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Arbeiten mit Samsung DeX – der zweite Kontakt

Arbeiten mit Samsung DeX - der zweite Kontakt

Mit Windows 10 Mobile und den 950er Lumias hat Microsoft vor nicht ganz zwei Jahren Continuum aus der Taufe gehoben und die Funktion mit dem Slogan „Das Smartphone, das wie dein PC arbeitet“ beworben. Es war seinerzeit ein echtes Alleinstellungsmerkmal – geholfen hat es, wie wir alle inzwischen wissen, leider nichts. Es war für mich von Anfang an eine Frage der Zeit, wann ein anderer Hersteller dieses Konzept aufgreifen und unter Android zum Leben erwecken wird. Wenn das passiert, so war meine damalige Prognose, werden wir eine rasante Adaption erleben und uns umso verzweifelter fragen, was aus Windows 10 Mobile hätte werden können.

Seit dem Frühjahr 2017 gibt es einen „Nachbau“ von Continuum. Samsung DeX heißt er und funktioniert mit dem Galaxy S8 und S8+ sowie der DeX Station, die als optionales Zubehör erhältlich ist. Die UVP liegt bei 149 Euro, der Straßenpreis ist inzwischen auf knapp 80 Euro gefallen, was man durchaus als Indiz für geringes Interesse seitens der Kunden werten darf.

Ganz vorne dabei in der Liste der DeX-Unterstützer: Microsoft. Direkt zum Verkaufsstart waren die Office Suite, Skype und OneDrive für die Verwendung mit DeX optimiert. Wollte Microsoft etwa Samsung dabei unterstützen, möglichst viele Geräte zu verkaufen? Mitnichten, sie wollten nur optimal darauf vorbereitet sein, dass das Konzept durchzündet und der Zug nicht ohne sie abfährt.

Ich konnte es nicht erwarten, DeX auszuprobieren, und hatte Anfang Mai die Gelegenheit dazu. Knapp drei Monate später wird es Zeit für einen zweiten Check: Hat sich DeX spürbar weiterentwickelt? Ist das Softwareangebot gewachsen? Und wie fühlt sich der zweite Kontakt insgesamt an?

Beginnen wir mit der Software. Damit Android-Apps perfekt mit DeX funktionieren, müssen sie für den Desktop-Modus optimiert werden. Innerhalb von DeX gibt es einen eigenen Store, in dem man diese Apps findet. Der zweite Blick in diesen Store zeigt: Das Angebot ist größer geworden, aber nicht in dem Maße, wie ich das erwartet hätte. Es ist noch so überschaubar, dass man es in diesem Artikel komplett auflisten kann, ohne den Rahmen zu sprengen:

  • Microsoft Word
  • Microsoft Excel
  • Microsoft PowerPoint
  • OneDrive
  • Skype
  • Wunderlist
  • Hancom Office
  • TripAdvisor
  • Shazam
  • Deezer
  • ES File Explorer
  • Photo Editor MG
  • eBay
  • Evernote
  • New York Times
  • Groupon Browser
  • Amazon WorkSpaces
  • Craigslist+

Spiele

  • Cloud Raiders
  • The Tribez

Interessant: Von den 18 Apps, die für DeX optimiert sind, stammen sechs, also ein Drittel, von Microsoft. Nicht aufgezählt sind hier Browser, Dateimanager, Mail-Client und einige Samsung-Apps, die natürlich ebenfalls für DeX optimiert sind.

Der große Vorteil gegenüber Continuum: Die Apps, die nicht angepasst sind, funktionieren trotzdem. Die Einen mehr, die Anderen weniger gut – aber sie lassen sich starten und nutzen, noch dazu im Fenster-Modus, so dass DeX sehr viel mehr nach einem echten Windows aussieht als Continuum mit Windows 10 Mobile.

Ich erinnere mich an meinen ersten Test nicht gut genug, um sagen zu können, ob die Nutzung der Apps, die DeX nicht offiziell unterstützen, grundsätzlich besser geworden ist, oder ob es sich für mich nur so anfühlt. Seinerzeit schrieb ich, dass es ok ist, ich aber keinesfalls meinen Arbeitstag in diesem Modus verbringen möchte. Das stimmt grundsätzlich immer noch, aber ich kam bei meinem zweiten Ausflug zu DeX immerhin so viel besser klar, dass ich sagen würde: Wenn es sein müsste, würde es gehen.

Was dem DeX-Konzept weiterhin das Genick bricht ist der Umstand, dass das Galaxy S8 entweder Phone oder PC-Ersatz sein kann, aber nicht beides zugleich. Sobald das Telefon in der DeX Station steckt, ist es „tot“ und man kann ohne Headset nicht mal einen Anruf tätigen. Ein kurzes Entnehmen aus der Station hat weiterhin den vollständigen Verlust der Session zur Folge, alle geöffneten Programme werden geschlossen. Außerdem kämpfe ich mit einem Bug: Nach dem Ende der DeX-Session skaliert die Anzeige nicht mehr korrekt und die Icons auf dem Bildschirm sind nur noch 2mm groß. Abhilfe schafft nur ein Neustart. Ob dafür das S8+ oder der Arrow Launcher verantwortlich sind, vermag ich nicht zu sagen, unschön ist es in jedem Fall.

Was bleibt festzuhalten?
Auch ohne hellseherische Fähigkeiten kann man davon ausgehen, dass Microsofts eventueller „Reboot“ seiner mobilen Plattform in jedem Fall mit einem verbesserten Continuum-Modus zu tun haben wird. Hausaufgaben haben die Redmonder zur Genüge, und wie es scheint, besteht nach wie vor die Chance, sich in Position zu bringen. Auch Samsung DeX legt keinen Raketenstart hin und entwickelt sich bis jetzt gemächlich weiter, außerdem scheint das Konzept insgesamt noch keinen Anklang bei einer breiten Masse zu finden. Es ist eine Nische, aber auch das Besetzen solcher Nischen kann ein Erfolg sein. Microsoft kann mit Continnum durchaus noch die Führung übernehmen, aber dafür müssen sie, wie man bei uns sagt, ordentlich „die Hose wackeln lassen“.

Nochmal zurück zu DeX: Die Frage, ob das Galaxy S8 mit der DeX Station einen PC ersetzen kann, lässt sich weiterhin leicht mit Nein beantworten. Zumindest, wenn man PC-Nutzer ist. Bei der jüngeren Generation, die das Smartphone als primäres Gerät verwendet und die sich nur in Notfällen an den PC setzt, kann das DeX-Konzept den Windows-PC allerdings schon jetzt gefährlich Nahe an den Rand der Bedeutungslosigkeit drängen.

Über den Autor

Martin Geuß

Martin Geuß

Ich bin Martin Geuß, und wie unschwer zu erkennen ist, fühle ich mich in der Windows-Welt zuhause. Seit 15 Jahren lasse ich die Welt an dem teilhaben, was mir zu Windows und anderen Microsoft-Produkten durch den Kopf geht, und manchmal ist das sogar interessant. Das wichtigste Motto meiner Arbeit lautet: Von mir - für Euch!

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