Am Puls von Microsoft

Brett am Kopf: Das Lumia 1520 im Dauereinsatz

Wie schlägt sich ein 6 Zoll großes Smartphone im täglichen Einsatz? Diese Frage lässt sich nur auf eine Weise beantworten: Man muss es ausprobieren.
Genau das habe ich getan. In den letzten rund sechs Wochen war das Lumia 1520 mein ständiger Begleiter, weil ich wissen wollte, wie man mit so einem “Trümmer” durch den Alltag kommt. Schließlich will ein rund 16 mal 8,5 Zentimeter großes Gerät ja auch irgendwo verstaut werden, um nur mal eine der Herausforderungen zu nennen. Hier sind meine Erfahrungen.

Wie groß ist groß?
Bevor wir über irgendwelche technischen Dinge sprechen, muss es zwangsläufig um die Größe gehen. Ganz klar: Das Lumia 1520 ist nicht für Jeden geeignet, aber es ist ja auch nicht für Jeden gedacht. Da ich grundsätzlich auf große Displays stehe, bin ich in diesem Punkt voreingenommen, aber genau das muss man wohl sein, um überhaupt Interesse zu entwickeln. Man kauft sich schließlich kein 6-Zoll-Gerät, um sich dann irgendwie daran zu gewöhnen. Man kauft es bzw. man interessiert sich dafür, weil man genau weiß, worauf man sich einlässt. Und nicht, weil man am zweiten Tag sagt ‘oh, das passt aber schlecht in die Hosentasche’.
Behaltet also meine Präferenz im Hinterkopf, wenn ich nach sechs Wochen zu der Feststellung gelange: Das hätte ich mir problematischer vorgestellt. Ich war bisher noch in keiner Situation, in der ich es als Handicap empfunden habe, ein so großes Smartphone dabei zu haben. Natürlich muss man berücksichtigen, dass wir aktuell eine Jahreszeit haben, in der man immer mit Jacke unterwegs ist, da findet sich natürlich immer eine Tasche, in der man es verstauen kann. Im Hochsommer mag es vielleicht anders aussehen. In die Gesäßtasche einer Jeans passt es aber ebenfalls prima – so lange man sich nicht hinsetzen muss. Im Gegensatz zum Lumia 920, welches ich davor als Hauptgerät nutzte, merkt man vom 1520 in der Hosentasche sogar weniger, weil es mit 8,7 mm deutlich flacher ist.

Das Lumia 1520 ist definitiv nichts für Leute, die nicht gerne auffallen. Wenn man dieses Teil in der Öffentlichkeit benutzt oder es nur auf den Tisch legt (ich habe mich zudem noch für die Farbe Gelb entschieden, damit man es auch wirklich nicht übersieht), dann zieht man die Blicke auf sich. Und man kommt auch leicht mit seinen Mitmenschen ins Gespräch. Neulich fragte ich meinen Sitznachbarn im Stadion nach einem Tor, ob das nicht eventuell Abseits gewesen sein könnte. Er grinste mich an und sagte trocken: ‘Schau doch nach, Du hast ja einen Fernseher dabei…’
Und ja, natürlich – natürlich fühlt es sich ein wenig albern an, sich ein 6 Zoll Phablet ans Ohr zu halten, um damit zu telefonieren, und bestimmt sieht es auch albern aus. Aber ich sehe das ja nicht, da ich nicht vor dem Spiegel telefoniere.


Gruppenbild mit Phablet: Größenvergleich zwischen dem Lumia 520, 1020 und 1520. Rechts daneben noch das Dell Venue 8 Pro, nur so zum Vergleich.

Das Lumia 1520 ist ein Gewohnheiten-Veränderer
Auf ein größeres Display passt mehr drauf – eine zusätzliche Kachelreihe zum Beispiel. Das ist es aber nicht, was den Unterschied macht. Natürlich macht auch das mobile Surfen damit mehr Spaß, vom sonstigen Medienkonsum ganz zu schweigen – auf so einem Display mag ich auch mal einen Film schauen, und auf Fotos erkennt man auch mal ein Detail, ohne hinein zoomen zu müssen. Das ist alles Komfort, den ein größeres Display mit sich bringt. Aber auch das ist noch nicht der eigentliche Punkt.
Viel deutlicher zum Tragen kommt der Unterschied nämlich, wenn es um die aktive Nutzung geht, man also wirklich Eingaben tätigt. Vor dem Lumia 1520 war ich kurz angebunden, wenn ich von unterwegs Nachrichten geschrieben habe – sei es SMS, WhatsApp oder auch mal eine E-Mail. Jetzt lege ich das 1520 manchmal vor mich hin und tippe mit beiden Händen drauf los, inzwischen auch schon mit recht beachtlicher Geschwindigkeit. Und meine Kontakte wundern sich, warum sie plötzlich halbe Romane von mir zum Lesen bekommen. Auch Office macht mit dem Phablet noch mal gut doppelt so viel Spaß. Ich habe eigentlich erst in den letzten Wochen damit angefangen, von Office auf meinem Windows Phone so richtig zu profitieren.
Aber nicht nur die Arbeit geht viel leichter von der Hand, sondern auch das Vergnügen. Bei Spielen, wo man nicht nur auf dem Bildschirm hin und her wischen muss, sondern wo es auch mal darauf ankommt, ein Element genau zu treffen, hat das große Display für Grobmotoriker wie mich unschätzbare Vorteile. An Animal Park Tycoon, welches mir in den letzten Wochen viele Stunden geraubt hat, hätte ich auf einem ‘normalgroßen’ Display ganz sicher viel weniger Freude gehabt.
Ich kann für mich festhalten, dass das Lumia 1520 meine Nutzungsgewohnheiten nachhaltig verändert hat. Habe ich vorher überwiegend nur geschaut, bin ich jetzt viel aktiver und habe daher das Gefühl, deutlich mehr Nutzen aus meinem Smartphone zu ziehen als jemals zuvor.

…und nun lasst uns noch kurz über die Technik sprechen
Es geht mir in diesem Artikel vornehmlich um den praktischen Einsatz des Lumia 1520, ich werde daher an dieser Stelle nicht noch technisch in die Tiefe gehen, das sprengt sonst einfach den Rahmen. Das Lumia 1520 ist so hochwertig verarbeitet, wie man das von den Lumias kennt, lediglich die Einschübe für Nano-SIM und microSD-Karte an der Seite haben ein bisschen Spiel. Die Quadcore-CPU macht dem ohnehin flotten Windows Phone noch ein bisschen zusätzlichen Dampf, da spürt man den Unterschied allerdings nicht so sehr. Das FullHD Display ist erwartungsgemäß das beste, schärfste und brillanteste, was ich bislang an einem Windows Phone gesehen habe.
Die Kamera ist nach der im Lumia 1020 die zweitbeste, die man aktuell in einem Windows Phone bekommen kann – siehe dazu auch das Kameraduell mit vielen Beispielbildern.
Die integrierten Lautsprecher machen mächtig Krach, neigen auf maximaler Lautstärke bei gitarrenlastiger Musik aber auch ein wenig zum Übersteuern.
Beeindruckend ist die Akkulaufzeit. Im Lumia 1520 steckt ein 3400 mAh Akku, und ich hatte gedacht, dass es den angesichts seiner Spezifikationen auch braucht. Selbst bei intensiver Nutzung schafft man es aber kaum, ihn über den Tag hinweg vollständig zu entleeren – gerade beim Lumia 920 war genau das kein großes Kunststück, da hielt man bei intensiver Nutzung schon am frühen Nachmittag Ausschau nach der nächsten Steckdose. Nach einem ganz normalen Tag sind beim Lumia 1520 locker noch 50-60 Prozent Kapazität übrig.

Fazit: Vorsicht, Einbahnstraße!
Wie ich eingangs schon schrieb – garantiert sind Geräte dieser Größe nicht für Jeden geeignet, und so richtig Mainstream werden sie vermutlich niemals werden. Aber ich bin überzeugt, dass die Zahl derer, die Spaß an einem Phablet finden, deutlich steigen wird. Mit dem Geräten wie dem Lumia 1320 wird die preisliche Hürde ja bald etwas tiefer gelegt.
Allen, die sich für ein solches Phablet interessieren und mit dem Gedanken spielen, es wie ich einfach mal auszuprobieren, kann ich nur den Rat geben, es zu tun. Gleichzeitig muss ich aber auch warnen: Wenn man sich erst mal dafür begeistert hat, dann ist es eine Einbahnstraße. Man will danach nichts Kleineres mehr haben. Nach nur sechs Wochen mit dem Lumia 1520 tue ich mich mit kleineren Displays nun wahnsinnig schwer.
Es kommt eben doch auf die Größe an!

Über den Autor

Martin Geuß

Martin Geuß

Ich bin Martin Geuß, und wie unschwer zu erkennen ist, fühle ich mich in der Windows-Welt zu Hause. Seit mehr als 17 Jahren lasse ich die Welt an dem teilhaben, was mir zu Windows und anderen Microsoft-Produkten durch den Kopf geht, und manchmal ist das sogar interessant. Das wichtigste Motto meiner Arbeit lautet: Von mir - für Euch!

Anzeige