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Rosa Bits schonen das DSL-Netz – und warum andere Provider der Telekom folgen werden

Bei der heute angekündigten Bandbreiten-Drosselung für DSL-Anschlüsse der Telekom geht es am allerwenigsten darum, die Netze zu entlasten. Auch die „Bestrafung“ von Filesharing- und anderen Traffic-Sündern ist nur ein vorgeschobenes Scheinargument – die wahre Motivation dahinter ist eine andere. Und das ist der Grund, warum alle großen Provider dem Telekom-Beispiel folgen werden.

Wer an einem Standard-DSL 16.000 Anschluss mehr als 75 GB verbraucht, wird (wohl frühestens ab 2016) von der Telekom sofort in die digitale Steinzeit zurück versetzt. Ich hatte diese Kontingent für großzügig gehalten, bis ich gesehen habe, dass ich mit meinem vierköpfigen Haushalt dieses Limit knacke – und zwar ohne, dass irgendjemand tierisch über die Stränge schlägt.

Interessant ist, dass offenbar nur bestimmte Bits die Netze über Gebühr belasten. Grund zur Drosselung besteht nur, wenn die Kunden irgendwelche fremden Dienste nutzen. So lange die Bits rosa bleiben – also brav die Medien- und Clouddienste der Telekom genutzt werden, hat das auf das DSL-Netz offenbar keine schädliche Auswirkung. An dieser Tatsache kann man leicht ablesen, dass es hier nicht um Fairness geht, sondern um genau das Gegenteil davon.

Ich gehe wie gesagt davon aus, dass das neue Tarifmodell der Telekom zur Standardvorlage für alle Provider wird, denn sie alle stecken im selben Dilemma: Mit den Anschlüssen selbst ist wegen des hohen Preisdrucks kein ordentlicher Gewinn mehr zu erwirtschaften. Geld kann aber sehr wohl über IP-TV, Cloud-Services und andere Zusatzleistungen verdient werden.
Und wie schafft man es, dass der Kunde diese auch nutzt?: In dem man dafür sorgt, dass ihm gar nichts anderes übrig bleibt. Letztlich geht es in der künftigen DSL-Landschaft darum, den Kunden im providereigenen Ökosystem einzusperren.
Und wir werden nur die Wahl haben, wer die schönsten Gitter hat, durch die wir ins „richtige Internet“ hinaus schauen wollen.

Verhindern ließe sich das Szenario ganz einfach: Ich weiß nicht, ob unsere Regulierungsbehörde überhaupt die Macht dazu besitzt – aber wenn, dann sollte sie allen Providern vorschreiben, dass etwaige Drosselungen aufgrund überschrittener Volumen grundsätzlich zu gelten haben und eigene Dienste davon nicht ausgenommen werden dürfen. Dann wollen wir doch mal sehen, wie ernst es mit der Überlastung der Netze wirklich ist.

Über den Autor

Martin Geuß

Martin Geuß

Ich bin Martin Geuß, und wie unschwer zu erkennen ist, fühle ich mich in der Windows-Welt zu Hause. Seit mehr als zwölf Jahren lasse ich die Welt an dem teilhaben, was mir zu Windows und anderen Microsoft-Produkten durch den Kopf geht, und manchmal ist das sogar interessant. Das wichtigste Motto meiner Arbeit lautet: Von mir - für Euch!

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