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Warum man das Alcatel Idol 4 Pro nicht kaufen sollte

Mit dem Alcatel Idol 4 Pro kommt in ein paar Tagen nach langer Zeit wieder so etwas wie ein Smartphone-Flaggschiff mit Windows 10 Mobile auf den deutschen Markt. Eine prima Gelegenheit, vom Frust- in den Vorfreude-Modus zu schalten? Mitnichten. Es gibt viele gute Gründe, warum man besser die Finger von diesem Gerät lassen sollte. Und das liegt natürlich nicht nur an der Hardware.

Kurzer historischer Abriss: Erste Hinweise auf ein Windows 10 Mobile Flaggschiff von Alcatel gab es im Frühjahr 2016, als das Unternehmen ankündigte, ein „Superphone“ (O-Ton) mit Windows 10 Mobile zu bringen. Es folgten bald die ersten Leaks, ehe es im November dann offiziell vorgestellt wurde. Zunächst wurde es nur in den USA exklusiv über T-Mobile vermarktet, wegen schlechter Verkäufe aber bald allgemein verfügbar gemacht. Und weil auch das nichts half, wurde es inzwischen praktisch vom Markt genommen. Als Alcatel ankündigte, das Idol 4 Pro nach Europa zu bringen, wussten sie schon von den miesen Zahlen in den USA. Wenn man vermutet, dass die Markteinführung in Europa der Resteverwertung dient, dann ist das nicht allzu weit her geholt. Für den Nachfolger hat Alcatel keine Windows-Pläne mehr.

Der Preis für das Idol 4 Pro liegt bei 599 Euro. Gemessen an der durchaus schon nicht mehr ganz taufrischen Hardware ist das zu viel Geld. Zur Erinnerung kurz der Steckbrief:

– Snapdragon 820
– 5,5 Zoll AMOLED-Display, 1080p, 180 Grad Bilckwinkel
– 64 GB Speicher, erweiterbar per MicroSD
– 4 GB RAM
– 21 MP Hauptkamera, dedizierter Kamera-Button
– 8 MP Frontkamera
– Akku: 3.000 mAh, Quick Charge 2.0
– Continuum-Support
– Windows Hello (Fingerabdruck)
– Continuum-Support
– Maße: 153.9 x 75.4 x 6.99 mm

Wenn man es plattformunabhängig betrachtet, bekommt man für’s selbe Geld natürlich deutlich bessere Geräte. Der Preis wird daher schnell fallen. Aber ohne respektlos wirken zu wollen: Ein paar „Dumme“ wird es sicher geben, die blind vor Liebe auch bei 599 Euro zuschlagen, insofern kann ich verstehen, dass Alcatel erst mal hoch ansetzt. Reduzieren kann man den Preis ja jederzeit.

Aber bleiben wir bei Windows 10 Mobile: Müsste ich aktuell zwingend ein Windows 10 Smartphone kaufen, dann würde ich die 600 Euro eher in ein Lumia 950 investieren. Es wird zwar nicht mehr offiziell vertrieben, aber ein paar Quellen gibt es noch immer. Das Lumia 950 (XL) ist nach wie vor das bessere Gerät. Es hat die besseren Features (z.B. drahtloses Laden, Glance Screen) und nach wie vor eine der besten Smartphone-Kameras überhaupt. Ich habe außerdem das HP Elite x3 lange genug benutzt, um zu wissen, dass der Performancegewinn des Snapdragon 820 in Verbindung mit 4 GB RAM unter Windows 10 Mobile vernachlässigbar gering ist. Ich kann ansetzten, wo ich will: Ich finde keinen objektiven Grund, mir das Idol 4 Pro näher anzusehen.

Last but not least – und das ist der wichtigste Grund: Das mobile Windows 10 hat durchaus eine Zukunft, an der Microsoft derzeit arbeitet. Ob „Altgeräte“ wie das Idol 4 Pro allerdings an dieser Zukunft noch teilnehmen werden, steht in den Sternen. Aktuell deuten die Indizien eher darauf hin, dass es (mal wieder) einen Bruch geben wird und der Neustart auch neue Hardware erfordert (siehe dazu auch: Windows 10 Mobile Reboot mit CShell und neuer Hardware – Aufarbeitung und Einschätzung der Gerüchte).

Aus diesem Grund wäre es unseriös, die Meldung über die Ankunft des Idol 4 Pro auf dem deutschen Markt mit „Hurra, ein neues Windows Smartphone“ zu überschreiben. Ich will es Niemandem madig machen, auch wenn es vielleicht den Anschein hat – aber wer dieses Gerät kauft, der sollte einfach ganz genau wissen, was er tut. Wer dafür jetzt 600 Euro ausgibt und sagt „wehe, ich bekomme nicht mindestens zwei Jahre Updates“, dem ist nicht mehr zu helfen.

Ich weiß, es gibt viele Hardcore-Fans unter den Lesern, die mir diesen Artikel möglicherweise übel nehmen. Aber glaubt mir, ich schreibe das nicht, um euch zu ärgern, sondern weil ich euch vor (noch mehr) Frusterlebnissen schützen möchte.

Über den Autor

Martin Geuß

Martin Geuß

Ich bin Martin Geuß, und wie unschwer zu erkennen ist, fühle ich mich in der Windows-Welt zu Hause. Seit mehr als zwölf Jahren lasse ich die Welt an dem teilhaben, was mir zu Windows und anderen Microsoft-Produkten durch den Kopf geht, und manchmal ist das sogar interessant. Das wichtigste Motto meiner Arbeit lautet: Von mir - für Euch!

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