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Billige Microsoft-Lizenzen im Einzelhandel: Aufklärung fehlgeschlagen

Billige Microsoft-Lizenzen im Einzelhandel: Aufklärung fehlgeschlagen

In schöner Regelmäßigkeit besprechen wir an dieser Stelle supergünstige Lizenzkeys für Windows oder Microsoft Office, und mein Rat ist immer gleich: Finger weg. Zwar wird niemand deswegen juristische Schwierigkeiten bekommen und der drohende finanzielle Verlust ist überschaubar, dennoch ist und bleibt es eine Grauzone.

Wenn ich das Thema aufgreife und davor warne, darf ich mich immer auf besondere Fanpost freuen. Zum letzten Mal habe ich im August über die billigen Lizenzen bei Edeka berichtet und daraufhin eine E-Mail mit ein paar wirklich originellen Beleidigungen erhalten. Vielleicht schreibe ich darüber ja irgendwann mal ein Buch.

Ich würde mich wie viele andere Leute sehr darüber freuen, wenn dieses Thema endgültig und eindeutig geklärt werden könnte. Darum habe ich mich gefreut, als heute in meinem Feedreader die Schlagzeile „Einwandfrei: Microsoft-Schnäppchen aus dem Supermarkt“ aufpoppte. In  der Einleitung verspricht der heise-Redakteur: Wir konnten den Nebel lichten.

Um es kurz zu machen: Der Artikel löst sein Versprechen nicht ein, versucht aber krampfhaft, den vom Autor erwünschten Ausgang irgendwie herbeizureden. Geklärt wird überhaupt nichts. Das fiel wohl auch der Redaktion irgendwann auf, das „Einwandfrei“ wurde später aus der Überschrift entfernt, im Feedreader aktualisiert sich das aber nicht, daher sieht man dort immer noch das Original.

Artikel Windows Lizenzen

Enthüllt hat der verhinderte Aufklärungsjournalist überwiegend Fakten, die wir schon kannten: Für die bei Edeka verkauften Lizengo-Gutscheine bekommt man technisch funktionierende Lizenzschlüssel, die auch Microsoft nicht eindeutig als gültig oder ungültig klassifizieren kann. Dass Microsoft vor diesen Angeboten warnt und sie für illegal hält, gleichzeitig aber ganz offensichtlich keine Handhabe dagegen hat, ist ebenfalls schon bekannt. Dass sich weder München noch Redmond motiviert fühlten, ihren Teil zur erhofften Aufklärung beizutragen, ist nun wirklich keine Überraschung.

Für mich neu war allerdings die Information, dass Lizengo sogenannten MAKs vertreibt. MAK steht für „Multiple Activation Key“, das heißt es stecken hinter einer Seriennummer beispielsweise 50 Lizenzen. Es erhalten also mehrere Käufer den selben Schlüssel, und wenn man als Käufer weiß, dass es sich um einen MAK handelt, könnte man diesen auch mehrfach einsetzen. Das wäre natürlich ein Lizenzverstoß, aber hey, wen interessiert das schon? Lizengo juckt es jedenfalls nicht, sie geben zwar an, über jeden Key genauestens Buch zu führen, aber wenn bei einem Kunden etwas nicht funktioniert, dann bekommt er unbürokratisch einen neuen. Lebenslange Garantie, was soll da also noch schief gehen? Bezieht sich aber halt leider nicht auf euer Leben, sondern auf das der Firma.

Ich mag hier den guten Willen nicht absprechen. Man hat sich bemüht, den Sachverhalt zu klären, und es hat leider nicht funktioniert. Das kann und sollte man dann aber auch so darstellen, stattdessen wird deutlich suggeriert, dass man als Kunde bedenkenlos zugreifen könne. Man wirbt in dem Artikel sogar mit einem Foto für den „repräsentativ wirkenden Firmensitz“ der Firma Lizengo. Was immer das zur Aufklärung beitragen soll…

Kollege Günter Born beschäftigt sich schon sehr lange und intensiv mit der Thematik. Während ich hier nur an der Oberfläche kratze, hat er die Sachverhalte detailliert analysiert und aufbereitet – nehmt gerne den Beitrag von heute als Einstieg, um euch einzulesen, wenn ihr es genauer wissen wollt. Das Fazit von Günter ist jedoch das gleiche: Für Käufer von solchen Billig-Keys gibt es weder Rechts- noch sonst irgendeine Sicherheit. Wenn der Key nicht mehr funktioniert und es den Verkäufer nicht mehr gibt, ist das Geld futsch, und dafür ist dann jeder Euro zu schade.

Ich schrieb das schon im letzten Beitrag: Ich bin bei diesem Thema weder Microsofts Anwalt noch Hilfssheriff. Wer bei diesen Angeboten zugreifen will, bitte sehr. Ich will nur, dass meine Leser die Risiken kennen.

Über den Autor

Martin Geuß

Martin Geuß

Ich bin Martin Geuß, und wie unschwer zu erkennen ist, fühle ich mich in der Windows-Welt zu Hause. Seit mehr als zwölf Jahren lasse ich die Welt an dem teilhaben, was mir zu Windows und anderen Microsoft-Produkten durch den Kopf geht, und manchmal ist das sogar interessant. Das wichtigste Motto meiner Arbeit lautet: Von mir - für Euch!

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