Kommentar: Nur dumme Publisher haben etwas gegen Gebrauchtspiele

Zu den vielen offenen Fragen, die es bezüglich der Xbox One noch gibt, gehört der Umgang mit gebrauchten Spielen. Ein benutztes Spiel einfach an einen Freund oder auf dem Flohmarkt verticken – damit soll es nach dem Willen von…ja wessen Willen eigentlich? – wohl in der Zukunft vorbei sein.
Es kursieren verschiedene Gerüchte, wie auf der Xbox One die Weitergabe von Gebrauchtspielen geregelt werden soll. Eines besagt, der Verkäufer müsse das Spiel zunächst de-registrieren und dafür eine Gebühr an Microsoft bezahlen, an welcher in der Folge auch der Publisher beteiligt wird. Eine schreckliche Vorstellung, und ‚immer noch besser, als wenn es ganz verboten wäre‘ ist da nur ein lächerlicher Trost. Microsoft hat die Berichte als ‚unpräzise‘ zurückgewiesen, zur weiteren Präzisierung aber nichts beigetragen – können sie vermutlich im Moment auch gar nicht.
Es ist nämlich davon auszugehen, dass dieses Problem nicht nur die Xbox One, sondern auch z.B. die PS4 betreffen wird. Und ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass es die Konsolenhersteller sind, die dieses unliebsame Thema treiben. Außer schlechter Presse haben sie nämlich nichts davon. Das Geld, was sie über die Beteiligung am Gebrauchtspielehandel einnehmen, geht direkt wieder für die dafür notwendige Infrastruktur drauf.

Vielmehr sind es die Publisher, die den Handel mit gebrauchten Spielen eindämmen oder am liebsten ganz verbieten wollen. Vermutlich hat man dort eine Schätzung aufgestellt, wie viele Spiele gebraucht verkauft werden, und sofort die berühmten Dollarzeichen in den Augen gehabt: Wenn man stattdessen lauter neue Spiele an den Mann bringen könnte, würde man so richtig dick verdienen.
Das ist natürlich eine Milchmädchenrechnung, die niemals aufgeht. Auch die erwarteten Strafzölle auf den Weiterverkauf wird man in der geplanten Höhe niemals einstreichen, denn jede Erschwernis wird dazu führen, dass der Handel mit gebrauchten Spielen dramatisch einbricht. Und wenn die Publisher denken, dass ihnen das egal sein kann, dann irren sie sich gewaltig. Der Gebrauchtspielehandel ist ein wichtiger Motor für den Verkauf von neuen Spielen. Viele Jugendliche verdienen sich das Geld für ein neues Spiel, in dem sie andere verkaufen. Das können ältere Spiele sein, aber vielleicht auch brandneue, die die eigenen Erwartungen nicht erfüllt haben. Und nicht wenige Gamer bekommen durch ein günstig gekauftes Gebrauchtspiel erst so richtig Appetit auf die neueste Fortsetzung.

Mit der Eindämmung des Gebrauchtspielehandels schneiden sich die Publisher letztlich ins eigene Fleisch. Selbst wenn sie darüber künftig ein paar Euros einnehmen werden – den Verlust wird das kaum ausgleichen. Nur dumme Publisher werden diesen Plan weiter verfolgen – funktionieren wird er allerdings, wenn sich die Kundschaft als ebenso dumm erweist und dieses Spiel mitspielt.

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Martin Geuß
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Ich bin Martin Geuß, und wie unschwer zu erkennen ist, fühle ich mich in der Windows-Welt zu Hause. Seit mehr als zwölf Jahren lasse ich die Welt an dem teilhaben, was mir zu Windows und anderen Microsoft-Produkten durch den Kopf geht, und manchmal ist das sogar interessant. Das wichtigste Motto meiner Arbeit lautet: Von mir - für Euch!
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