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Chrome-Erweiterungen und Verfügbarkeit: Was Microsoft zum neuen Edge sagt – und was nicht

Chrome-Erweiterungen und Verfügbarkeit: Was Microsoft zum neuen Edge sagt - und was nicht

Microsoft hat in der letzten Woche bekannt gegeben, dass der hauseigene Browser Edge künftig auf Chromium basieren wird. Das ist natürlich ein heißes Thema, die Nutzer haben viele Fragen und die Entwickler sind motiviert, diese auch zu beantworten, schließlich fiebert man der neu entdeckten Browser-Zukunft entgegen.

Der Überschwang legt auf beiden Seiten wieder eine solide Basis für spätere Enttäuschungen, sollten die in der Euphorie getätigten Zusagen nachher nicht eingehalten werden können. Und dann will es wieder niemand gewesen sein.

„Microsoft Edge wird künftig Chrome-Erweiterungen unterstützen“ war eine der Schlagzeilen, die ich am Wochenende besonders häufig gesehen habe. Quelle ist ein Reddit-Thread, in dem Microsoft-Mitarbeiter und Edge-Mitentwickler Kyle Pflug das zugesagt haben soll.

Da gibt es nur ein Problem: Hat er gar nicht. Wörtlich schreibt er dort nämlich: „It’s our intention to support existing Chrome extensions.“
Frei auf Deutsch übersetzt: „Es ist unsere Absicht, bestehende Chrome-Erweiterungen zu unterstützen.“

Heißt also, man hat vor, das so umzusetzen, ein Versprechen oder eine Zusage ist das aber nicht. Sollte die Umsetzung dieses durchaus erstrebenswerten Zieles scheitern – zum Beispiel, weil man bei der Sicherheit keine Kompromisse eingehen möchte, dann ist das Gejammer über das gebrochene Versprechen wieder vorprogrammiert. Obwohl es das gar nicht gegeben hat.

Weitere interessante Details aus dem Statement: Man wird PWAs direkt aus dem Browser installieren können, so wie in Google Chrome auch. Das steht auch ganz eindeutig so da. Die Möglichkeit der Installation über den Store wird es zwar auch weiterhin geben, aber es dürfte auf der Hand liegen, dass man diesen Ansatz mehr oder weniger begraben hat.

EdgeHTML und Chakra werden aus Windows 10 nicht entfernt, sondern bleiben als Basis für UWP und WebView weiterhin erhalten, befinden sich aber ab sofort im Wartungsmodus. Dass UWPs auf der alten Engine sitzen bleiben und Edge künftig keine UWP mehr sein wird, spricht für sich – kein weiterer Kommentar nötig.

Das bringt uns zu einem weiteren Aspekt. Als die Meldungen über den bevorstehenden „Motorenwechsel“ aufkamen, schrieben viele Medien „Edge wird eingestellt“. Das stimmt natürlich nicht – und irgendwie dann aber doch, denn rein technisch betrachtet wandert Microsoft Edge in seiner derartigen Form fast komplett auf den Kompost. Dass es sich nicht mehr um eine Universal App handelt, vermeidet Microsoft konkret auszusprechen, auch die Frage nach einem Update über den Store bleibt offen. Um es daher klarzustellen: Edge wird nicht in den Store kommen. Der neue Edge ist eine ganz klassische Windows-Anwendung und wird eine integrierte Update-Funktion bekommen, wie sie Firefox und Chrome auch haben. Vor diesem Hintergrund ist es dann auch kein bisschen außergewöhnlich, dass der neue Edge auch für Windows 7 und 8.1 erscheinen wird. Das macht nämlich keinerlei zusätzliche Arbeit.

Diese zusätzliche Arbeit wird man haben, wenn man Edge auf andere Geräte wie zum Beispiel die Xbox One bringen möchte. In einem anderen Reddit-Thread schreibt Kyle Pflug, man „habe die Absicht, Edge auf alle Microsoft-Geräte zu bringen“. Da war sie wieder, die Absicht. Nicht zu verwechseln mit der Zusage oder gar dem Versprechen.

 

Über den Autor

Martin Geuß

Martin Geuß

Ich bin Martin Geuß, und wie unschwer zu erkennen ist, fühle ich mich in der Windows-Welt zuhause. Seit 15 Jahren lasse ich die Welt an dem teilhaben, was mir zu Windows und anderen Microsoft-Produkten durch den Kopf geht, und manchmal ist das sogar interessant. Das wichtigste Motto meiner Arbeit lautet: Von mir - für Euch!

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