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Activision-Übernahme wird in Großbritannien intensiver untersucht: Sony freut sich

Activision-Übernahme wird in Großbritannien intensiver untersucht: Sony freut sich

Die geplante Übernahme von Activision durch Microsoft wird von der britischen Wettbewerbsbehörde CMA einer tiefergehenden Prüfung unterzogen. Das kommt ebenso wenig überraschend wie die Freude bei Sony über diesen Schritt.

Dass die Competition and Markets Authority eine solche eingehende Untersuchung einleiten wird, war abzusehen, denn man hatte an Microsoft und Activision einen Fragenkatalog übergeben und ihnen gerade mal fünf Tage Zeit für eine Antwort gegeben, um besagte Untersuchung noch abzuwenden. Da darf man schon unterstellen, dass die Frist ganz bewusst so knapp gesetzt wurde. Microsoft hat diese Frist dann auch ohne weitere Reaktion verstreichen lassen.

Sony ist erwartungsgemäß erfreut über diesen Schritt, wie man gegenüber Gameindustry.biz zu Protokoll gab. Dort wird eine Stellungnahme von Sony wiefolgt zitiert:

„Wenn Microsoft die Kontrolle über Activision-Spiele wie Call of Duty erhält, hätte dieser Deal erhebliche negative Auswirkungen auf die Spieler und die Zukunft der Spieleindustrie. Wir möchten garantieren, dass PlayStation-Spieler weiterhin das beste Spielerlebnis haben, und wir schätzen den Fokus der CMA auf den Schutz der Spieler.“

Die Stellungnahme ist durch ihre Zweideutigkeit unabsichtlich klar: Sony geht es womöglich gar nicht um „Gleichbehandlung“, sondern sie möchten sicherstellen, dass PlayStation-Spieler bei Call of Duty nach wie vor im Vorteil sind, wie das jetzt aufgrund diverser Vereinbarungen mit Activision der Fall ist. Ich könnte mir außerdem vorstellen, dass Sony auf Einschränkungen seitens der Kartellwächter drängt, die es Microsoft beispielsweise untersagen würden, Call of Duty in den Game Pass zu integrieren.

Das wiederum wäre für Microsoft ein Schlag ins Kontor und würde den Deal weit weniger wertvoll machen. Vielleicht hält Sony die Zusagen von Microsoft, Call of Duty weiterhin gleichberechtigt auf der PlayStation anzubieten, ja genau aus diesem Grund für unzureichend – weil sie gar keine Gleichberechtigung wollen (Hintergründe dazu auch hier: Activision-Übernahme: Sony bezeichnet Microsofts Beteuerungen zu Call of Duty als scheinheilig).

Gameindustry.biz zitiert im Artikel einen Beitrag aus der Financial Times, der allerdings ein Abo erfordert. Darin wird aus Insiderkreisen berichtet, dass auch die EU eine sehr gründliche Prüfung der Übernahme einleiten wird. Alles andere wäre auch eine Überraschung gewesen.

Grundsätzlich stehe ich, wie schon mehrfach geäußert, durchaus auf der Seite der Skeptiker. Ich bin Abonnent des Xbox Game Pass, und selbstverständlich fände ich es cool, wenn ich alle Spiele dieser Welt für 13 Euro monatlich auf PC und Xbox spielen könnte. Gleichzeitig ist mir aber auch klar, dass solche Angebote durchaus eine für den freien Markt ungesunde Größe entwickeln können.

Dass die Behörden bei einem Deal dieser Größenordnung nun ganz genau hinschauen, zumal es mutmaßlich nicht der letzte große Zukauf sein wird, ist objektiv betrachtet richtig. Allerdings müssen am Ende wirklich neutrale Regelungen getroffen werden – wenn nur die Interessen eines bestimmten Konkurrenten geschützt werden, haben die Behörden ihren Job nicht richtig gemacht.

Über den Autor

Martin Geuß

Martin Geuß

Ich bin Martin Geuß, und wie unschwer zu erkennen ist, fühle ich mich in der Windows-Welt zuhause. Seit 15 Jahren lasse ich die Welt an dem teilhaben, was mir zu Windows und anderen Microsoft-Produkten durch den Kopf geht, und manchmal ist das sogar interessant. Das wichtigste Motto meiner Arbeit lautet: Von mir - für Euch!

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