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Private Dateien auf SkyDrive führten zu Account-Sperrung

Anwender verlor angeblich seinen kompletten Microsoft-Account.
Ein Anwender aus den Niederlanden behauptet, Microsoft hätte wegen privater Dateien in seinem SkyDrive-Konto seinen Account stillgelegt, wodurch er nicht nur die in SkyDrive gelagerten Daten verlor, sondern auch Zugriff auf seine E-Mails und sein Xbox Live Konto mit allen gekauften Spielen.
Was war passiert?
Der Mann, der sich in einem holländischen Forum WingsofFury nennt, hatte rund 9 Gigabyte auf seinen SkyDrive-Speicher hoch geladen. Ohne Warnung oder Vorankündigung wurde sein Account dann plötzlich gesperrt. Offensichtlich verstießen einige der hoch geladenen Dateien gegen die SkyDrive-Nutzungsbestimmungen. Pikant: Die Dateien lagen in einem privaten Ordner, waren also für niemanden zugänglich außer für den Besitzer selbst. Zwei Monate lang versuchte der Betroffene, seinen Account zurück zu erhalten, dann gab er auf.

Zunächst einmal ist zu sagen, dass es sich hier um eine einseitige und nicht objektiv prüfbare Schilderung handelt – entsprechende Vorsicht ist also angesagt.
Dennoch ergeben sich aus dieser Geschichte zwei wichtige Erkenntnisse:

Erstens:
Cloud-Dienste wie SkyDrive sind eben keine „simple Erweiterung“ für die lokale Festplatte, wie man uns das gerne zu verkaufen versucht – es gelten Nutzungsbedingungen, und diese legt der Anbieter fest.
Im Falle von Windows Live gilt ein Verhaltenskodex, der unter anderem besagt, dass man keine Nacktaufnahmen hoch laden darf. Diese Regel ereilte bereits einen deutschen Fotografen, der seinen SkyDrive-Account verlor, weil er eigene Aufnahmen dort ablegte, auf denen die Personen nicht vollständig bekleidet waren.
Auch urheberrechtlich geschütztes Material ist tabu.
Nun gehe ich nicht davon aus, dass neugierige Mitarbeiter heimlich unsere SkyDrive-Ordner durchsuchen – diese Überwachung geschieht maschinell, aber gerade das macht sie so gefährlich. Denn wie wir alle wissen, sind Computer doof, und solche Automatismen irren sich auch gerne mal.

Zweitens:
Es kann nicht angehen, dass wegen eines einfachen Verstoßes komplette Accounts stillgelegt werden. Man muss sich nur mal überlegen, was an einem Microsoft Account so alles dran hängt, und was in Zukunft noch dazu kommen soll: E-Mails, Daten, Software-Käufe in Windows Phone, Xbox Live, dem künftigen Windows Store, ja sogar der Login in Windows selbst. Ein Nackedei-Bildchen hochgeladen, und sei es nur ein privates oben-ohne Foto der Freundin aus dem letzten Urlaub: Rumms, die Tür fällt ins Schloss, und man wird aus seiner eigenen Welt ausgesperrt.
Das kann nicht angehen. So lange es nicht um kriminelle Handlungen geht, muss dem Kunden die Möglichkeit gegeben werden, eine drohende Sperre durch Beseitigung der Ursache zu verhindern. Und wenn automatisch gesperrt wird, dann darf das nur partiell für genau den Bereich geschehen, in dem der Verstoß aufgetreten ist.

Über den Autor

Martin Geuß

Martin Geuß

Ich bin Martin Geuß, und wie unschwer zu erkennen ist, fühle ich mich in der Windows-Welt zuhause. Seit 15 Jahren lasse ich die Welt an dem teilhaben, was mir zu Windows und anderen Microsoft-Produkten durch den Kopf geht, und manchmal ist das sogar interessant. Das wichtigste Motto meiner Arbeit lautet: Von mir - für Euch!

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