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Interview mit dem Fotografen des Windows XP Standard Wallpapers

Interview mit dem Fotografen des Windows XP Standard Wallpapers

Windows XP ist tot. Charles O’Rear, der das Hintergrundbild von Windows XP und damit das mutmaßlich am häufigsten angesehene Foto der Geschichte fotografierte, lebt glücklicherweise noch. 73 Jahre ist er inzwischen alt und erfreut sich dem Anschein nach bester Gesundheit.

Für ihn war das Bild, welches später auf den Namen ‚Bliss‘ (Wonne) getauft wurde, eigentlich kein besonderes Highlight. Er habe in seiner Laufbahn mehrere Bilder geschossen, von denen er selbst dachte: ‚mein Gott, was für ein Meisterwerk‘. Für viele davon habe sich aber niemand interessiert. Das im Jahr 1998 aufgenommene Foto – geschossen während es eines kurzen Stopps auf dem Weg zu seiner Freundin – zählte O’Rear nicht zu seinen besten Bildern, für ihn war es eher ein Schnappschuss.

Ein kleines Unwetter war gerade durchgezogen, der Regen hatte das Gras in ein saftiges Grün getaucht und die Sonne blinzelte durch die sich verziehenden Wolken. Diese Stimmung wollte er unbedingt festhalten. Er stellte sein Auto am Straßenrand ab und lief einige Meilen zurück, bis er die seiner Meinung nach perfekte Stelle fand, die wir nun alle kennen. Heute wäre das nicht mehr möglich, weil viel zu gefährlich, erzählt O’Rear im Interview. Die stark befahrene Straße ist einer der größten Unfallschwerpunkte der Region.

Warum das unscheinbare Foto dann doch sein größter Erfolg wurde? Die Bildagentur Corbis – bis zum heutigen Tag im Besitz von Bill Gates – nahm das Foto in ihren Katalog auf, Microsoft interessierte sich dafür und lud Charles O’Rear nach Redmond ein. Dort musste er zum ersten Mal die Frage beantworten, die ihm danach viele, viele Male gestellt wurde: Ist das wirklich ein Originalfoto, oder wurde da mit Photoshop nachgeholfen? Der Fotograf beharrt darauf, dass da nichts nachgearbeitet wurde.

Schließlich kaufte Microsoft das Bild und machte es zum Standard-Hintergrund von Windows XP. Was O’Rear für das Foto bekommen hat, verrät er nicht. Man darf sich aber ziemlich sicher sein, dass es im Nachhinein betrachtet viel zu wenig war. Er selbst hatte mal darüber sinniert, wie viel Geld er jetzt wohl hätte, hätte er jedes Mal einen Cent bekommen, wenn sich jemand das Bild anschaut.

Alles total untechnisch – aber ich mag solche Geschichten einfach, und darum teile ich sie an dieser Stelle gerne.
Hier noch das Video:

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Über den Autor

Martin Geuß

Martin Geuß

Ich bin Martin Geuß, und wie unschwer zu erkennen ist, fühle ich mich in der Windows-Welt zu Hause. Seit mehr als 19 Jahren lasse ich die Welt an dem teilhaben, was mir zu Windows und anderen Microsoft-Produkten durch den Kopf geht, und manchmal ist das sogar interessant. Das wichtigste Motto meiner Arbeit lautet: Von mir - für Euch!

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