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Die Geister die ich rief: Microsoft plädiert für das Ende der Browserweichen

Mit seinem neuen Windows 10 Browser Edge will Microsoft einen kompletten Neuanfang wagen. Über allem steht die Prämisse, dass Webseiten “einfach nur funktionieren” sollten, egal mit welchem Browser man sie besucht. Darum tut Microsoft alles dafür, dass Edge alle verfügbaren Standards unterstützt, auch die Kompatibilität mit WebKit steht ganz oben auf der Prioritätenliste. Alles, was mit Edge anders funktioniert als mit WebKit, ist grundsätzlich als Bug einzustufen, so Microsoft in einem aktuellen Beitrag auf dem Edge Blog.

Natürlich weiß Microsoft, dass sein neuer Browser nur dann eine Chance bei den Nutzern hat, wenn alle Webseiten damit einwandfrei dargestellt werden. Ist das nicht der Fall, dann interessiert es den Nutzer nicht, ob die Seite selbst oder der Browser dafür verantwortlich ist. Er wird die Seite mit einem anderen Browser testen und wenn damit alles klappt, dann wird er auch bei diesem bleiben.

Was den Egde-Entwicklern besonders zu schaffen macht ist die Tatsache, dass viele Webseiten unterschiedlichen Code ausliefern, je nach dem, welchen Browser sie anhand des User Agent Strings identifizieren. Beim Testen der neuen Edge-Engine sei aufgefallen, dass viele Seiten gezielt für den Internet Explorer optimierten Code ausliefern würden, mit dem Edge dann aber so seine Probleme hat.

In vielen Fällen habe die Anpassung des User Agent Strings genügt, um die Seite in Edge perfekt funktionieren zu lassen. Daher identifiziert sich Edge im Augenblick sozusagen als “ich bin alle Browser”:

Microsoft Edge UA string:
Mozilla/5.0 (Windows NT 10.0) AppleWebKit/537.36 (KHTML, like Gecko) Chrome/42.0.2311.135 Safari/537.36 Edge/12.10136

In Zeiten des modernen Webs sei die Auswertung des User Agents, auch als Browserweiche bekannt, aber gar nicht mehr notwendig, und Microsoft ruft in diesem Blogpost die Webseitenbetreiber dazu auf, damit aufzuhören.

Das hat dann schon etwas von “die Geister, die ich rief”. Denn entstanden ist diese auch von Web-Entwicklern selbst als Unsitte bezeichnete Technik genau in der Zeit, in der Microsoft seine Vormachtstellung ausnutzte und mit dem Internet Explorer seine eigenen Webstandards erfand. Was sie da nun ausbaden müssen, haben sie vor vielen Jahren zumindest mit-verbockt. Insofern ist es ja nur gerecht, dass sie nun auch Diejenigen sind, die für das Verschwinden der Browserweichen an vorderster Front kämpfen müssen.
Viel Erfolg!

Über den Autor

Martin Geuß

Martin Geuß

Ich bin Martin Geuß, und wie unschwer zu erkennen ist, fühle ich mich in der Windows-Welt zu Hause. Seit mehr als 17 Jahren lasse ich die Welt an dem teilhaben, was mir zu Windows und anderen Microsoft-Produkten durch den Kopf geht, und manchmal ist das sogar interessant. Das wichtigste Motto meiner Arbeit lautet: Von mir - für Euch!

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