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15 Zoll-Version des Surface Book 2 im Test: Größer ist großartiger

15 Zoll-Version des Surface Book 2 im Test: Größer ist großartiger

Seit sich die Ultrabooks im Massenmarkt etabliert haben, ist 13 Zoll die bevorzugte Displaygröße bei den Herstellern, und – freiwillig oder nicht so ganz freiwillig – auch bei den Kunden. Gerade in Deutschland sind größere Notebooks aber nach wie vor sehr beliebt. Seit Mitte Februar gibt es ein Solches auch von Microsoft: Die 15-Zoll-Variante des Surface Book 2 ist hierzulande erhältlich. Diese hat nicht nur ein größeres Display, sondern auch eine leistungsstärkere Grafikkarte sowie etwas größere Akkus, um den höheren Energiebedarf auszugleichen. Ich hatte das Gerät nun eine Woche lang in der Mangel. Lange genug, um es behalten zu wollen.

Weil es dazu gehört, hier der Steckbrief des Testgeräts:

  • 15 Zoll Display mit 3.240 mal 2.160 Pixel (3:2)
  • Intel Core i7-8650U (8. Generation)
  • 16 GB RAM
  • 512 GB SSD (Samsung)
  • Grafik: Nvidia GeForce GTX 1060 mi 6 GB dediziertem Arbeitsspeicher
  • 8MP Kamera hinten, 5 MP vorne
  • Windows Hello (Gesichtserkennung)
  • Anschlüsse: 2 x USB 3.0 Type A, USB-C, SDXC-Cardreader, 3,5mm Audio
  • Gewicht: 1.905 Gramm
  • Preis: 3.299 Euro

Exakt die gleiche Variante, nur eben mit dem kleineren Display, nutze ich derzeit hauptsächlich für meine Arbeit. Ich wusste zwar schon lange, dass das große Book auch nach Deutschland kommen wird, aber ich konnte nicht warten – und ärgere mich jetzt darüber.

Damit habe ich im Grunde schon das Fazit vorweg genommen: Die 15 Zoll-Version ist nicht nur physisch größer, sondern auch großartiger – im Englischen würde das Wortspiel “it’s not only bigger, it’s greater” besser funktionieren.

Ich bin bekennender Fan des Surface Book, darum muss man mit mir auch nicht über den Preis diskutieren. Ja, natürlich ist dieser irrational hoch, aber man bekommt dafür auch das meiner Meinung nach beste Notebook, welches man derzeit für Geld kaufen kann.

Der 15-Zöller bringt die für das Surface typischen Premium-Eigenschaften mit: Das VaporMG-Gehäuse fühlt sich im größeren Format noch etwas wertiger an, die hervorragende Display-Qualität des Surface Book kommt auf 15 Zoll selbstredend noch besser zur Geltung. Und dann wäre da noch die weltbeste Tastatur, auf der es sich noch etwas bequemer schreiben lässt, weil die Hände komplett auf der großzügigen Fläche neben dem Touchpad aufliegen. Zu viel des Lobgesangs? Tut mir leid, ich kann das nicht abschwächen, nur damit es objektiver klingt. Ich meine es nun mal so.

Arbeitsleistung
In den ersten Eindrücken hatte ich geschildert, dass mir der 15-Zöller bei normalen Tätigkeiten (Office, Mail, Internet und was man sonst eben noch so macht) subjektiv etwas schneller vorkommt. Das hat sich über den gesamten Testzeitraum bestätigt, gleichwohl kann ich keine Beweise dafür ins Feld führen. Mein Verdacht, es könnte an der SSD liegen, bestätigte sich nicht – in beiden Books steckt die baugleiche 512 GB-SSD von Samsung, in Benchmarks zeigten sich keine nennenswerten Unterschiede.

Gaming
Keine Diskussion gibt es darüber, ob das große Surface Book 2 bei grafiklastigen Anwendungen wie Spielen einen Vorteil bringt. Mit der Nvidia GeForce GTX 1060 steckt in diesem nämlich eine weit leistungsfähigere Grafikkarte als in der kleinen Version (GeForce GTX 1050).
Forza Motorsport 7 läuft in FullHD-Auflösung flüssig mit 60 FPS – das ist auch die vorgeschlagene Einstellung. Dadurch ermutigt, schraubte ich die Auflösung weiter nach oben, wurde dann aber sofort mit leichten Rucklern bestraft. Bei einem Rennspiel fällt das natürlich sofort sehr unangenehm auf, in anderen Spielen dürfte vielleicht etwas mehr drin sein.

Mixed Reality funktioniert mit dem großen Surface Book 2 ebenfalls gut, man benötigt allerdings einen Adapter von USB-C auf HDMI.

Für ausführliche Spieletests fehlte mir leider die Zeit, aber ich glaube, auch auf Basis der wenigen Eindrücke ein Fazit ziehen zu können: Die 15-Zoll-Version des Surface Book 2 ist voll spieletauglich, aber keine Gaming-Maschine. Damit erfüllt es den vorgesehenen Zweck: Es ist primär ein Arbeitstier, doch wer hin und wieder damit spielen möchte, muss dennoch wenig Kompromisse machen.

Surface Book 2: 15- und 13-Zoll-Version im Vergleich

Lüfter
Weil bei der ersten Generation des Surface Book der Lüfter im Tablet-Teil mitunter unangenehm auffiel, will ich auf diesen Punkt separat eingehen. Schon bei der kleinen Variante des Surface Book 2 stellte ich fest, das dieser nur noch selten in Erscheinung tritt, der 15-Zöller läuft im normalen Betrieb praktisch lautlos – beim Arbeiten habe ich den Lüfter niemals wahrgenommen.

Beim Spielen springt der Lüfter im Keyboard-Unterteil an, welches auch die Nvidia-Grafik beherbergt. Wenn dieser die volle Leistung abverlangt wird, dann wird das Lüftergeräusch natürlich deutlich hörbar, für meinen Geschmack wird es aber nicht unangenehm laut. Da beim Zocken in der Regel auch der Ton etwas lauter gestellt wird, gleicht sich das wieder aus.

Akkulaufzeit
Die Kapazität der Akkus im großen Surface Book 2 beträgt 23 (18) bzw. 62 (57) mWh, die Zahlen in Klammern sind die Werte des kleinen Modells. Die versprochenen “bis zu 17 Stunden” schafft auch der große Bruder nicht, im Office-Einsatz sind zehn Stunden aber locker drin. Beim Spielen mit dem aktivierten Energieprofil “Höchste Leistung” ist nach etwas mehr als zwei Stunden Schluss – das sollte aber nicht wirklich überraschen. Da man via USB-C einen externen Akku anschließen kann, lässt sich die “steckdosenunabhängige Laufzeit” noch deutlich erhöhen.

Bestätigen kann ich, dass es beim Gaming im Hochleistungs-Modus tatsächlich trotz angeschlossenem Netzteil zu einer Entladung kommt. Bis deshalb aber tatsächlich die Leistung gedrosselt wird, dürften locker 6-7 Stunden vergehen. Insofern bin ich mir unsicher, ob man da überhaupt von einem Problem sprechen kann. In der Praxis dürfte dieser Fall höchst selten eintreten.

Die Laufzeit im reinen Tablet-Betrieb konnte ich nicht testen, diese Info muss ich daher leider schuldig bleiben.

Sonstiges und Fazit
Verschiedene Käufer des Surface Book 2 berichten von einem Spulenfiepen, wenn das Gerät am Netzteil hängt. Ich bin davon sowohl beim kleinen als auch beim großen Surface Book 2 davon verschont geblieben, es scheint also nicht alle Geräte zu betreffen. Wer sich davon gestört fühlt, sollte auf jeden Fall reklamieren und beim Support auch hartnäckig bleiben.

Weitere Erkenntnisse: Auch beim 15-Zoll-Display gibt es kein Backlight-Bleeding mehr, über das sich Käufer der ersten Generation noch beschwert hatten. Das Display “wabbelt” bei Erschütterungen geringfügig stärker als beim kleinen Modell – das ist simple Physik. Es bleibt allerdings im Rahmen.

Das Fazit ist leicht: Wer mit dem Kauf eines Surface Book 2 liebäugelt und gedanklich zwischen der kleinen und großen Variante schwankt, dem rate ich dringendst, das 15-Zoll-Modell zu nehmen. Ja, es ist nochmal eine Ecke teurer, mit Blick auf das allgemeine Preisniveau beim Surface Book 2 könnte man aber auch ganz sarkastisch sagen: Darauf kommt’s eigentlich auch nicht mehr an.

Kritisieren will ich lediglich die Preisstufen: Das 15-Zoll-Modell startet bei 2.799 Euro mit 256 GB SSD, für eine SSD mit 512 GB oder 1 TB muss man bei ansonsten gleicher Ausstattung jeweils 500 Euro drauflegen, da stimmt einfach das Verhältnis nicht.

Ansonsten aber bin ich sicher: Beim Surface Book 3 werde ich auf das große Modell warten.

Über den Autor

Martin Geuß

Martin Geuß

Ich bin Martin Geuß, und wie unschwer zu erkennen ist, fühle ich mich in der Windows-Welt zu Hause. Seit mehr als 16 Jahren lasse ich die Welt an dem teilhaben, was mir zu Windows und anderen Microsoft-Produkten durch den Kopf geht, und manchmal ist das sogar interessant. Das wichtigste Motto meiner Arbeit lautet: Von mir - für Euch!

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