Samsungs (halb)offizieller Abschied von Windows Phone
Gestern gab Samsung per Pressemeldung bekannt, dass man seine Palette von Windows-Notebooks künftig einheitlich benennen möchte. Der seit der Einführung von Windows 8 gebräuchliche Name ‚ATIV‘ gilt nun für das gesamte Produktportfolio an mobilen Windows-Geräten. Von Windows Phone spricht Samsung allerdings mit keinem Wort mehr.
Die Vereinheitlichung der Namen geht einher mit einer Nummer, deren System allerdings wahrscheinlich nur der versteht, der es sich ausgedacht hat. Da sich das sowieso kein Kunde einprägen wird, verzichte ich an dieser Stelle auf eine Erläuterung und zitiere aus der Pressemeldung:
Ergänzt werden die Kategorien durch eine Ziffer, die auf die Serie des jeweiligen Gerätes hinweist und zudem Aufschluss darüber gibt, welche Differenzierungsmerkmale das Produkt aufweist. Gerade Zahlen bezeichnen solche Modelle, die sich durch sehr hohe Leistung und gute Mobilität auszeichnen – so wird etwa die bisherige Serie 7 Chronos unter dem Namen ATIV Book 8 geführt. Ungerade Zahlen stehen für die äußerst schlanken, leichten Modelle, die sich neben guter Leistung insbesondere durch ihre ausgezeichnete Mobilität abgrenzen; die Serie 7 Ultra wird demnach zukünftig ATIV Book 7 heißen.
Nachdem das nun also unmissverständlich geklärt ist, widmen wir uns einem anderen Aspekt – das Interessanteste an der Geschichte ist nämlich das, was NICHT in der Presseerklärung steht bzw. was man daraus ableiten kann. Hier ein weiteres Zitat aus dem Text:
Samsung Kunden profitieren von der Einprägsamkeit der Marke, unter der in Zukunft drei Geräte-Kategorien zusammengefasst werden: All-in-One-PCs werden künftig als ATIV One bezeichnet, ATIV smart PCs firmieren unter dem Begriff ATIV Tab und alle Notebook-Serien werden ATIV Book heißen.
Fehlt da nicht was? Richtig, es gibt da nämlich noch eine weitere Klasse: Die der Smartphones – auch dort gibt es eine ATIV-Familie, deren einziges Mitglied in Deutschland das Windows Phone ATIV S ist. Einfach nur vergessen oder bewusst ausgelassen, weil es hier ja um Notebooks und Tablets geht?
Angesichts der Tatsache, dass ansonsten in der Meldung durchaus von Smartphones gesprochen und die Strahlkraft der Marke ‚Galaxy‘ hervor gehoben wird, mag ich das nicht glauben. Ich werte das vielmehr als deutliches Zeichen.
Wem das jetzt noch zu verschwörungstheoretisch ist, dem lege ich die englische Version von Samsungs Ankündigung nahe. Dort wird nämlich noch eine neue Anwendung mit dem Namen „SideSync“ beworben, die künftig auf allen Windows-Geräten der Marke ATIV vorinstalliert ausgeliefert wird.
SideSync soll das Zusammenspiel von PC und Smartphone perfektionieren. Videos, Fotos und andere Inhalte können direkt am PC angeschaut werden, man kann SMS beantworten oder auch Dateien per Drag&Drop zwischen den Geräten hin und her schieben.
SideSync ist kompatibel mit allen Samsung-Smartphones.
Kleine Einschränkung: gilt nur für Android…
Windows Phone findet auch an dieser Stelle mit keinem Wort Erwähnung, und spätestens ab hier besteht für mich kein Zweifel mehr, dass das Thema Windows Phone für Samsung durch ist – sofern sie das überhaupt jemals auch nur ansatzweise ernst gemeint haben. Auch daran darf man ja berechtigte Zweifel hegen.
Wenn man sich das erbärmliche Auftreten von Samsung im Bezug auf das ATIV S anschaut, gleichzeitig aber weiß, wie viel besser sie es mit ihren Galaxy-Smartphones können, dann kann ich für mich daraus nur den Schluss ziehen, dass man nie ernsthaft daran interessiert war, das ATIV S auch wirklich zu verkaufen, obwohl es ja an sich ein tolles Gerät ist, wie ich in meinem Testbericht festgehalten habe.
Warum das so ist und warum es das ATIV S überhaupt gibt, darum ranken sich zum Teil abenteuerliche Spekulationen. Einmal hieß es, die Provider würden Samsung gezielt boykottieren, damit die nicht auch noch den Markt für Windows Phones an sich reißen, nachdem ihnen Android praktisch schon alleine gehört. Und dann gibt es sogar noch die Theorie, das ATIV S wäre in Wahrheit ein Sabotage- und Spionage-Akt gegen Windows Phone. Klingt sehr weit her geholt – aber einem Unternehmen, das Blogger besticht und erpresst und viel Geld in Schmutzkampagnen gegen die Konkurrenz investiert, wie jüngst beim HTC One geschehen, könnte man auch das zutrauen.
Festhalten kann man, dass Samsung der Windows Phone Plattform mehr geschadet als genutzt hat – ob absichtlich oder unabsichtlich. Und sie werden es noch ein letztes Mal tun, wenn früher oder später die Einstellung des ATIV S wegen Erfolglosigkeit bekannt gegeben wird. Ich persönlich hoffe, dass das dann das Letzte ist, was wir von Samsung in Bezug auf Windows Phone hören werden.
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Über den Autor

Martin Geuß
Ich bin Martin Geuß, und wie unschwer zu erkennen ist, fühle ich mich in der Windows-Welt zu Hause. Seit mehr als 19 Jahren lasse ich die Welt an dem teilhaben, was mir zu Windows und anderen Microsoft-Produkten durch den Kopf geht, und manchmal ist das sogar interessant. Das wichtigste Motto meiner Arbeit lautet: Von mir - für Euch!



