Skandal oder Rufmord? Microsoft soll Xbox-Nutzerdaten im Wahlkampf verkaufen

Wir alle kennen Microsofts Scroogled-Kampagne, mit denen die Redmonder immer wieder über Google her ziehen. Die Botschaft: Google durchsucht Eure Mails und andere Daten, um diese zu Werbezwecken zu verkaufen. Darum ist Google böse. Microsoft tut das nicht. Microsoft sind die Guten.
Nun sieht sich Microsoft einem ähnlichen Vorwurf ausgesetzt, der – so es denn stimmen sollte – sogar eine ganz andere Tragweite hat. Angeblich bietet Microsoft demografische und andere Daten aus dem Xbox Live Netzwerk in den USA den politischen Parteien an, damit diese im Wahlkampf ganz zielgerichtet ihre Zielgruppe (oder die des politischen Gegners) ansprechen können. Die Washington Post berichtet, dass Microsoft bereits entsprechendes Promo-Material an seine potenziellen Werbekunden verteilt hat.

Bevor sicht jetzt gleich der Geifer in den Mundwinkeln sammelt, muss man natürlich zunächst mal darauf schauen, welche Daten das überhaupt sind, die da angeboten werden. Wie die Washington Post schreibt, handelt es sich dabei nur um Daten, die der Nutzer selbst öffentlich verfügbar gemacht hat. Es ist insofern also keine Weitergabe privater Daten, dennoch macht man sich als Spieler bei der Freigabe von Profilinformationen ganz sicher keinen Kopf darum, dass diese eventuell für Werbezwecke verwendet werden können – noch dazu für politische.

Microsoft sagt zu dem Bericht das, was sie immer zu sagen pflegen: Kein Kommentar.
Wir deutschen Nutzer sind in diesem speziellen Fall nicht ‚gefährdet‘, hierzulande ist politische Werbung an viel strengere Regeln gebunden. Darum geht es mir aber letztlich auch nicht. Wenn Microsoft in irgendeiner Form Nutzerdaten – anonymisiert oder nicht – an Werbetreibende verkauft, dann hat es in Richtung Google künftig zu schweigen. Von der Doppelmoral abgesehen, würde diese diese unsäglichen Scroogled-Spots wohl sowieso kein Mensch vermissen.
Kollege Günter Born hat sich dazu auch seine Gedanken gemacht – ruhig mal rein schauen.

Über den Autor
Martin Geuß
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Ich bin Martin Geuß, und wie unschwer zu erkennen ist, fühle ich mich in der Windows-Welt zu Hause. Seit mehr als elf Jahren lasse ich die Welt an dem teilhaben, was mir zu Windows und anderen Microsoft-Produkten durch den Kopf geht, und manchmal ist das sogar interessant. Das wichtigste Motto meiner Arbeit lautet: Von mir - für Euch!

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Kommentare
  1. Naja, jeder der etwas nutzt, was seine Daten "bekommt", sollte damit rechnen, dass er diese mal "wo anders" wiederfindet. Daten werden nur zu einem Zweck gesammelt, um sie auszuwerten und möglichst zu verkaufen. Uwe
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