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SkyDrive-Accountsperre: Microsoft nimmt Stellung

Ein Mann aus den Niederlanden verlor seinen kompletten Windows Live Account, weil er angeblich gegen die Nutzungsbedingungen verstoßen hat. In seinem SkyDrive-Speicher befand sich offenbar mindestens eine Datei, die gegen die inhaltlichen Richtlinien verstieß. Der Fall ist deshalb so pikant, weil es sich um eine Datei handelte, die nicht öffentlich einsehbar, sondern nur dem Eigentümer selbst zugänglich war. Eine ausführliche Schilderung der Geschichte findet sich hier.

Da stellt sich natürlich vor allen Dingen die Frage: Wie privat sind meine privaten Daten eigentlich? Neowin hat sich bezüglich dieser Sache an Microsoft gewandt und auch eine Antwort erhalten. Verständlicherweise äußert sich Microsoft nicht konkret zu dem aktuellen Fall, darum ist das Statement vorwiegend darauf bedacht, kein allgemeines Misstrauen aufkommen zu lassen.
So betont man in der Antwort beispielsweise, dass es sehr strenge interne Richtlinien gibt, wann ein Mitarbeiter überhaupt Einsicht in den Account eines Kunden nehmen darf. Das geschieht offenbar erst dann, wenn die automatischen Mechanismen zur Erkennung von illegalem Material angeschlagen haben. Hier wird beispielsweise die Technik PhotoDNA zur Erkennung von Kinderpornographie ins Feld geführt. Das selbe Verfahren wird sicher auch benutzt, um vergleichsweise harmlose oben-ohne-Fotos zu ermitteln, die in SkyDrive ja ebenfalls verboten sind.
Wenn irgendwelche Kontrollmechanismen mit Kinderpornographie gerechtfertigt werden, ist mir das grundsätzlich suspekt – mir fühlt sich das zu sehr nach Totschlagargument an, aber das ist ein anderes Thema.

Was kann man also für Konsequenzen aus der Geschichte ziehen?
Cloud, nein Danke? Es gibt genügend Nutzer, die diese Meinung ohnehin vertreten, und die sich durch Fälle wie diesen bestätigt fühlen – ich kann ihnen da nicht mal widersprechen.
Ich selbst nutze die Cloud gerne und heftig – in meinem SkyDrive-Account liegen rund 92 Gigabyte, 42.386 Dateien hat der Explorer gerade gezählt. Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass keine einzige davon in irgendeiner Weise einen internen ‚Alarm‘ auslöst? Ich möchte die Antwort wohl lieber nicht wissen.
Man kann der ganzen Geschichte natürlich aus dem Weg gehen, in dem man seine Daten nur noch verschlüsselt ablegt. Dann gingen mir aber die vielen netten „Unterwegs-Funktionen“ verloren, was mir wiederum sehr fehlen würde.

Letztlich kann ich mich nur wiederholen: Was wir brauchen, sind transparente Prozesse und kurze Kommunikationswege, wenn es denn mal zu einem Problem kommen sollte. Betroffene müssen die Möglichkeit haben, schnell und direkt mit einem kompetenten Ansprechpartner zu kommunizieren, um die Angelegenheit zu klären.

Über den Autor

Martin Geuß

Martin Geuß

Ich bin Martin Geuß, und wie unschwer zu erkennen ist, fühle ich mich in der Windows-Welt zuhause. Seit 15 Jahren lasse ich die Welt an dem teilhaben, was mir zu Windows und anderen Microsoft-Produkten durch den Kopf geht, und manchmal ist das sogar interessant. Das wichtigste Motto meiner Arbeit lautet: Von mir - für Euch!

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