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Datenschutz-Diskussion zu Windows 10: Geht das vielleicht auch sachlich?

Windows 10 wurde schon vor dem Start von den Medien mit allerlei Vorschusslorbeeren bedacht. So sehr, dass es einem schon beinahe suspekt wurde. Das fiel den Schreiberlingen womöglich auch irgendwann auf. Also musste irgendwas an Windows 10 gefunden werden, was faul ist und aus dem man einen prima Skandal stricken kann. Die Wahl fiel auf die Datenschutzeinstellungen. Irgendwas mit Privatsphäre macht sich immer gut, und wenn die Überschrift nur reißerisch genug ist, dann wird sie auch vorhersehbar gut angeklickt.

Keine Sorge, ich will die Geschichte jetzt nicht als substanzlose Panikmache abtun. Es ist ja schon was dran an dem Vorwurf, dass unser Nutzungsverhalten in zunehmendem Maße überwacht und ausgewertet wird. Darüber zu diskutieren, den großen Firmen auf die Finger zu schauen und zu zeigen, dass einem nicht alles egal ist, ist wichtig und richtig.

Aber was den „Privatsphären-Skandal“ um Windows 10 zum Paradoxon macht, ist folgendes: Ich habe noch keinen Artikel über dieses Thema gelesen, in dem irgendein Journalist im Verborgenen recherchiert und dunkle Geheimnisse gelüftet hätte. Es wird sich überall nur auf die zahlreichen Schalter bezogen, die man in Windows 10 findet, um die Datenschutzeinstellungen zu konfigurieren. Ja, die meisten dieser Schalter stehen von Haus aus auf „Ein“, und darüber darf man durchaus geteilter Meinung sein. Aber ich werfe die provokante Behauptung in den Raum: Wären diese Schalter einfach nicht da und all die Daten würden einfach ungefragt übertragen, dann gäbe es auch keine Artikel über „Datensammelwut“ und „Spionage“ in Windows 10.

Microsoft wird es also zum Verhängnis, dass sie das alles konfigurierbar machen. Hätten sie es mal lieber wie ihre Wettbewerber gehandhabt, die den Kunden in vielen diese Punkte einfach nicht fragen.

Besonders lustig finde ich es übrigens, wenn in dem Zusammenhang die NSA ins Spiel gebracht wird. Wahrscheinlich hat Microsoft Windows 10 extra so gebaut, damit möglichst viele Daten auf einfachem Weg an die staatlichen Schnüffler gelangen. Ich lach mich weg, wie naiv kann man sein? Als würde es für die NSA, wenn sie an meine Daten will, irgendeine Rolle spielen, welches Betriebssystem ich nutze.

Geradezu grotesk finde ich es, wenn die aufgescheuchten Nutzer auf Tools wie „DoNotSpy10“ springen wie der Bulle aufs Gatter. Weil man Microsoft misstraut, gibt man einem Tool, dessen Autor völlig unbekannt ist, Adminrechte auf seinem System. Wer behauptet, etwas gegen Microsoft und für die Prviatsphäre zu tun, dem kann man schließlich aus dem Stand blind vertrauen. Sorry, das ist zu hoch für mich. Es zeigt für mich, dass über derartige Themen leider kaum sachlich nachgedacht wird. Es wird einfach immer nur nachgeplappert.

Ich wollte die reißerischen Überschriften zu dem Thema zuerst kontern und eine Überschrift wie „Windows 10: Das beste System zum Schutz Eurer Privatsphäre“ schreiben, aber das war mir dann doch zu dick aufgetragen und außerdem steht dieses Niveau den anderen besser. Ein bisschen was Wahres ist allerdings dran, denn kein anderes System bietet mir derart viele Optionen, die Übertragung von Daten zu konfigurieren. Wie gesagt, ich will hier nichts schönreden – ob das in Art und Umfang generell so sein muss, ist mehr als diskussionsfähig.

Die Datenschutzeinstellungen in Windows 10 sind trotzdem kein Ausschlusskritierum, im Gegenteil. Für Nutzer, die Wert auf ihre Privatsphäre legen, sind sie ein Grund, auf Windows 10 umzusteigen. Nur dann hat man nämlich überhaupt die Chance zu wählen, welche Daten übertragen und ausgewertet werden und welche nicht.

Über den Autor

Martin Geuß

Martin Geuß

Ich bin Martin Geuß, und wie unschwer zu erkennen ist, fühle ich mich in der Windows-Welt zu Hause. Seit mehr als zwölf Jahren lasse ich die Welt an dem teilhaben, was mir zu Windows und anderen Microsoft-Produkten durch den Kopf geht, und manchmal ist das sogar interessant. Das wichtigste Motto meiner Arbeit lautet: Von mir - für Euch!

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