Android auf dem Tablet: Ein persönliches Zwischenfazit

Android auf dem Tablet: Ein persönliches Zwischenfazit

Betrachtet man aktuell den Markt für klassische Tablets, führt mittlerweile kein Weg mehr am iPad vorbei. Apple hat seine eigene Hardware in den vergangenen Jahren konsequent weiterentwickelt, während Google nach einem kurzen Versuch, Chrome OS als Nachfolger von Android für dortige Tablets zu pushen, weitgehend aus der Optimierung für diese Geräteklasse zurückgezogen hat. Trotzdem ist Android mit OEMs wie Samsung, Huawei/Honor, Acer, Lenovo, Medion und Amazon – Fire OS ist bekanntlich ein Android-Derivat – weiterhin eine zentrale Größe, was die Tablets betrifft.

Nachdem mein iPad Air im vergangenen September das Zeitliche gesegnet hat, bin ich aus verschiedenen Gründen zu Samsung gewechselt und habe ein Galaxy Tab A 10.1 (2019) als Nachfolger geholt. Meine persönlichen Anforderungen an ein Tablet sind relativ niedrig, auch das iPad Air war schon immer eher ein Entspannungs- als ein Produktivgerät. Meine ersten Eindrücke hatte ich euch damals schon in diesem Beitrag niedergeschrieben. Das ist nun zehn Monate her, also genug Zeit, um mal ein persönliches Zwischenfazit zu ziehen.

Grundlegendes

Eine der wichtigsten Fragen bei Android betrifft natürlich immer seiner Achillesferse: Wie gut versorgt Samsung die günstigeren Geräte mit den entsprechenden Sicherheitsupdates? Generell habe ich mir keine Illusionen gemacht und bin schon von Beginn an davon ausgegangen, dass Samsung mein Tablet nur quartalsweise mit den entsprechenden Patches versorgt. Tatsächlich war Samsung dabei sogar oftmals schneller und hat neue Updates bereits nach anderthalb bis zwei Monaten bereitgestellt. Außerdem wurde das Upgrade auf Android 10 zusammen mit zwei anderen Tablets bereits zwei Monate früher als geplant angestoßen und ist bei mir mittlerweile auch eingetroffen.

Was die Performance betrifft, reißt das Galaxy Tab A 10.1 (2019) natürlich keine Bäume aus. Generell sind wir Europäer hier etwas im Nachteil, weil Samsung das hiesige Modell nur mit einem hauseigenen Exynos-Prozessor und 2 statt 3 GB Arbeitsspeicher ausgestattet hat. Trotzdem reagiert das Tablet bei mir in den allermeisten Fällen angenehm schnell. Wirkliche Hänger oder andere Erscheinungen dieser Art hatte ich trotz der geringeren Arbeitsspeichers gegenüber der internationalen Version eigentlich nie.

Dass es gerade ein Tablet in dieser Preisklasse geworden ist, hatte vor allem zwei zentrale Gründe. Zum einen hat sich das iPad Air zu einem Zeitpunkt verabschiedet, wo ein Ersatz noch nicht geplant und das Geld eigentlich schon für andere Ausgaben gebunden war. Eigentlich war der Plan, das iPad Air noch bis einige Monate in 2020 rein weiter zu benutzen, was aufgrund der Sicherheitsupdates für iOS 12.4 ja problemlos vertretbar gewesen wäre, und in diesem Jahr in aller Ruhe den Nachfolger zu holen. Das hatte sich im September erledigt und so ging es auch darum, das Beste aus der damaligen Situation zu machen. Zum anderen war es zu dem Zeitpunkt auch so, dass ich mir allgemein Gedanken über mein technisches Setup gemacht hatte und viele Entscheidungen noch offen waren.

Alltag mit Android

Der Markt für klassische Tablets ist mittlerweile eine undankbare Aufgabe und die Situation ist in diesem Jahr auch unabhängig von der Coronakrise nochmal schlechter geworden. Die Dominanz von Apple mit dem iPad ist das Eine und sie ist ehrlicherweise auch nicht unverdient. Mittlerweile sind wir hier aber auch an einem Punkt, wo Apple sein Ökosystem nicht nur weiter verschließt, sondern das iPad mit dem jungen iPadOS auch zu einem perfekten Hybriden zwischen macOS und iOS weiterentwickelt, was sich von seinen Wurzeln immer mehr emanzipiert. Genau hier haben Google und Microsoft einfach geschlafen.

Google hätte eine bessere Technologie für Tablets im eigenen Haus, was auch viele Probleme von Android zumindest in diesem Bereich beheben könnte. Chrome OS könnte nicht nur mit direkten Updates vom Entwickler punkten, sondern es wurde auch viel Zeit und Energie in eine neue Tablet-Oberfläche gesteckt und neben den Progressive Web Apps wäre auch die Nutzung von Android-Apps im Notfall weiterhin möglich. Konkrete Ergebnisse im Massenmarkt hat das aber bisher nicht gebracht. Bei Microsoft sind die Probleme dagegen altbekannt: Windows 10 selbst ist kein richtig geeignetes Tablet OS und die Sache wäre hier frühestens mit Windows 10X wieder interessanter geworden. Mit der neuen Strategie sind wir für den Consumer wieder bei den altbekannten Einschränkungen von Windows 10 Mobile und selbst die Möglichkeit, Progressive Web Apps über Edge nutzen zu können, behebt die Mängel höchstens zum Teil.

Somit bleibt Android als die Option übrig, die zumindest die geringsten Nachteile mit sich bringt. Was die Sache aber noch zusätzlich verkompliziert, ist das Handelsembargo der USA. Tablets von Huawei und Honor sind technisch durchaus attraktiv und die Updatepolitik der beiden – mein 2016 erschienenes Honor 5C hatte noch im Februar 2020 ein größeres Update bekommen – gehört zu den besten, die ich unter Android kenne. Ohne den Google Play Store fehlt aber der Zugriff auf den wesentlichen App Store und selbst mit einer Kombination der AppGallery mit dem Amazon Store, F-Droid und möglichen Progressive Web Apps fängt man das nur teilweise auf. Zudem könnte der Bannstrahl jederzeit auch Lenovo, seine deutsche Tochter Medion und möglicherweise auch Acer treffen. Somit schrumpft die sichere Bank beim normalen Android mehr oder weniger auf Samsung zusammen.

Was taugt Android heute auf einem Tablet?

Was die eigentliche Nutzung von Android auf einem Tablet betrifft, ist es aber immer noch besser als der Ruf, der ihm wegen dem mangelnden Engagement von Google mittlerweile vorauseilt. Die allermeisten Apps sind immer noch gut bis (teilweise) sehr gut für die größeren Formfaktoren optimiert, wenn man nicht zwingend einen alternativen Launcher installieren und nutzen möchte. Gerade Samsung hat mit seiner hauseigenen OneUI auch eine Oberfläche geschaffen, die sich auf den eigenen Tablets auch gut bedienen lässt.

Meine eigenen Anforderungen, die an ein Gerät zum Entspannen eh nicht besonders hoch sind, kann ich außerdem auch mit Android problemlos erfüllen. Sicherlich checke ich so auch meine E-Mails, recherchiere mal oder habe einen wichtigen Stream oder unseren Teams-Chat von Dr. Windows so im Auge, aber der überwiegende Großteil sieht eben doch anders aus: kurz mal im Internet surfen, Musik hören, einen Podcast hören, einen Anime, Film oder Serie schauen, einen Manga lesen und auch mal ein kleines Spiel wie Pokémon Shuffle zocken. Diese und ähnliche Sachen gehören zum Kern, was ich mit meinem Tablet erledige. Größere Aufgaben sehen definitiv anders aus.

Mehr sollte man von einem klassischen Tablet in der heutigen Zeit in meinen Augen aber auch nicht mehr erwarten. Selbst bei Apple bekommt man den Eindruck, dass es das iPad und iPadOS mittlerweile eher als Konkurrent zu Chrome OS und Windows 10(X) positionieren möchte, um im Bildungsmarkt weiter zu punkten. Was darüber ist, ist schon im Land der Convertibles, und was sich darunter befindet, wurde durch die immer größeren Smartphones und die kommenden Foldables immer mehr ersetzt und an den Rand gedrängt. Klassische Tablets nach bisheriger Definition könnten also bald den Pfaden der Netbooks und PDAs folgen und zu einem aussterbenden Dinosaurier mutieren.

Schlusswort

Offen gesagt habe ich den Griff zum Samsung Galaxy Tab A 10.1 (2019) absolut nicht bereut, bin mir aber auch bewusst, dass ich nur sehr leichte Einsatzszenarien abbilde. Wer wirklich nach einem produktiven Gerät zum Arbeiten sucht, ist bei Apple, Microsoft und Googles Chrome OS besser aufgehoben. Android kann zwar Vieles, stößt bei sowas trotz der Bemühungen von Samsung bei den Tablets in meinen Augen aber an seine Grenzen. Außerdem merkt man, dass Tablets für Android mittlerweile nur noch Geräte zweiter Klasse sind, auch wenn die Optimierung der Apps in vielen Fällen immer noch ordentlich ist. Der Fokus bei Android liegt dann doch klar auf den Smartphones, wofür Your Phone von Microsoft unter anderem ein gutes Beispiel ist.

Persönlich plane ich aber auf lange Sicht, mich von dem Tablet als Steuerzentrale unabhängiger zu machen und größere Veränderungen an meinem technischen Setup vorzunehmen. Das Ganze hängt auch damit zusammen, dass ich mich stärker von Google lösen will (ich war nie der große Google-Freund) und unter anderem noch ein Chromecast an meinem Fernseher hängt, der über Google Home gesteuert und eingerichtet wird. Zum Teil soll sich das vom Tablet vollständig aufs Smartphone verlagern, zum Teil schaue ich zum Beispiel beim Gaming auch auf Nintendo mit der Switch und auf Microsoft mit der Xbox und kann mir ansonsten zum Beispiel auch eine Teilmigration zu anderen Anbietern wie Amazon vorstellen. Absolut spruchreif ist hier aber noch nichts.

Fakt ist: Wenn ich mir nochmal ein klassisches Tablet für solche leichten Aufgaben zur Entspannung holen möchte, hätte ich kein Problem, auch weiterhin zu Android zu greifen. Sobald es um echte Produktivität geht, gibt es für mich ohnehin nur ein Betriebssystem und das ist selbstverständlich Windows. Umgekehrt habe ich in Microsoft zumindest derzeit aber nicht (mehr) das Vertrauen, dass bei Windows 10X in der Richtung für mich etwas Geeignetes zur Entspannung bei rauskommt. Progressive Web Apps können in Sachen Usability noch lange nicht alles auffangen, und bei den UWP-Apps müsste Microsoft wieder wesentlich mehr in den Store investieren, was sie mit Sicherheit nicht tun werden. Dass es neben Windows einen weiteren Player gibt, ist für mich dahingehend also absolut sinnvoll.

Artikel im Forum diskutieren (25)

Über den Autor
Kevin Kozuszek
  • Kevin Kozuszek auf Twitter
Seit 1999 bin ich Microsoft eng verbunden, daneben schlägt mein Herz aber auch für die OpenSource-Welt, wo mein besonderes Interesse der Mozilla Foundation gilt. Wenn ich mich mal nicht mit Technik beschäftige, tauche ich gerne in die japanische Kultur mit all ihren Facetten ab oder widme mich einem meiner zahlreichen anderen Hobbies.
Nach oben