BrowserGate: Microsoft und LinkedIn der Industriespionage und mehr beschuldigt – Update 1
Es sind heftige Vorwürfe, die der Fairlinked e.V. als Vertretung kommerzieller Nutzer und Unternehmen gegenüber Microsoft und seinem sozialen Netzwerk LinkedIn erheben: Neben der massenhaften Verletzung bei personenbezogenen Daten und der Weitergabe an Dritte ohne Zustimmung der Nutzer geht es um Industriespionage, Diebstahl von Geschäftsgeheimnissen und Täuschung der EU-Kartellbehörden. Basis ist die eigene Recherche BrowserGate, die auch erste juristische Konsequenzen hat.
Wie immer gilt die Unschuldsvermutung, solange es keine rechtskräftigen Urteile gibt, nach denen die Taten der Beschuldigten als erwiesen angesehen werden. Konkret soll LinkedIn bei jedem Besuch der Seite den Browser nach mittlerweile weit über 6.200 Erweiterungen aus den unterschiedlichsten Kategorien scannen. Die genaue Liste könnt ihr an dieser Stelle durchsuchen. Neben dem arbeitsrechtlichen Status geht es hierbei laut der Recherche um Geschäftsgeheimnisse, religiöse Überzeugungen, Behinderungen, Neurodivergenz und ähnliche Besonderheiten, als auch politische Meinungen wie „anti-Musk’sche“, „anti-woke“ oder „anti-jüdische“ Einstellungen.
LinkedIn soll hierüber nichts in seinen Datenschutzbestimmungen hinterlegt haben und zudem noch die Kartellbehörden der EU, die das Netzwerk als Gatekeeper nach dem Digital Markets Act eingeordnet haben, täuschen. Parallel dazu werden die erhobenen Daten an Dritte wie die amerikanisch-israelische Sicherheitsfirma HUMAN Security übermittelt und weitere Skripte von Google oder LinkedIns eigenen Servern fürs Fingerprinting ausgeführt. Fairlinked wertet dies jedenfalls als eine der größten Spionageoperationen der modernen Geschichte, die Microsoft hier ausführen soll.
Den Fall selbst wollen wir an dieser Stelle nicht bewerten, das ist Sache der Gerichte. Allgemein dürften solche Beschuldigungen für Microsoft, die sich aktuell wieder um mehr Vertrauen der Europäer bemühen und wegen Aktionen wie die gegen den Internationalen Strafgerichtshof sowieso mit skeptischen Augen beobachtet werden, zur absoluten Unzeit kommen. Hier geht es schließlich nicht zuletzt auch um richtig viel Geld.
Nachfolgend binde ich euch nochmal die Metacheles-Folge vom gestrigen Sonntag ein, die Sascha Pallenberg hierzu gemacht hat und wo er das Ganze gut zusammenfasst.
Update vom 14. April: Die Kollegen bei Golem haben weitere Details zusammengetragen. So hat Bleeping Computer besagte Praktiken nach eigenen Ermittlungen bestätigt, während LinkedIn selbst die Recherche von Fairlinked e.V. als Schmierenkampagne bezeichnet und das eigene Vorgehen als notwendige Sicherheitsmaßnahme gegen invasive Praktiken wie Scraping verteidigt. Derweil wird erwartet, dass die EU-Kommission in den nächsten Tagen eigene Ermittlungen ankündigen wird. Der Strafe aus dem Jahr 2024 in Höhe von 310 Millionen Euro könnte also eine noch deutlich höhere Summe folgen.
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- Microsoft
Über den Autor

Kevin Kozuszek
Seit 1999 bin ich Microsoft eng verbunden und habe in diesem Ökosystem meine digitale Heimat gefunden. Bei Dr. Windows halte ich euch seit November 2016 über alle Neuigkeiten auf dem Laufenden, die Microsoft bei seinen Open Source-Projekten und Microsoft Edge zu berichten hat. Beiträge über Mozilla, Europas Digitalwirtschaft und inklusive Informatik runden meinen Bereich ab.


