Am Puls von Microsoft

iTunes Fake App im Windows Store für 8,49 € – prüft Microsoft denn gar nichts?

Überraschung im Windows Store: Hier taucht doch tatsächlich eine App mit dem Namen ‚Apple iTunes‘ auf. Hat man in Cupertino seine Meinung geändert und nun doch eine App für Windows 8 veröffentlicht?
Mitnichten, denn die App ist ein Fake, und dazu noch ein sehr teurer. Eine Testversion gibt es nicht – wer also wissen möchte, was drin steckt, muss sie für 8,49 € kaufen. Und beim ersten Start dürfte der geprellte Käufer dann schnell Schaum vor dem Mund haben: Die App enthält nicht eine einzige Funktion, die man zum Transfer von Medien zwischen einem Windows 8 Computer und einem Apple-Gerät verwenden könnte, sondern lediglich ein paar Videos, welche die Funktionsweise von iTunes demonstrieren.

Nepper, Schlepper, Bauernfänger. Die App war vermutlich in wenigen Stunden zusammen gezimmert, und wenn weltweit nur hundert Leute darauf herein fallen, hat sich der Aufwand schon gelohnt.
Damit aber nicht genug: Der selbe Anbieter, der sich „Internet Download Manager“ nennt, hat noch Apps mit folgenden Namen im Programm:

– WhatsApp Messenger for Windows 8
– Gmail for Windows 8
– Notepad++ for Windows 8
– Winrar for Windows 8
– Facebook for Windows 8
– Microsoft Office Word 2013
– Google Chrome for Windows 8

Alle Apps haben zwei Dinge gemeinsam: Einen hohen Preis und null Funktionalität. Die App Word 2013 schießt mit 23,99 € hierbei den Vogel ab – wenigstens ist sie als einzige in die korrekte Rubrik „Bildung“ einsortiert, so dass man einigermaßen schnell erkennen kann, dass es sich hier nur um ein Lernprogramm handelt.
Die anderen Apps stecken in der Rubrik „Tools“ bzw. Facebook im Bereich „Soziales Netzwerk“, erwecken also alleine schon durch die Kategorisierung den Anschein, dass hier wirklich eine App mit der entsprechenden Funktion angeboten wird.
Wenn jemand 8,49 € für eine App ausgibt, ohne die Beschreibung vorher aufmerksam zu lesen, dann können wir gerne darüber diskutieren, ob derjenige es eventuell nicht besser verdient hat. Trotzdem frage ich mich: Muss das sein?

Es werden mal wieder Apps mit offiziellen Firmen- und Produktnamen in den Store gestellt, die auf den ersten Blick erkennbar nicht offiziell sind. Microsoft redet sich gerne damit heraus, dass man das nicht in jedem Einzelfall überprüfen kann. Das ist durchaus richtig, aber bei Namen, die jedes Kind kennt, sollte das durchaus möglich sein.
Und selbst wenn man das durchgehen lässt – zumindest eine Korrektur der Kategorie sollte während der Zertifizierung vorgenommen werden können, damit unaufmerksame Nutzer nicht in die Falle tappen.

Der Gipfel in diesem Fall ist, dass man den Entwickler nicht mal vernünftig kontaktieren kann – es gibt keine Homepage, einzige Möglichkeit der Kontaktaufnahme ist die Mailadresse [email protected]
Eine anonyme Briefkastenfirma stellt teure, nutzlose Apps mit offiziellen Markennamen in den Store, sortiert diese in mutmaßlich betrügerischer Absicht auch noch in die falsche Kategorie – und Microsoft sagt ‚kein Problem, immer her damit, Hauptsache wieder acht Apps mehr im Store“.

Und dann wundert man sich, wenn immer wieder geschrieben wird, der Windows Store sei voll mit nutzlosem Crap. Wessen Schuld ist das wohl?

Über den Autor

Martin Geuß

Martin Geuß

Ich bin Martin Geuß, und wie unschwer zu erkennen ist, fühle ich mich in der Windows-Welt zuhause. Seit 15 Jahren lasse ich die Welt an dem teilhaben, was mir zu Windows und anderen Microsoft-Produkten durch den Kopf geht, und manchmal ist das sogar interessant. Das wichtigste Motto meiner Arbeit lautet: Von mir - für Euch!

Anzeige