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Grotesk: Verbraucherzentrale will wegen Windows 10 "Zwangsdownload" vor Gericht

Immer wenn man denkt, es geht kaum noch alberner, kommt jemand um die Ecke und beweist das Gegenteil: Die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg hat Microsoft abgemahnt, weil die Installationsdateien von Windows 10 ohne ausdrückliche Zustimmung der Nutzer heruntergeladen wurden. Und weil Microsoft auf diese Abmahnung keine Reaktion gezeigt hat, soll der Fall nun vor Gericht geklärt werden.

Ganz grundsätzlich: Es kann eigentlich keine zwei Meinungen geben: Ohne ausdrückliche Zustimmung des Nutzers sollte auf keinem System irgend etwas passieren. Wobei es hier ja aber nur um den Download der Dateien selbst geht, nicht um die Installation – auch wenn in manchen Headlines mit der üblichen Übertreibung von einer Klage gegen das „Zwangsupgrade“ gesprochen wird.

Das Vorgehen von Microsoft ist frag- und diskussionswürdig, meiner Meinung nach sind sie eindeutig zu aggressiv, was das Werben für das Windows 10 Upgrade angeht. Das hatte ich vor einigen Tagen schon in der Meldung über die aufdringlicher werdenden Upgrade-Hinweise geschrieben, die sich komischerweise erst jetzt so richtig verbreitet. Ich hatte das ja auch nur aufgesammelt.

Kritik ist also durchaus angebracht – aber was um alles in der Welt hat dieses Thema vor Gericht zu suchen? Haben wir keine anderen Probleme? Und wer klagt dann gegen das nicht entfernbare Icon der Apple Watch auf dem iPhone? Oder gegen Google als Standardsuchmaschine in Android?

Ich halte das für eine populistisch motivierte Aktion. Die Newsmeldung auf der Webseite der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg hat typische Stilelemente einer Boulevard-Meldung, hier wird aus Geltungssucht Geld verbrannt. Ich bin kein Anwalt, aber juristisch dürfte das Vorgehen kaum angreifbar sein, irgendwo in den AGB steht sicher, dass Microsoft zur Verbesserung der Servicequalität irgendwelche Dateien laden darf – das ist ja immer entsprechend schwammig formuliert.

Also, don’t get me wrong, wie der Süddeutsche sagt: Die Kritik ist berechtigt, dieser kann ich mich in weiten Teilen anschließen. Aber das Vorgehen ist einfach maßlos überzogen.

via Computerbase

Über den Autor

Martin Geuß

Martin Geuß

Ich bin Martin Geuß, und wie unschwer zu erkennen ist, fühle ich mich in der Windows-Welt zu Hause. Seit mehr als zwölf Jahren lasse ich die Welt an dem teilhaben, was mir zu Windows und anderen Microsoft-Produkten durch den Kopf geht, und manchmal ist das sogar interessant. Das wichtigste Motto meiner Arbeit lautet: Von mir - für Euch!

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