Die CeBIT verordnet sich ein Schrumpfprogramm - Consumer werden praktisch ausgeschlossen

Nachlassendes Interesse, sinkende Besucherzahlen – damit kämpft die CeBIT schon seit vielen Jahren. Jetzt will die IT-Messe den Besucherrückgang sogar beschleunigen und hofft, sich damit gesund zu schrumpfen. Consumer, also Endkunden, sind auf der CeBIT künftig praktisch nicht mehr erwünscht.
Das wird schon alleine an der deutlichen Erhöhung des Eintrittspreises deutlich: Stolze 60 Euro kostet das Tagesticket im nächsten Jahr. Man könnte auch sagen: Das ist die gerechte Strafe für Alle, die zu doof sind, eine der gefühlt 100.000 Freikarten abzugreifen, die im Vorfeld an jeder Ecke des Internets wie Sauerbier angeboten werden.

Der Samstag – bisher der absolute Alptraum-Tag für alle Aussteller wegen der Invasion der Beutelratten (so nennt man ganz liebevoll die Besucher, die möglichst viele Werbegeschenke einsammeln) – wird gestrichen. Die CeBIT findet künftig von Montag bis Freitag statt, im kommenden Jahr vom 10. bis 14. März 2014.
Business, Business und nochmal Business – das war eigentlich schon seit Jahren das Ziel der CeBIT-Macher, und das hoffen sie mit der Neuausrichtung nun endlich zu erreichen.
Sollte das gelingen, wird man die Zahl von 285.000 Besuchern aus diesem Jahr gut und gerne halbieren – mindestens. Vielleicht nicht direkt im ersten Jahr, da werden doch noch viele Endkunden zur CeBIT gehen um zu schauen, ob das auch wirklich so stimmt.

Die CeBIT dürfte damit auch rein flächenmäßig erheblich kleiner werden. Die Präsenzen von Microsoft und der Telekom beispielsweise kommen locker mit einem Fünftel der Fläche aus, wenn man nur noch Business-Kunden ansprechen möchte. Intels riesige Gamingwelt – überflüssig, nicht mehr erwünscht.

Die komplette Erklärung zu Neuausrichtung der CeBIT kann hier nachgelesen werden.
Die Argumente sind für mich nachvollziehbar, aber machen wir uns mal nichts vor: Dieses neue Konzept ist aus der Not geboren, und es ist ein ziemlich verzweifelter Versuch, um zu retten, was noch zu retten ist.

Ich bin niemand, der sich selbst damit brüstet, „es ja schon vorher gewusst zu haben“ – aber ich zitiere mich einfach mal selbst aus meinem Fazit zur diesjährigen CeBIT:

Man wäre bei der Deutschen Messe meiner Meinung nach gut beraten, die CeBIT radikal einzudampfen. Alles, was nach Consumer riecht, radikal streichen. Dann kann man noch ein paar Hallen mehr leer stehen lassen, was den Betrieb der Messe günstiger macht, und das Fachpublikum ist unter sich. Keine nervigen Heimanwender mehr, die sich am Microsoft-Stand über Windows beschweren oder bei der Telekom nachhaken, wann es in ihrer Straße endlich schnelleres DSL gibt.

et voilà!
Gerne auch den ganzen Beitrag lesen – vor dem Hintergrund der heutigen Bekanntmachung scheine ich das nicht so ganz falsch eingeschätzt zu haben.

Damit aber genug der Selbstbeweihräucherung – der Schritt dürfte für die CeBIT genau der Richtige sein, die Consumer-Musik spielt schon lange auf der IFA – die sich vor diesem Hintergrund wohl auf ein wenig mehr Zulauf freuen darf. Microsoft war dort bislang nie mit einer eigenen Präsenz vetreten. Ob man es sich wirklich leisten kann, überhaupt nicht mehr mit dem Endkunden in Kontakt zu treten? Auf der CeBIT soll das ja in Zukunft nicht mehr passieren.

Über den Autor
Martin Geuß
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Ich bin Martin Geuß, und wie unschwer zu erkennen ist, fühle ich mich in der Windows-Welt zu Hause. Seit mehr als elf Jahren lasse ich die Welt an dem teilhaben, was mir zu Windows und anderen Microsoft-Produkten durch den Kopf geht, und manchmal ist das sogar interessant. Das wichtigste Motto meiner Arbeit lautet: Von mir - für Euch!

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Kommentare
  1. Mein erster Gedanke war:
    Das wird wohl in ein paar Jahren so enden wie die Systems in München.
    Immer kleiner, immer weniger, dann nix mehr.
    Ich bin mir nicht sicher, ob so eine Messe überhaupt noch nötig ist.
    Die Großen der Branche haben längst jeder seine Hausmesse.
    Die Kleinen haben das Internet.
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