter verzichten kann, während im Surface Laptop ein solcher verbaut ist. Der machte sich an den ersten beiden Tagen zwei Mal bemerkbar, in dem er ohne erkennbaren Grund voll aufdrehte und dabei einen derartigen Krawall verursachte, dass ich das Gerät schon einpacken wollte. Was auch immer das gewesen ist – ich habe ihn seither nicht ein einziges Mal mehr wahrgenommen, obwohl ich zwischendurch sogar ein externes 4k-Display angeschlossen hatte.

Akkulaufzeit
Ich habe am Surface Laptop bisher nur ganz wenig auszusetzen. Es gibt jedoch eine Sache, die ich als komplette Enttäuschung verbuchen muss, und das ist die Akkulaufzeit. Laut Microsoft soll der Akku bis zu 14,5 Stunden halten. Natürlich weiß ich, dass diese Angaben genau so lächerlich übertrieben sind wie die offiziellen Benzinverbrauchs-Werte eines neuen Autos. „Mindestens zweistellig“ war meine Erwartung, und dafür reicht es nicht. Bei meinem Szenario, bestehend aus Internet, Office, Mail, die eine oder andere leichte Bildbearbeitung, dazu ein wenig Hintergrundmusik, reicht es für maximal 8,5 Stunden. Bei intensiver WLAN-Nutzung (z.B. umfangreiche OneDrive-Synchronisation) können es auch mal nur sieben Stunden werden. Das ist einfach zu wenig. Ich habe diverse Reviews auf US-Seiten gelesen, die Angaben der Tester decken sich mit meinen Erfahrungen.
Immerhin: Beim HD-Videostreaming über die Filme&TV App stimmen die angegeben 14,5 Stunden tatsächlich. Ich habe keinen kompletten Rundown gemacht, aber hochgerechnet kommt es hin.

Windows 10 S
Windows 10 S ist, das wisst ihr alle schon, die neue Version von Windows 10 S, die nur Apps aus dem Store erlaubt und der noch einige andere Features fehlen. So hat man z.B. weder die Kommandozeile noch die Powershell zur Verfügung und in Microsoft Edge lässt sich die Standard-Suchmaschine nicht ändern. So hatte das Microsoft angekündigt und so wurde es auch umgesetzt.

Es gibt zwei unsinnige Aussagen zu Windows 10 S:
1. Windows 10 S ist praxistauglich
2. Windows 10 S ist nicht praxistauglich

Klingt widersprüchlich, ist es aber nicht. Das System in die eine oder andere Richtung pauschal zu bewerten, ist in meinen Augen falsch, dafür ist die Entwicklung dahinter auch zu spannend.

Niemand muss mir erklären, warum Windows 10 S als alleiniges System derzeit noch nicht brauchbar ist. Wenn nur ein einziges regelmäßig genutztes Programm im Store fehlt, müssen wir schon nicht mehr weiterreden. Niemand wird derzeit ein „normales“ Windows 10 gegen Windows 10 S eintauschen und damit glücklich werden können. Jeder Käufer, der das Surface Laptop als primäres Arbeitsgerät kauft, wird früher oder später den Knopf drücken und Windows 10 Pro aktivieren. Das ist für den Moment ein unumstößlicher Fakt und das wird noch sehr lange so bleiben.

Das heißt im Umkehrschluss aber nicht, dass man deshalb nichts damit anfangen kann. Ich habe mir zum Ziel gesetzt, den Gegenbeweis anzutreten. Ich werde nicht auf Windows 10 Pro umsteigen, sondern bei Windows 10 S bleiben. Dort, wo mir etwas fehlt, werde ich nach Alternativen im Store suchen. Ich will herausfinden, ob man Windows 10 S „adaptieren“ kann, in dem man es als gegeben annimmt und sich entsprechend arrangiert. Natürlich „cheate“ ich und wechsle regelmäßig an meinen Desktop-PC, darum werde ich auch ganz sicher nicht in ein paar Wochen erzählen, dass Windows 10 S alles hat, was man braucht. Das wäre unseriös.

Für Viele ist Google Chrome die Killerapplikation. Der derzeit beste Desktop-Browser fehlt auch mir unter Windows 10 S, ich komme mit Edge aber auch zurecht. Dieser scheint unter Windows 10 S allerdings zusätzlichen Restriktionen zu unterliegen. Der auf Flash basierende Spotify Web Player funktioniert nicht, obwohl Flash grundsätzlich unterstützt wird. Am PC mit Windows 10 Pro läuft Spotify im Edge-Browser dagegen problemlos. Wird Zeit, dass die App, die ja schon im Store lauert, auch verfügbar wird.

Auf der Suche bin ich aktuell nach einer guten App, mit der ich zum Beispiel Screenshots illustrieren kann (Pfeile, Rahmen, Beschriftungen etc.) – da habe ich derzeit noch nichts Vernünftiges gefunden – wenn jemand einen Tipp hat, gerne in den Kommentaren abladen.

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Über den Autor
Martin Geuß
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Ich bin Martin Geuß, und wie unschwer zu erkennen ist, fühle ich mich in der Windows-Welt zu Hause. Seit mehr als zwölf Jahren lasse ich die Welt an dem teilhaben, was mir zu Windows und anderen Microsoft-Produkten durch den Kopf geht, und manchmal ist das sogar interessant. Das wichtigste Motto meiner Arbeit lautet: Von mir - für Euch!
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