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Activision-Übernahme: Britische Kartellwächter erhalten reichlich Fanpost

Activision-Übernahme: Britische Kartellwächter erhalten reichlich Fanpost

Die britische Wettbewerbsbehörde CMA ist derzeit dabei, die geplante Übernahme von Activision durch Microsoft einer gründlichen Prüfung zu unterziehen. Als Teil dieses Verfahrens hatte man die Öffentlichkeit aufgefordert, ihre Meinung per E-Mail zu äußern. Jetzt liegt das (für mich) überraschende Ergebnis vor.

In meinem Beitrag Die spinnen, die Briten: Kartellwächter rufen zur „Volksabstimmung“ über Activision-Übernahme hatte ich mich bereits über die Sinnlosigkeit dieser „E-Mail Abstimmung ausgelassen“, denn es ist die Aufgabe solcher Behörden, objektiv über Sachverhalte zu entscheiden, bei denen die öffentliche Meinung eben keine Rolle spielen sollte.

Das Ergebnis hat mich allerdings überrascht, denn es gibt nun mal deutlich mehr Sony- als Xbox-Fanboys (und -girls), und daher hatte ich damit gerechnet, dass sich eine klare Mehrheit gegen die Übernahme aussprechen würde. Das Gegenteil ist eingetreten, laut CMA haben sich 75 Prozent der Leute, die per E-Mail ihre Meinung geäußert haben, für den Deal ausgesprochen.

Insgesamt hat die CMA nach eigener Aussage 2.600 E-Mails erhalten. Das ist ein interessantes Stimmungsbild, aber selbstverständlich kein repräsentatives Ergebnis. Rund 500 E-Mails mussten aussortiert werden, weil sie von außerhalb Großbritanniens kamen, nicht auf Englisch waren oder „missbräuchliche Inhalte“ hatten.

Die Argumente, die für und gegen die Übernahme ins Feld geführt wurden, kennen wir bereits, in vielen Punkten ist es die Wiederholung der Argumente, die Microsoft und Sony ebenfalls schon mehrfach vorgetragen haben.

Argumente, die für die Übernahme genannt wurden:

  • Sony und Nintendo sind stärker als Microsoft bei Konsolenspielen, und die Fusion wird Microsoft helfen, besser gegen sie zu konkurrieren
  • Der Zusammenschluss wird konkurrierenden Konsolen nicht schaden, da Microsoft öffentliche und private Verpflichtungen eingegangen ist, Activision-Inhalte, einschließlich Call of Duty, nicht exklusiv zu halten. Die Verfügbarkeit von Minecraft auf konkurrierenden Konsolen zeigt, dass Microsofts kommerzielle Strategie nicht darin besteht, Spiele exklusiv zu machen.
  • Es unwahrscheinlich ist, dass Microsoft Call of Duty aufgrund seines Multiplayer-Charakters exklusiv machen würde. Call of Duty exklusiv für Xbox zu machen, würde nur eine Marktlücke schaffen, die durch ein konkurrierendes plattformübergreifendes Shooter-Spiel gefüllt werden könnte.
  • Call of Duty hat Konkurrenz zu einer Reihe anderer Spiele, darunter Battlefield (Electronic Arts), Grand Theft Auto (Take Two) und FIFA (Electronic Arts)
  • Die Fusion wird Sony zu Innovationen drängen, z. B. durch die Verbesserung seines Abonnementdienstes oder die Entwicklung von mehr Spielen, um mit Call of Duty zu konkurrieren
  • die Fusion ist eine Reaktion auf Sonys Geschäftsmodell für PlayStation, das in der Vergangenheit die Sicherung exklusiver Inhalte oder den frühen Zugang zu beliebten plattformübergreifenden Spiele-Franchises wie Final Fantasy und Silent Hill beinhaltete
  • Die Pläne von Microsoft, Call of Duty zum Game Pass hinzuzufügen, sind wettbewerbsfördernd und werden den Preis für den Zugang zu Spielen für Verbraucher senken
  • Microsoft würde die Inhalte von Activision nach der Fusion nicht exklusiv für Xbox bereitstellen, da es erhebliche potenzielle Einnahmen von konkurrierenden Plattformen verlieren würde
  • Verbraucher könnten zum Kauf von Spielen auf Buy-to-Play-Basis zurückkehren, wenn Microsoft den Preis für Game Pass nach der Fusion erhöhen würde
  • die Fusion wird zu mehr Finanzierung und qualitativ hochwertigeren Spielen in der Branche führen
  • Der Zusammenschluss wird es Microsoft ermöglichen, Activision eine bessere Beratung und Führung zu bieten und das Unternehmen zu ermutigen, mehr in andere Spiele als Call of Duty zu investieren
  • Der Zusammenschluss ist wettbewerbsfördernd im Mobilfunksegment, da er neue Optionen für mobile Spieler schafft und es Microsoft ermöglicht, mit Google und Apple, den beiden dominierenden mobilen Plattformen, zu konkurrieren
  • Der Zusammenschluss wird keine wettbewerbsrechtlichen Bedenken bei Cloud-Gaming-Diensten hervorrufen, da es andere potenzielle Wettbewerber wie Netflix gibt
  • einige Branchenteilnehmer haben erklärt, dass sie nicht gegen den Zusammenschluss sind.

Argumente, die gegen die Übernahme angeführt wurden:

  • Microsoft ist bereits dominant bei PC-Betriebssystemen, und diese Fusion ist ein Versuch, eine ähnliche Position im Gaming-Bereich zu erlangen
  • Microsoft verfügt über die Ressourcen, um ein Angebot zu erstellen, das mit PlayStation-Exklusivangeboten konkurriert, ohne Activision zu erwerben
  • Die Fusion würde zu einer Konsolidierung führen und einen schädlichen Präzedenzfall in der Spielebranche schaffen, indem große Publisher übernommen werden, anstatt organisches Wachstum zu fördern.
  • Dies wäre die größte Fusion in der Geschichte des Gamings würde den Weg ebnen für eine mögliche Reihe zukünftiger Übernahmen von Publishern wie Take Two, EA und Ubisoft, wodurch die Konzentration auf dem Markt erhöht würde.
  • Microsoft wird Call of Duty exklusiv für Xbox anbieten, genau wie bei Bethesda nach der Übernahme von ZeniMax Media
  • Microsoft wird den Anreiz haben, Call of Duty nach der Fusion exklusiv für Xbox zu machen. Dies wird sich nachteilig auf Spieler auswirken, die sich keine zusätzliche Konsole leisten können und daher beim Start der nächsten Konsolengeneration auf Xbox umsteigen würden.
  • Microsoft wäre in der Lage, die Qualität von Call of Duty-Spielen auf PlayStation nach der Fusion zu verschlechtern, was dazu führen könnte, dass Verbraucher zu Xbox wechseln
  • Microsoft kann den Markt für Multi-Game-Abonnements nach der Fusion erobern, da es sich leisten kann, Spiele mit Verlust zum Game Pass hinzuzufügen
  • Microsoft ist bereits dominant im Cloud-Gaming, und die Fusion könnte die Zukunft neuer Marktteilnehmer in diesem Bereich beeinflussen.
  • Die Fusion wird Marktzutrittsbarrieren für kleinere Studios und unabhängige Entwickler schaffen
  • Die Fusion wird zu einer Stärkung der Verhandlungsmacht von Microsoft in Bezug auf Spieleverlage führen

Sind wir jetzt schlauer als vorher? Eher nicht.

 

Über den Autor

Martin Geuß

Martin Geuß

Ich bin Martin Geuß, und wie unschwer zu erkennen ist, fühle ich mich in der Windows-Welt zuhause. Seit 15 Jahren lasse ich die Welt an dem teilhaben, was mir zu Windows und anderen Microsoft-Produkten durch den Kopf geht, und manchmal ist das sogar interessant. Das wichtigste Motto meiner Arbeit lautet: Von mir - für Euch!

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