Internet: 400Gb oder doch 1Tb pro Sekunde – das ist hier die Frage
Das Institute of Electrical and Electronics Engineers (IEEE) debattiert über neue Netzwerk-StandardsBereits am Montag gab die Gesellschaft IEEE die Zielvorgabe für einen schnelleren Netzwerkstandard heraus. IEEE ist für die weltweite Standardisierung von IT-Technologie zuständig. In festgelegten Verfahren werden alle Netzwerk-relevanten Hard- und Software-Elemente definiert und genormt, an die sich alle Hersteller halten müssen. Das betrifft Steckverbindungen, Kabel, Router, WLAN ebenso wie die dazugehörigen Protokolle und Software-Elemente, mit denen der Datenverkehr durch die Hardware gejagt wird. Bestimmt haben Sie schon irgendwo in einem Handbuch oder auf einem Produkt die Begriffe IEEE 802.3 oder IEEE 802.11 gelesen. Werden Schnittstellen und Geräte nicht nach diesen Standards gebaut und deren Protokolle entwickelt, wird kaum ein Netzwerkverkehr möglich sein. Auch Betriebssysteme, wie Windows oder Linux, müssen sich an diese Vorgaben halten.
Nun geht es bei IEEE um die höhere Geschwindigkeit, mit der ein PC-Benutzer mit der Welt kommunizieren kann. Zur Zeit haben die meisten Laptops und PCs einen Ethernet-Anschluss mit 100Mb/s, vielleicht auch einen mit 1Gb/s, viele PC-Nutzer kennen gar nicht ihre Internet-Geschwindigkeit und die Provider drosseln sie zusätzlich, damit verschiedene Vertragsmodelle greifen können und geringere Kosten für Hardware anfallen. Insgesamt ist das Internet und die Netzwerktechnik heute recht schnell, aber leider noch nicht schnell genug, bedenkt man die Datenfülle, mit der die Menschheit heutzutage über Netzwerke kommuniziert. Irgendwann muss auch die schnellste vierspurige Autobahn verbreitert werden.
Und hier kommt nun das neue Ziel zum Tragen, das sich die Organisation IEEE gesetzt hat. Mindestens 400 Gb/s soll die neue IEEE 802-Norm an Geschwindigkeit bringen – oder vielleicht auch ein sagenhaftes 1Tb/s. Um sich diese Geschwindigkeit einmal vorzustellen: mit 1TB/s könnten Sie innerhalb 1 Sekunde etwa zweieinhalb BluRay-Filme auf die Reise schicken oder herunterladen.
Zwar wird der Endverbraucher von einer solchen Geschwindigkeit nur indirekt profitieren, denn die neue Norm dient eher den großen Internetdiensten und -plattformen wie Google, Facebook und Providern, aber auch Finanzdienstleistungsfirmen. Alle Firmen befürchten einen Kollaps des Internettransfers, wenn keine neue Richtlinien erlassen werden. Die Entwickler bei IEEE stellten fest: “ Beobachten wir die Bandbreite in Abhängigkeit zum Netzwerkverkehr, stellen wir fest, dass sich das Datenaufkommen etwa alle 18 Monate verdoppelt.“ und weiter „Bis 2015 benötigen wir eine Bandbreite, die etwa 10mal so groß ist wie in 2010 und bis 2020 muss sie 100mal so groß sein.“
Nun stellt sich aber die Frage, ob die Zukunfts-Geschwindigkeit mit 400 Gb/s oder doch mit 1 Tb/s festgelegt wird. So ganz einig ist man sich jetzt noch nicht. Beides ist technisch möglich und umsetzbar, aber beide Geschwindigkeiten haben ihre Vor- und Nachteile.
Die Hardwarefirmen, die derzeit an der Entwicklung neuer IEEE-Standards beteiligt sind, favorisieren die 400Gb-Variante, Verbraucher wünschen sich jedoch eine 1Tb-Verbindung. Aber letztlich entscheidet die Wirtschaftlichkeit über den zukünftigen Standard. Während eine Netzwerkverbindung mit 400Gb/s sehr leicht, ohne umfangreiche Weiterentwicklung von Hard- und Software, realisierbar ist, wird ein Internetkabel, das mit 1Tb/s den Datenverkehr abwickeln soll, einen voraussichtlichen Umfang von ca. 5 cm haben, zumindest beim heutigen Stand der Technik – ein Monsterkabel am Laptop? Kupfer-Verbindungen sind sehr viel preiswerter als z.B. die Lichtleitertechnik, aber mit der Glasfaser können viel längere Strecken überbrückt werden. Ein Kupferkabel mit 100Gb/s kann max. 5m lang sein, sonst reißt die Geschwindigkeit rapide ab. Und an Laptops und Netzwerkkarten müssten auch 2 unterschiedliche Schnittstellen vorhanden sein, da nicht überall das Internet über Glasfaser angeboten wird.
Die heutige Standard-Schnittstelle für Netzwerk ist die RJ45-Verbindung, diese kommt aber bei 100Gb/s an ihre Kapazitäts- und somit auch an ihre wirtschaftliche Grenze. Es geht also nicht so sehr um das, was der Verbraucher will, sondern um das, was er bereit ist zu bezahlen. Damit werden die Prioritäten gesetzt, mit denen die IEEE-Organistaion ihre Diskussion um den neuen Netzwerk-Standard fortführen wird.
Zwar wird der Generationenwechsel der 802-Norm sicher nicht die aktuellen und auch nicht die kommenden 3 Serien neuer Hardware betreffen, aber bis 2020 muss der neue IEEE-Standard festgelegt und umgesetzt werden, sonst steht uns vielleicht ein Internet-Kollaps bevor.
„Ich befürchte, das wird ein Hochgeschwindigkeits-Projekt.“ so John D’Ambrosia, Vorsitzender der „IEEE Higher-Speed Ethernet Consensus“ – Gruppe.
Quelle: IEEE
IEEE 802.3 – Report
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