Arbeitskollege und Spielkamerad: Das Razer Blade Stealth 13 im Test

Arbeitskollege und Spielkamerad: Das Razer Blade Stealth 13 im Test

Das erste Gaming Ultrabook der Welt – so hat Razer im September das Razer Blade Stealth 13 vorgestellt. Ich hatte mir das Gerät auf der IFA angeschaut und wollte unbedingt ein Testgerät haben. Glücklicherweise hat mir Razer eines zur Verfügung gestellt, das mir nun für einige Zeit Gesellschaft leisten durfte.

Gaming Laptops sind in aller Regel alles andere als mobil. Dem Blade Stealth 13 sieht man auf den ersten Blick allerdings überhaupt nicht an, dass es eine echte Power-Maschine ist. Das Razer-Logo auf dem Deckel lässt es erahnen, und spätestens wenn man es umdreht und die Lüfter an der Unterseite entdeckt, weiß man: Hier steckt ordentlich Power drin.

Razer Blade Stealth 13

Wie viel? Das verraten uns die technischen Daten:

  • Display: mattes 13,3 Zoll FullHD-Display (alternativ: 4k Gorilla Glas mit Multitouch),  100% sRGB
  • CPU: Intel Core i7-1065G7
  • Grafik: Intel Iris Plus Graphics / NVIDIA GeForce GTX 1650 Max-Q, 4 GB GDDR5 VRAM
  • RAM: 16 GB
  • SSD: 512 GB PCIe M.2
  • Wi-Fi 6, Bluetooth 5.0
  • Anschlüsse: 2 x USB 3.1 Type A, 1 x USB-C 3.1, 1 x USB-C 3.1 inkl. Thunderbolt 3, 3,5 mm Audio
  • Webcam: 720p
  • IR-Kamera für Windows Hello
  • Maße: 304,6x210x15,3 mm
  • Gewicht: 1,42 bis 1,48 kg
  • Preis: 1.999 Euro mit FullHD-, 2.199 Euro mit 4k-Display

Sondermodell in Mercury White

Razer bietet noch ein Modell in der Farbe „Mercury White“ mit reduzierten Spezifikationen an. Hier gibt es nur die integrierte Intel Iris Plus Grafik und eine 256 GB große SSD, das FullHD-Display ist die einzige Option und das Netzteil liefert nur 65 Watt gegenüber 100 Watt beim schwarzen Modell. Ansonsten sind die Spezifikationen gleich. Mit 1.679 Euro ist es deutlich günstiger.

Razer Blade Stealth

Klare Kante

Beginnen wir mit den Äußerlichkeiten: Das Gehäuse des Blade Stealth ist aus einem Stück Aluminium gefräst und fühlt sich selbstredend äußerst hochwertig an. Die scharfen Kanten sind offenbar ein Teil der Designsprache und das sieht auch wirklich toll aus. Vor allen Dingen im „Schoßmodus“, wenn die Hände nur auf dem Gehäuse aufliegen, fühlt sich das nach einer Weile allerdings etwas unangenehm an.

Die Verarbeitung ist tadellos, und obwohl das Gehäuse wirklich wie aus einem Stück wirkt, ist es das nicht. Die Unterseite lässt sich nämlich durch das Lösen von insgesamt zehn Schrauben abnehmen (was ich mich bei Testgeräten aber dennoch nicht traue). Man kann so die großen Lüfter regelmäßig von Staub reinigen, vor allen Dingen aber bei Bedarf die SSD tauschen bzw. aufrüsten. Der RAM ist allerdings fest verlötet.

Den „kann man es mit einer Hand öffnen?“-Test besteht das Razer Blade Stealth 13 mit Bravour. Dass ein schwarzes Gehäuse ein wahrer Fingerabdruck-Magnet ist, muss man an dieser Stelle eigentlich nicht mal erwähnen, das sollte bekannt sein. Selbstverständlich sollte der Besitzer eines solchen Geräts, der großen Wert auf Ästhetik legt, immer ein Mikrofasertuch griffbereit haben.

Razer Blade Stealth 13

Erst die Arbeit, dann das Vergnügen

Das Razer Blade Stealth 13 will beides sein: Ein kompaktes Ultrabook für den mobilen Arbeiter, aber eben auch eine leistungsfähige Maschine, falls man unterwegs zocken oder ein Video rendern möchte.

Beginnen will ich mit der Einschätzung, wie gut es sich mit dem Razer Blade Stealth 13 arbeiten lässt. Für ein Standard-Office-Szenario ist das Gerät ja reichlich überdimensioniert, was aber durchaus Annehmlichkeiten mit sich bringt. Nach dem Hochfahren ist das Blade Stealth binnen weniger Sekunden einsatzbereit und dank Windows Hello ist man auch sofort eingeloggt. Anwendungen starten blitzschnell und auch ansonsten „klebt“ das System dem Nutzer quasi an den Fingern.

Touchpad und Tastatur

Das Touchpad ist eine Wucht. Es fasst sich wunderbar an, agiert sehr präzise und zeigt sich reaktionsfreudig. Das muss bei einem Gaming-Notebook wohl auch so sein, hat beim Arbeiten aber mitunter unangenehme Nebeneffekte wie beispielsweise versehentlich ausgelöste Klicks. Ich hatte das Gerät drei Wochen lang im Einsatz und hatte gehofft, ich würde mit der Zeit sensibler werden, diese Hoffnung hat sich aber leider nicht erfüllt. Mit 11 mal 7,5 cm ist das Touchpad äußerst großzügig dimensioniert. Gleichwohl wird man zum Spielen sicherlich lieber ein Maus verwenden.

Wenn wir über die Tastatur sprechen, dann können wir Arbeit und Spiel nicht strikt trennen. Das integrierte Razer Choma Keyboard leuchtet in 16,8 Millionen Farben. Über die mitgelieferte Software Synapse mit dem integrierten Razer Chroma Studio sind den Beleuchtungseffekten quasi nur durch die Kreativität des Nutzers Grenzen gesetzt. Die Helligkeit lässt sich stufenlos über die Software oder über Hardware-Tasten einstellen.

Der Druckpunkt der Tasten ist angenehm, laut Datenblatt sind es exakt 63 Gramm Druck, die man aufbringen muss. Das Schreibgefühl ist mit dem des Surface Laptop 3 nahezu identisch – ich wüsste nicht, ob ich mit verbundenen Augen einen Unterschied ausmachen könnte. Es schreibt sich jedenfalls prima auf dem Razer Blade Stealth. Mit einer Ausnahme, die mich zwar massiv gestört hat, die man dem Gerät aber letztlich nicht anlasten kann. Ein Gaming-Notebook braucht selbstverständlich vollwertige Cursor-Tasten, was wiederum bedeutet, dass die Shift-Taste kleiner ausfallen muss. Ich weiß nicht, wie oft ich statt Shift die nach-oben-Taste erwischt habe, was mir natürlich erst auffiel, nach dem ich das nächste Wort geschrieben hatte. Aber das ist vermutlich Übungssache, irgendwann hat man das drin.

Cursortasten am Razer Blade Stealth 13

Nettes Detail: Der Power Button befindet sich oben rechts auf der Tastatur, was ihn anfällig für versehentliche Betätigung macht. Damit das nicht passiert, hat Razer den Auslösedruck fast verdoppelt (120 Gramm) sowie eine Reaktionsverzögerung von 300 ms eingebaut. Ich habe versucht, das versehentliche Drücken zu simulieren, und in der Tat ging das Gerät dabei nicht ein einziges Mal aus. Davon dürfte sich Microsoft beim Surface Laptop gern eine Scheibe abschneiden.

Beinahe überflüssig zu erwähnen: Selbstverständlich verfügt die Tastatur des Razer Blade Stealth 13 über Anti-Ghosting.

Sound

Werfen wir nun einen Blick – oder besser gesagt ein Ohr – auf den Klang. Leider ist das für mich einer der wenigen Schwachpunkte am Razer Blade Stealth. Nicht nur, dass der Sound ein wenig blechern klingt, die vier integrierten Lautsprecher sind allesamt nach vorne bzw. nach oben gerichtet. Bewegt man sich mit den Händen über die Tastatur, was sowohl beim Spielen als auch beim Schreiben logischerweise ständig passiert, hat das eine permanente Veränderung des Klangbilds zur Folge, was äußerst störend wirkt. Für immersiven und intensiven Sound werden Spieler vermutlich ohnehin zu einem Headset oder zu externen Lautsprechern greifen, die sie ganz klassisch über die 3,5mm Audio-Buchse anschließen können, insofern fällt dieser Schwachpunkt in der Praxis wohl nicht zu sehr ins Gewicht. Nichtsdestotrotz geht das definitiv besser.

Akkulaufzeit

„Bis zu zehn Stunden“ lautet die offizielle Angabe von Razer, und ihr ahnt es selbstverständlich schon: In der Praxis kann dieser Wert nicht erreicht werden. Bei der Nutzung als „Office Laptop“ kommt man allerdings durchaus in die Nähe, sieben bis acht Stunden sind bei einem Mix aus Surfen, Mails schreiben, Dokumente bearbeiten und nebenher noch ein bisschen Musik hören durchaus drin.

Beim Spielen liegt die Laufzeit deutlich niedriger und fällt je nach Spiel unterschiedlich aus, einen echten Mittelwert kann ich da nicht nennen. Ich würde schätzen, dass man bei leistungshungrigen Games wie beispielsweise Gears 5 auf eine Laufzeit von 2-3 Stunden kommt.

Nachteilig fand ich zunächst, dass die mitgelieferte Software „Razer Synapse 3“ es nicht erlaubt, im Akkubetrieb den Gaming-Modus zu aktivieren. Ich dachte: Wenn sich der Nutzer dafür aber bewusst entscheiden möchte, sollte man ihm das auch erlauben. Dann aber las ich Daniels Testbericht zum Omen X 2S, das bei Höchstleistung den Akku in weniger als einer Stunde leer saugt. Vielleicht ist es doch besser, die Nutzer vor einem solchen Erlebnis zu schützen.

Positiv bemerkenswert: Zwischendurch lag das Gerät mal vier Tage unbenutzt herum. Als ich es wieder aufklappte, war es binnen Sekunden aus dem Standby aktiviert und setzte einen zuvor begonnenen Download augenblicklich fort.

Das mitgelieferte 100 Watt-Netzteil lädt das Razer Blade Steahlth in weniger als zwei Stunden voll auf, es hat außerdem genügend Power, um den Akku auch während einer aktiven Spiele-Session zügig zu laden. Das hat man ja leider auch schon anders gesehen, hier ist aber alles im grünen Bereich.

Lasst uns spielen

Forza Horizon 4 auf dem Razer Blade Stealth 13

Nun wird es aber endlich Zeit für ein wenig Spaß und die Frage: Wie gut zockt es sich auf dem Razer Blade Stealth? Für echte Hardcore-Zocker wird vielleicht schon das kleine 13 Zoll-Display ein Ausschluss-Kriterium sein, aber dieses Gerät soll ja ein Ultrabook sein und ist dementsprechend ein Kompromiss.

Forza Horizon 4 läuft in FullHD in höchster Detailstufe jedenfalls absolut flüssig mit 60 FPS, so lange sich das Gerät im Gaming-Modus und damit am Stromnetz befindet. Im Akkubetrieb sind immer noch alle Details erlaubt, dann sind aber nur noch 30 FPS möglich.

Gears 5 macht mit den Textur-Einstellungen „hoch“ ebenfalls keine Probleme und sieht auch prima aus. Hier würde man sich dann aber in der Tat öfter mal einen größeren Bildschirm wünschen. Das matte FullHD-Display spiegelt selbstverständlich kaum, beim Spielen fehlt es dann aber im wahrsten Sinne des Wortes ein wenig an „Glanz“.

Gears 5 auf dem Razer Blade Stealth 13

Ein Benchmark-Ergebnis kann ich leider nicht liefern, denn 3D Mark weigerte sich hartnäckig, die NVIDIA GeForce GTX 1650 Max-Q in den Benchmarks anzusprechen, obwohl sie korrekt erkannt wurde. Dementsprechend waren auch die Ergebnisse nichts wert.

Mitgelieferte Software Razer Synapse 3

Die Software Razer Synapse 3 ist die Kommandozentrale. Hiermit lassen sich alle Sonderfunktionen wie die Razer Chroma Beleuchtung steuern, man kann verschiedene Leistungsmodi auswählen, die Lüftergeschwindigkeit steuern und noch so Einiges mehr. Außerdem kann man Makros aufzeichnen, Profile für verschiedene Spiele hinterlegen und eigene Tastenkürzel definieren.

Apropos Lüfter: Im „Normalbetrieb“, also so lange man nicht spielt, sind diese praktisch nie wahrnehmbar. Beim Spielen drehen sie natürlich auf und dann kann es natürlich auch laut auf dem Schreibtisch werden.

Fazit

Würde ich das Razer Blade Stealth 13 einem Hardcore-Zocker empfehlen? Wohl eher nicht, für solche ist es aber auch nicht gemacht. Am ehesten eignet sich das Gerät meiner Meinung nach für Leute, die sowohl ein zuverlässiges Arbeitspferd als auch einen „Spielkameraden“ suchen, die also sehr viel mobil arbeiten und im Hotelzimmer, im Flieger oder im Zug aber auch gerne mal eine Runde zocken und dabei möglichst wenig Kompromisse machen wollen. Ich wüsste kein vergleichbares Gerät, welches diesen Spagat aktuell besser hin bekommt.

Über den Autor
Martin Geuß
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Ich bin Martin Geuß, und wie unschwer zu erkennen ist, fühle ich mich in der Windows-Welt zu Hause. Seit mehr als zwölf Jahren lasse ich die Welt an dem teilhaben, was mir zu Windows und anderen Microsoft-Produkten durch den Kopf geht, und manchmal ist das sogar interessant. Das wichtigste Motto meiner Arbeit lautet: Von mir - für Euch!

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Kommentare
  1. Kann man das Gerät für flüssiges Arbeiten mit Lightroom, Photoshop, Illustrator, etc. empfehlen?
    Bin nämlich auf der Suche nach einem kompakten und leichten Notebook, auf dem ich ohne "Leistungsbeschwerden" arbeiten kann :)
    Hallo und willkommen :hallo
    Ich habe das explizit nicht getestet, aber ich wüsste nicht, warum es da Probleme geben sollte, Leistung ist ja auf jeden Fall vorhanden. Je nach Größe des Projekts könnten die 16 GB Arbeitsspeicher vielleicht zum Flaschenhals werden.
    Mein Hauptproblem mit Notebooks ist die Lüfterlautstärke. Da freut mich die Beschreibung hier. Aber wie sieht es im Gaming-Betrieb aus?
    Ich möchte vor allem gemütlich am Sofa, im Bett, ... spielen, sofern das Spiel es erlaubt (sprich: Controller Unterstützung hat). Mit meinem bisherigen ist das aber kein Spaß - dafür ist der Lüfter zu Laut. Das ist schon am Schreibtisch mit externen Lautsprechern bei ruhigen Szenen ein Problem.
    Einer der Gründe übrigens, weshalb ich mir trotz Vorliebe für PC-Spiele einen Switch zulegen will, und mich derzeit aufs iPad verlegt habe.
    Wenn dem Gerät Leistung abverlangt wird, dann produziert es Wärme und dann drehen die Lüfter auf. Für mich lag das noch im Rahmen, aber da ist es gefährlich, ein Urteil zu fällen, weil die Lärm-Schmerzgrenze individuell sehr unterschiedlich ist.
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