Chefdesigner Ralf Groene im Gespräch über Surface Book 2, Laptop und demokratisches Produktdesign

Chefdesigner Ralf Groene im Gespräch über Surface Book 2, Laptop und demokratisches Produktdesign

Am Mittwoch dieser Woche waren Panos Panay und Ralf Groene von Microsoft in Hamburg, um das Surface Book 2 zu präsentieren und in entspannter Atmosphäre ein wenig aus dem Nähkästchen zu plaudern. Am Donnerstag hatte ich dann noch die Gelegenheit, mit Ralf Groene, dem Chefdesigner jeglicher Microsoft-Hardware, ein rund einstündiges Gespräch zu führen.

Mein primäres Interesse galt natürlich dem neuesten Produkt, dem Surface Book 2, und im Speziellen der 15-Zoll-Version, die ich euch hier in einem ersten Hands on gezeigt habe. Meine Frage nach der Verfügbarkeit in Deutschland wurde zwar nicht offiziell beantwortet, aber wenn ihr in den verlinkten Artikel schaut, werdet ihr trotzdem schlauer werden.

Außerdem wollte ich wissen, warum nur das 15-Zoll-Modell über die wesentlich leistungsfähigere Nvidia GTX 1060 verfügt. Hatte das technische Gründe, oder war es einfach nur Produkt-Strategie, um auch leistungsmäßig eine klare Grenze zwischen den beiden Modellen zu ziehen? Laut Groene ist Letzteres der Fall. Die 15-Zoll-Version wird explizit als Power-Maschine beworben und sollte sich demnach auch deutlich vom kleineren Modell abheben.

Warum das Surface Book kein 360-Grad-Scharnier hat

In meiner Wunschliste für das Surface Book 2 hatte ich wenige Tage vor der Präsentation einige Punkte aufgezählt, die ich mir vom neuen Modell erhoffe. Die meisten haben sich tatsächlich erfüllt, das dort ebenfalls aufgezählte 360-Grad-Scharnier aber wurde nicht realisiert. Ich wollte wissen, warum das so ist. Ralf Groene dazu: „Was mir an den 360-Grad-Notebooks nicht gefällt, ist der Umstand, dass beim Umklappen des Displays die Tastatur plötzlich außen ist und auf dem Tisch liegt. Das sieht nicht ästhetisch aus und fühlt sich auch komisch an. Das hat etwas von einer Wendejacke“. Da kommt dann in der Tat der Künstler zum Vorschein, und auch wenn ich ein solches Scharnier praktisch gefunden hätte, so kann ich auch einer solchen Argumentation durchaus folgen. Man ist einfach der Meinung, eine solche Funktion „steht“ dem Surface Book nicht.

Surface Connector wird noch lange bleiben

Ebenfalls auf meiner Wunschliste stand ein USB-C Port. Nicht, weil ich ihn brauche, sondern damit die Diskussion aufhört. So ähnlich hat man das auch bei Microsoft gesehen, die Begeisterung für USB-C hält sich auch bei Groene nach wie vor sichtbar in Grenzen. Dass ein solcher Port auf jeden Fall nur zusätzlich zum Surface Connector eine Option ist, stand beim Surface Book 2 außer Frage. „Auf den Surface Connector sind wir stolz, und darum wird der auch so schnell nicht verschwinden.“

Surface Book 2 mit LTE? Vielleicht

In dieser Woche wurde das Surface Pro mit LTE offiziell angekündigt. Auf meine Frage, ob man auch beim Surface Book 2 mit einem solchen Modell rechnen dürfe, entgegnete Groene sowohl viel- als auch nichtssagend: Wir schauen immer auf die Nachfrage und prüfen entsprechende Optionen“.

Ralf Groene über das Surface Laptop

Weil ein Surface Laptop auf dem Tisch stand, sprachen wir auch über dieses Gerät und dessen besondere Oberfläche, den Alcantara-Bezug. Dies zu realisieren, sei laut Groene äußerst schwierig gewesen, denn man wollte unbedingt einen nahtlosen Übergang zwischen Metall und Stoff schaffen. Ein umlaufender Rahmen, der den Stoff einfasst, hätte das Vorhaben erheblich erleichtert, stand aber aus optischen Gründen nicht nur zu Diskussion. Der Designer-Stolz auf das Surface Laptop mit dem Alcantara-Bezug und dem quasi unsichtbaren Scharnier war Ralf Groene deutlich anzumerken.

Design gegen Technik – wie oft gibt das Zoff?

Als Außenstehender habe ich mich schon oft gefragt: Wie oft „knallt“ es eigentlich in der Surface-Entwicklung, weil die Designer eine tolle Idee haben, die von den Technik-Ingenieuren dann wieder kassiert wird? Es hat mich daher überrascht, dass dies laut Ralf Groene wirklich nur selten der Fall ist, weil man immer ein gemeinsames Ziel verfolge: „Am Ende müssen Produkte heraus kommen, die auch funktionieren. Was nützt mir zum Beispiel ein superdünnes Gerät, wenn ich keinen ordentlichen Tastenanschlag mehr habe?“

Überhaupt läuft die Entwicklung bzw. das Design sehr viel demokratischer ab, als ich mir das vorgestellt hatte. „Natürlich gibt es einen Lead, und jemanden, der Entscheidungen trifft“, sagt Groene dazu. Aber im Grunde ist das Design ein kreativer Prozess, in den die Ideen aller Mitarbeiter einfließen und wo es auch schon mal ein wenig „chaotisch“ zugehen kann.

Nicht jede Idee wird dabei auf Hochglanz poliert, im Gegenteil. Die ersten Modelle eines neuen Produkts sehen laut Groene meistens „ganz schrecklich“ aus. So bestand das erste Modell des Surface aus ein paar Plastikteilen, die mit Klebeband notdürftig zusammen geflickt wurden. „Wenn du in diesem Stadium schon ein gutes Gefühl hast, dann weißt du, dass es ein gutes Produkt wird“ sagt Groene dazu. Und auch wenn es vom ersten Prototypen bis zum finalen Produkt viele Entwicklungsschritte sind, so gibt es dennoch auch immer wieder Änderungen in buchstäblich allerletzter Minute.

Das Ziel bei der Surface-Serie, so hatten es Groene und Panay bereits am Vorabend formuliert, sei es, eine Bühne für die Software zu errichten, die darauf läuft.

Es war natürlich sehr spannend, die Personen, die man ansonsten nur von den großen Keynotes kennt, im kleinen Kreis zu treffen, und mit jemandem wie Ralf Groene unter vier Augen sprechen zu können. Vor allem Ralf Groene war ganz locker drauf und plauderte munter drauf los, da war keinerlei Distanz zu spüren – sehr authentisch und sympathisch. Den Fragen nach einem „kleineren Surface“ als denen, die wir aktuell so kennen, wich er selbstverständlich gekonnt und professionell aus. Alles andere hätte mich überrascht – und euch sicher auch.

Über den Autor
Martin Geuß
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Ich bin Martin Geuß, und wie unschwer zu erkennen ist, fühle ich mich in der Windows-Welt zu Hause. Seit mehr als elf Jahren lasse ich die Welt an dem teilhaben, was mir zu Windows und anderen Microsoft-Produkten durch den Kopf geht, und manchmal ist das sogar interessant. Das wichtigste Motto meiner Arbeit lautet: Von mir - für Euch!

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Kommentare
  1. Bei dem Thema Tastatur bin ich voll bei ihm. Ich finde es bei meinem SP3 schon schrecklich, wenn man die Tastatur umklappt und dann auf der Rückseite mit den Fingern die Tasten berührt und drückt. Im Tablet-Betrieb wird die Tastatur abgenommen.
    Geht mir genau so. Von Lenovo hatte ich mal ein kleines Notebook in der Hand (so vor 3-4 Jahren) da hob sich beim Umklappen die Platte, welche die Tasten umschliesst, auf deren Höhe an, damit diese nicht mehr hervorschauen. Ausserdem wurden die Tasten blockiert.
    Das fand ich auch akzeptabel.
    Bei dem Thema Tastatur bin ich voll bei ihm. Ich finde es bei meinem SP3 schon schrecklich, wenn man die Tastatur umklappt und dann auf der Rückseite mit den Fingern die Tasten berührt und drückt. Im Tablet-Betrieb wird die Tastatur abgenommen.

    Kannst die Tastatur aber trotzdem jederzeit umgekehrt andocken ;)
    Bei dem Thema Tastatur bin ich voll bei ihm. Ich finde es bei meinem SP3 schon schrecklich, wenn man die Tastatur umklappt und dann auf der Rückseite mit den Fingern die Tasten berührt und drückt. Im Tablet-Betrieb wird die Tastatur abgenommen.

    Ein SP3 ist ein Tablet mit Tastatur und meiner Meinung nach nicht mit einem Notebook mit Tabletmodus vergleichbar. Bei so einem Notebook mit umklappbaren Bildschirm, was wenn man es genau nimmt ein Ultrabook ist, schaltet sich normalerweise immer die Tastatur beim Umklappen ab, somit sehe ich da kein Problem.
    Ich finde es bei meinem SP3 schon schrecklich, wenn man die Tastatur umklappt und dann auf der Rückseite mit den Fingern die Tasten berührt und drückt.

    Genau das liebe ich. Spiele zu gerne auf den "toten" Tasten rum.
    ich kann mich noch an den Pocket PC MDA Pro (HTC?) erinnern, da konnte man die Tastatur auch noch drehen und somit lag die Tastatur im zugeklappten Modus nicht außen, sondern innen. Aber so eine Realisierung ist wohl bei größeren Laptops nicht machbar.
    Ich koche das das Surface einfach bei 90 Grad 45 min. Dann ist es nur noch 8" groß.?

    Ja gut, dann musst es aber anschließend in Form bringen und zu einem Stück zusammenbügeln. Viel Erfolg. Du schaffst das!
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