Microsoft Research kauft große Mengen synthetische DNA als Speichermedium

Das kalifornische Unternehmen Twist Bioscience teilt mit, dass es einen neuen Großauftrag erhalten hat: Microsoft hat eine große Menge synthetisch hergestellter DNA eingekauft, um damit an neuen Speichertechnologien zu forschen. Zehn Millionen „lange Oligonukleotide“ haben die Redmonder eingekauft, um herauszufinden, ob diese das Zeug zum Speichermedium der Zukunft haben könnten.

Die Idee als solche ist gar nicht neu, seit vielen Jahren schon untersuchen Forscher aus aller Welt die Möglichkeiten, Bakterien als Datenspeicher zu verwenden. Man verspricht sich davon eine enorme Sicherheit – DNA vergisst nie – und außerdem eine bisher unvorstellbare Speicherkapazität. Ein einzelnes, mikroskopisch kleines Bakterium kann rund ein Megabyte an Information abspeichern. Das Material, welches Microsoft eingekauft hat, kann rein theoretisch knapp 1 Zettabyte (1 Billion Gigabyte) abspeichern. Je Gramm!

Japanischen Forschern war es vor rund zwei Jahren gelungen, künstliche DNA mit Daten zu füttern und diese in ein äußerst unempfindliches Bakterium einzupflanzen, welches extreme Temperaturen, hohe radioaktive Strahlung, Säurebäder und andere unwirtliche Situationen problemlos überstand (Quelle). Und weil die eigentlichen Informationen ja im Erbgut liegen, werden bei der Replikation der Bakterien auch die Daten dupliziert. Man erhofft sich, dass Daten auf diese Weise quasi unzerstörbar werden, mindestens aber über mehrere tausend Jahre verlässlich gespeichert werden können. Durch spezielle Züchtungen soll gewährleistet werden, dass es bei der Replikation der Bakterien nicht zu Genmutationen und damit zur Veränderung der gespeicherten Informationen kommt.

Noch ist man, wie Twist Bioscience in seiner Ankündigung (via WinBeta) selbst zugibt, Jahre davon entfernt, synthetische DNA produktiv als Speichermedium einzusetzen – und wer weiß, vielleicht wird am Ende ja auch gar nichts draus.

Vielleicht werden wir aber auch beim Speichern von Daten irgendwann nicht mehr von 0 und 1, sondern von A, T, G und C sprechen. Das sind die vier Nukleinsäuren, aus denen sich die Erbgutinformationen zusammensetzen.

Es gilt nicht nur, dies technisch umzusetzen, sondern auch, diese Technologie dann bezahlbar zu machen. Ein Megabyte auf diese Weise zu speichern, kostet aktuell noch mehrere tausend Dollar. Und dafür kann man halt immer noch eine Menge Festplatten und Strom einkaufen. Nichtsdestotrotz ist das Thema hochspannend und faszinierend.

Artikel im Forum diskutieren (27)

Über den Autor
Martin Geuß
  • Martin Geuß auf Facebook
  • Martin Geuß auf Twitter
Ich bin Martin Geuß, und wie unschwer zu erkennen ist, fühle ich mich in der Windows-Welt zu Hause. Seit mehr als zwölf Jahren lasse ich die Welt an dem teilhaben, was mir zu Windows und anderen Microsoft-Produkten durch den Kopf geht, und manchmal ist das sogar interessant. Das wichtigste Motto meiner Arbeit lautet: Von mir - für Euch!
Nach oben