Bessere Spiele und Rückbesinnung auf die Konsole: Die Ziele der neuen Xbox-Chefin Asha Sharma
Asha Sharma heißt die neue starke Frau an der Spitze von Microsofts Gaming-Sparte. In ihrer Antrittsrede in Form eines Rundschreibens an die Belegschaft formuliert sie ihre Ziele. Dabei scheint auch Kritik an der scheidenden Führung durch.
Für viele Xbox-Gamer war die Nachricht am späten Freitagabend ein Schock: Phil Spencer verlässt Microsoft, seine rechte Hand Sarah Bond geht ebenfalls. Zwölf Jahre stand Spencer an der Spitze, stieg in dieser Zeit zum „CEO Microsoft Gaming“ auf. Xbox ohne Spencer? Schwer vorstellbar.
Auf den ersten Schock folgte der zweite: Seine Nachfolgerin ist Asha Sharma. Asha wer? Ja, so ging es mir auch, ich hatte den Namen nie zuvor gehört. Wo kommt die denn eigentlich her? Aha, aus Microsofts KI-Sparte. Ausgerechnet!
Xbox-Community reagiert geschockt und frustriert
Wenn ich mir die Reaktionen im Netz so anschaue, decken sie sich mit meinen eigenen Emotionen. Spencer geht, eine KI-Managerin kommt. Gute Nacht, Xbox. Die Quereinsteigerin ohne Gaming-Erfahrung wird sicher zunächst noch mehr sparen und noch mehr Leute hinauswerfen, um die angestrebten 30 Prozent Gewinnmarge zu erreichen. Anschließend wird das Ökosystem mit KI vollgestopft und am Ende wundert man sich dann, dass von dem Laden nichts mehr übrig ist.
Derartige Befürchtungen sind nachvollziehbar, beinahe die logische Folge dessen, was sich in den vergangenen Monaten rund um die Xbox abgespielt hat. Die Community fühlte sich mehr und mehr zurückgelassen, gedanklich schien Microsoft die Konsole bereits beerdigt zu haben.
Die Zeit war reif
Bei allem Respekt vor den Leistungen von Phil Spencer, ohne den es die Xbox-Sparte möglicherweise nicht mehr gäbe. Er war der hauptverantwortliche Manager in dieser Zeit, in der die Stimmung in der Xbox-Community zunehmend schlechter wurde. Eine klare Zukunftsstrategie ist aktuell nicht erkennbar. Ob er wirklich freiwillig geht, oder ob es wie so oft ein mit schönen Worten maskierter Rauswurf ist, erfahren wir vielleicht noch. Festzuhalten bleibt: Das Schiff hat Schlagseite. Die Zeit für einen Wechsel und für frischen Wind war reif.
Asha Sharma hat eine Chance verdient
Ist Asha Sharma die richtige Person, um das Schiff Xbox wieder auf Kurs zu bringen? Ein Blick in ihre Vita fördert keine Gaming-Erfahrung oder -Expertise zutage. Dennoch: Wie jeder Mensch, der einen neuen Job antritt, hat sie eine faire Chance verdient. Sie muss sich an ihren Taten und Ergebnissen messen lassen.
In ihrer Nachricht an die Microsoft-Belegschaft formuliert Sharma drei Prinzipien, nach denen sie handeln möchte.
Spiele
Die Entwicklung erfolgreicher Spiele steht (logischerweise) an oberster Stelle. Die neue Chefin verspricht, die Studios zu stärken und Risiken einzugehen, um „unvergessliche Spiele“ zu entwickeln. Xbox-Urgestein Matt Booty wird in diesem Zug zum „Executive Vice President“ befördert und übernimmt bei der Entwicklung von Spielen eine noch größere Verantwortung als bisher.
Die Rückkehr der Xbox
Der wohl interessanteste Teil ist jener, in dem Sharma von der „Rückkehr der Xbox“ spricht. Damit ist sowohl eine Rückbesinnung auf die Stärken der Konsole gemeint, als auch eine Erneuerung des Bündnisses mit den „Core Xbox Fans“, also dem Herz der Community.
Die Expansion auf PC, Mobilgeräte und Cloud möchte Sharma selbstverständlich weiter vorantreiben. Die Botschaft an die „Ureinwohner“ des Xbox-Ökosystems an dieser Stelle lautet aber: Wir haben Euch nicht vergessen und holen Euch wieder ab. Das ist in weichgespülter Form harte und direkte Kritik an ihrem Vorgänger.
Die Zukunft des Gaming
In ihrem Blick auf die nähere und fernere Zukunft adressiert Sharma unmittelbare Bedenken, die mit ihrer Ernennung einhergehen.
Man werde neue Geschäftsmodelle entwickeln, aber keinesfalls werde man versuchen, die Spieler zu „melken“, um kurzfristig finanziellen Erfolg zu haben. Ebenso werde man das Ökosystem nicht mit „seelenlosem KI-Müll“ fluten, sondern stattdessen weiterhin auf die Kreativität der Menschen setzen.
Die Xbox ist 25 Jahre alt. Die nächsten 25 Jahre werden denen gehören, die mutig und ausdauernd genug sind, großartige Inhalte zu liefern. Noch einmal holt Sharma hier zu einem fast schon unverhohlenen Tiefschlag aus, indem sie schreibt, sie möchte zu dem verloren gegangenen Spirit zurückkehren, der einst die Basis für den Erfolg der Xbox legte.
Vielleicht werden wir überrascht
Schöne Worte sind schnell geschrieben. Selbst wenn Asha Sharma alles genau so meint, wie sie es sagt, so muss sie sich doch den Zwängen und Vorgaben des Mutterschiffs Microsoft unterwerfen. Phil Spencer sagt man nach, dass es ihm immer wieder gelungen ist, Satya Nadella für seine Ideen zu begeistern. Da dürfte es seine Nachfolgerin ungleich schwerer haben.
Nachdem ich meinen ersten Schreck verdaut habe, sage ich: Lassen wir sie doch einfach mal machen. Vielleicht überrascht sie uns am Ende sogar.
Zugegeben, als Xbox-Fan hat man aktuell nicht sehr viele Gründe, euphorisch in die Zukunft zu schauen. Aber genau daraus kann man auch Gelassenheit schöpfen und die kommenden Entwicklungen einfach auf sich zukommen lassen.
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Über den Autor

Martin Geuß
Ich bin Martin Geuß, und wie unschwer zu erkennen ist, fühle ich mich in der Windows-Welt zu Hause. Seit mehr als 19 Jahren lasse ich die Welt an dem teilhaben, was mir zu Windows und anderen Microsoft-Produkten durch den Kopf geht, und manchmal ist das sogar interessant. Das wichtigste Motto meiner Arbeit lautet: Von mir - für Euch!



