Am Puls von Microsoft

Eine ganz besondere Geschichte zum 30. Geburtstag von Windows

Windows wird am heutigen 20. November exakt 30 Jahre alt und an vielen Stellen im Netz kann man heute den Lebenslauf des meistgeliebten, meistgehassten und meistverwendeten PC-Betriebssystems nachlesen. Das muss ich an dieser Stelle nicht auch noch tun. Aber ich habe stattdessen eine ganz besondere Geschichte für Euch, die sehr gut zum heutigen Tage passt und die mir von unserem Leser Stephan übermittelt wurde.

Stephan ist einer der Leute, die man ruft, wenn irgendwo etwas nicht funktioniert. “Du kennst Dich doch aus, komm mal bitte vorbei…” Ihr kennt das.

Eines schönen Tages wurde Stephan zu Hilfe gerufen, weil in einem alteingesessenen Handwerksbetrieb der PC streikte und der 78jährige Inhaber völlig verzweifelt war. Seine nur unwesentlich jüngere Schreibkraft war krank geworden und konnte ihn nicht mehr unterstützen. Er suchte daraufhin Ersatz und verlangte in der Stellenausschreibung ausdrücklich nach PC-Kenntnissen. “Aber diese jungen Dinger können den PC heutzutage ja nicht mal mehr einschalten, geschweige denn bedienen” polterte der Senior-Chef unserem Stephan schon bei der Begrüßung entgegen.

Er habe sogar einen PC-Fachmann kommen lassen, aber der hätte nicht mal versucht, etwas in Gang zu bringen, sondern nur gesagt, er solle das alles komplett entsorgen und neu kaufen. Typisch Wegwerfgesellschaft, klagte der Handwerker. Er denke nicht daran, den PC wegzuwerfen, denn schließlich funktioniere er ja grundsätzlich noch und habe außerdem sehr viel Geld gekostet. Und überhaupt, so alt sei das Gerät ja noch gar nicht.

Unserem Stephan schwante bereits, dass die Sache mit dem Alter des Geräts eventuell eine nicht ganz zeitgemäße Einschätzung sein könnte, aber als er dann das Büro betrat, fühlte er sich wie Marty McFly, der am Delorean den falschen Knopf gedrückt hatte. Denn was er erblickte, war das hier:

Diese Wahnsinnsmaschine nennt sich Sirius I, stammt aus dem Jahr 1982 und verfügt über einen Intel 8088 Prozessor mit gigantischen 4,77 Mhz. Der Arbeitsspeicher war mit 128 Kilobyte bereits ab Werk großzügig bemessen, Performance-Puristen konnten ihn aber bis auf ein ganzes Megabyte aufrüsten. Die schier unglaubliche Grafikpower des Sirius 1 ermöglichte eine Auflösung von 800 mal 400 Pixeln. Ob es je einem Käufer gelungen ist, die 10 Megabyte fassende Festplatte zu füllen, ist nicht überliefert. Die Krönung dieser Höllenmaschine war aber zweifellos das doppelläufige 5,25 Zoll Diskettenlaufwerk.

So viel geballte Leistung hat ihren Preis: bis zu 20.000 D-Mark musste man für den Sirius I hinblättern. Da sollte eine Laufzeit von 35 Jahren doch wohl mindestens drin sein, oder?

Da Stephan auch schon eine Weile im Geschäft ist, gelang es ihm tatsächlich, den gar nicht so alten PC wieder zum Leben zu erwecken.

Allerdings musste unser Handwerker dann doch einsehen, dass er vermutlich niemanden mehr finden wird, der an diesem Computer arbeiten möchte. Und so kam er durch ein befreundetes Unternehmen zu einem modernen PC, den nun auch die jungen Leute bedienen können und der sogar ins Internet kann. Der sollte ja nun bis 2040 halten.

Über den Autor

Martin Geuß

Martin Geuß

Ich bin Martin Geuß, und wie unschwer zu erkennen ist, fühle ich mich in der Windows-Welt zu Hause. Seit mehr als 17 Jahren lasse ich die Welt an dem teilhaben, was mir zu Windows und anderen Microsoft-Produkten durch den Kopf geht, und manchmal ist das sogar interessant. Das wichtigste Motto meiner Arbeit lautet: Von mir - für Euch!

Anzeige