Am Puls von Microsoft

Windows 10 Mobile kocht weiterhin auf Sparflamme

Die traditionell ungeduldigen Windows Phone Nutzer kritisieren schon längere Zeit, dass es mit Windows 10 Mobile nicht schnell genug voran geht. Im Juli hatte sich Microsoft dazu geäußert und erklärt, man müsse sich ganz auf die Fertigstellung der Desktop-Version konzentrieren, danach werde man sich verstärkt der mobilen Variante widmen. Eine bis dahin durchaus nachvollziehbare Vorgehensweise.

Nun ist Windows 10 (Desktop) seit genau einem Monat auf dem Markt, und in der Zwischenzeit hat es schon wieder zwei frische Builds für das Insider Programm gegeben. Bei Windows 10 Mobile dagegen bleibt es weiterhin recht ruhig. Auf die Build 10166 vom 10. Juli folgte am 12. August die Build 10512, seither herrscht wieder Funkstille.

Auch dafür hatte Gabriel Aul eine auf den ersten Blick plausible Erklärung parat. Via Twitter ließ er wissen, dass ein Bug, den man unbedingt ausmerzen wolle, im Augenblick die Veröffentlichung einer neuen Build verhindert. Windows 10 Mobile lasse sich im Gegensatz zur Desktop-Version nicht patchen, daher könne man nicht die selbe Strategie fahren, eine Build zu veröffentlichen und den Bugfix nachzuschieben. Bei der mobilen Version sei dann wieder eine neue Build vonnöten.

Wie gesagt, das klingt auf den ersten Blick plausibel. Nur glaubwürdig ist es allmählich nicht mehr. Bei der Desktop-Version von Windows 10 hat sich Microsoft nicht gescheut, drei Builds in einer Woche auszugeben, zwei davon binnen 24 Stunden. Und aus den internen Testerkreisen weiß ich, dass auch die mobilen Builds zeitweise in täglicher Frequenz kamen. Es ist also nicht so, dass eine neue Build von Windows 10 Mobile besonderer Vorbereitung bedarf, das ist tägliche Routine für die Entwickler.

Wir können zwar nicht in die Büros der Windows Entwickler schauen, aber man hat einfach nicht das Gefühl, dass bei der Entwicklung von Windows 10 Mobile besonders hoher Druck auf dem Kessel ist. Im Gegenteil, den nächsten Desktop-Meilenstein zu erreichen scheint jetzt schon wieder wichtiger, als die mobile Ausgabe überhaupt auf die Straße zu bringen.

Das ist für Windows Phone Fans ärgerlich, aber wenn man mal einen Schritt zurück tritt und versucht, dass neutral zu betrachten, dann darf bzw. muss man folgende Frage stellen: Wenn man zwei Produkte hat, von denen das eine beliebt und populär und das andere realistisch betrachtet irrelevant ist – worauf sollte man sich als Unternehmen dann konzentrieren?

Am Desktop hat Microsoft mit Windows die Vormachtstellung, diese gilt es zu sichern und auszubauen. Windows Mobile dagegen ist seit mehr als einem Jahrzehnt praktisch bedeutungslos und es gibt keinerlei Anzeichen dafür, dass sich das in absehbarer Zeit ändern wird. Seine Energie in einen aussichtslosen Kampf zu investieren, macht keinen Sinn.

Da Windows 10 als das oft zitierte „One Windows“ an den Start geht, kann man Windows 10 Mobile selbstverständlich nicht einstampfen, das wäre ein zu irritierendes Signal für die gesamte Windows-Plattform. Aber restlos Alles, was Microsoft in den letzten Monaten getan hat, sendet das Signal, dass man einfach nicht mehr daran glaubt, mit Windows auf Smartphones den Durchbruch schaffen zu können. Und so sehr es jedem Windows Phone Fan einen Stich ins Herz geben mag: Es ist nichts Anderes als das Anerkennen der Realität.

Schlussgag: Vielleicht wird ja mit der nächsten Version alles besser…

Über den Autor

Martin Geuß

Martin Geuß

Ich bin Martin Geuß, und wie unschwer zu erkennen ist, fühle ich mich in der Windows-Welt zu Hause. Seit mehr als zwölf Jahren lasse ich die Welt an dem teilhaben, was mir zu Windows und anderen Microsoft-Produkten durch den Kopf geht, und manchmal ist das sogar interessant. Das wichtigste Motto meiner Arbeit lautet: Von mir - für Euch!

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