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Continuum 2.0: Gamecontroller-Unterstützung, Video-Streaming und noch sehr viel mehr

Continuum ist eines der herausragenden Features von Windows 10 Mobile. Nicht etwa, weil alle Welt es bereits benutzt, sondern weil man da eine Vision erkennt und für die Zukunft noch viel Potenzial vorhanden ist. Mit dem kommenden Anniversary Update kommen allerei Neuerungen für Continuum, und sie sind in der Tat nicht nur für Business-Nutzer interessant. Einiges davon war im Vorfeld schon bekannt oder hatte zumindest als Gerücht die Runde gemacht, aber wir fassen hier der Vollständigkeit wegen nochmal alles zusammen.

Lass uns spielen!
Mit dem Xbox One Controller auf dem Phone am großen Monitor zocken – diese Demo habe ich auf der BUILD ausprobiert. Lumia 950 und der Xbox One Controller hingen am Microsoft Display Dock, mit diesem war auch der Monitor verbunden. Und das hat prima funktioniert. Allerdings muss dieses Feature erst in alle Spiele einprogrammiert werden, es hängt also vom Engagement der Entwickler ab.

Bei den älteren Phones, die kein Continuum unterstützen, „sollte“ es zumindest möglich sein, den Controller direkt mit dem Phone zu verbinden. 100%ig festlegen wollte sich die Dame am Demo-Stand allerdings nicht.

„Dumme Notebooks“ als Erweiterung
Wer die Vorstellung des HP Elite x3 verfolgt hat, der weiß schon, was damit gemeint ist. Für dieses gibt es einen Mobile Extender, der aussieht wie ein ganz normales Notebook, aber keinerlei eigene Intelligenz besitzt – die Rechenleistung kommt alleine vom Phone. Ein weiterer Vertreter dieser Gattung ist das Crowdfunding-Projekt NexDock, und auf der BUILD war ein weiterer Prototyp eines unbekannten Herstellers ausgestellt.

Auch das habe ich ausprobiert und es hat einwandfrei funktioniert.
Der Einwand, dass man da auch gleich sein Notebook mitnehmen kann, ist vollauf berechtigt. Vorausgesetzt, man hat eines. Wenn Continuum aber mal soweit ist, dass es funktional als Ersatz taugt, dann könnte man sich in der Tat überlegen, ob man ein Smartphone und ein Notebook oder eben nur den wesentlich günstigeren Extender kauft. Für Unternehmen, die Hardware in größerer Stückzahl kaufen, kann das aus Kostengründen richtig interessant werden.

4k oder kein 4k?
Wer Continuum an einem großen 4k-Monitor ausprobiert hat, der weiß: So richtig schön sieht das nicht aus, denn die maximale Auflösung liegt aktuell bei 1080p. Das Microsoft Display-Dock kann laut Datenblatt auch nicht mehr, auf der BUILD wurde mir aber gesagt, dass es durchaus in der Lage wäre, 4k zu unterstützen. Der Snapdragon 810 im Lumia 950 XL könnte es theoretisch auch. Gut möglich, dass man hier aus Performancegründen eine Begrenzung gesetzt hat. Eventuell sieht das beim HP Elite x3 ja anders aus.

Per Continuum als Gast auf einem PC
Über diese neue Funktion hatten wir schon einen eigenen Beitrag. Continuum kann auch auf einem normalen PC verwendet werden, und man kann mit dessen Tastatur und Maus arbeiten. Man braucht dafür keine Zugangsdaten, es muss kein Benutzer angemeldet sein.
Allerdings funktioniert das Ganze nur, wenn auch auf dem PC das Anniversary Update von Windows 10 installiert ist. Und das schränkt die Nutzungsmöglichkeiten dann doch wieder ein. Wie so Vieles bei Continuum ist eben auch das ein Zukunfts-Feature.

Mit Azure Remote Apps Desktop-Anwendungen nutzen
Auch dieses Feature war schon bekannt, in einer Continuum-Session auf der BUILD habe ich es dann auch live gesehen. Eine Desktop-Applikation – in diesem Fall war es Visual Studio – war als Kachel auf dem Startbildschirm angeheftet und wurde auf dem großen Bildschirm gestartet. Da die komplette Anwendung aus der Cloud kommt, gibt es hier auch keine Performance-Probleme. Allerdings muss natürlich die Online-Verbindung stabil sein.

Cast API – Mediaplayer auf dem Phone, Film auf dem Bildschirm
Darüber war gemunkelt worden, nun wurde es offiziell vorgestellt: Bisher konnte eine App nur entweder auf dem Phone oder auf dem Monitor gestartet werden, nun kann sie auch beide Displays nutzen, und zwar auf zwei verschiedene Arten. Die erste nennt sich Cast API, hier kann ein Mediaplayer auf dem Phone gestartet werden, das Video wird aber am großen Bildschirm wiedergegeben, während man am Phone weiter in der App stöbern kann. Sehr feine Sache, ich habe allerdings Bedenken hinsichtlich der Performance. Bei Miracast hat man halt immer diese Mini-Ruckler, die einem den Spaß verderben. Vielleicht wird das ja aber nun auch besser.

ProjektionManager API
Die zweite Möglichkeit des Dual-Screens ist dann einfach jene, dass eine App Inhalte über beide Displays verteilen kann. Im Grunde ist es das, was mit Office Remote heute schon möglich ist, nur dass eben nun jeder Entwickler eine App schreiben kann, die das unterstützt.

Wie Ihr seht, kommen da eine ganze Menge Neuerungen für Continuum, und sie sind nicht nur für Business-User interessant. Ein Defizit wird allerdings mit dem Anniversary Update nicht behoben: Weiterhin werden alle auf dem Monitor laufenden Apps suspendiert, wenn man das Phone absteckt – schöner wäre es, wenn die Session gespeichert und beim erneuten Anschließen wiederhergestellt würde. Daran wird auch gearbeitet, hieß es.

Die Vision von Continuum ist klar: Irgendwann soll es so sein, dass ich das Phone wie ein Phone nutze, und sobald ich es mit dem Display Dock verbinde, finde ich dort meinen gewohnten Desktop vor. Dahin geht die Reise, bis zum Ziel wird es aber sicher noch den einen oder anderen Zwischenstopp brauchen.

Über den Autor

Martin Geuß

Martin Geuß

Ich bin Martin Geuß, und wie unschwer zu erkennen ist, fühle ich mich in der Windows-Welt zuhause. Seit 15 Jahren lasse ich die Welt an dem teilhaben, was mir zu Windows und anderen Microsoft-Produkten durch den Kopf geht, und manchmal ist das sogar interessant. Das wichtigste Motto meiner Arbeit lautet: Von mir - für Euch!

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