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Cloud-Frieden auf Bewährung: Microsoft einigt sich mit Beschwerdeführern

Cloud-Frieden auf Bewährung: Microsoft einigt sich mit Beschwerdeführern

Ein seit Jahren schwelender Konflikt zwischen Microsoft und dem europäischen Cloud-Branchenverband CISPE scheint auf eine Lösung zuzusteuern: Microsoft kommt den Wettbewerbern mit einem speziell auf sie zugeschnittenen Angebot entgegen und zahlt Entschädigungen. Von Amazon und Google gibt es allerdings neue Kritik.

In der Hauptsache geht es um die Lizenzierung von Microsoft-Produkten wie Office 365 oder SQL-Server in der Cloud. Wer diese Dienste nicht in Microsofts Azure-Cloud betreiben möchte, sondern einen konkurrierenden Dienst bevorzugt, muss dafür mehr bezahlen und weitere Nachteile in Kauf nehmen. Zwischenzeitlich erfolgte Nachbesserungen an diesen Konditionen seitens Microsoft führten zu keiner Schlichtung.

Jetzt könnte die Kuh allerdings vom Eis geschoben werden. Wie Reuters berichtet, wird Microsoft ein spezielles Angebot schnüren und Sonderkonditionen anbieten, die es wiederum anderen Cloud-Anbietern möglich machen, konkurrenzfähig zu bleiben. Innerhalb der kommenden neun Monate soll dieses Paket bereitstehen, andernfalls ist der “Friedensvertrag” hinfällig.

Zudem sollen die Unternehmen, die an dieser Beschwerde beteiligt waren, finanziell für erlittene Umsatzeinbußen entschädigt werden. Details sind offiziell nicht bekannt, die Rede ist von rund 22 Millionen Euro.

Microsofts Brad Smith zeigt sich zufrieden über die Einigung:

Nach mehr als einem Jahr Zusammenarbeit mit CISPE und seinen europäischen Mitgliedern freue ich mich, dass wir nicht nur ihre Bedenken der Vergangenheit ausgeräumt, sondern auch gemeinsam einen Weg nach vorne gefunden haben, der noch mehr Wettbewerb auf den Cloud-Computing-Markt in Europa und darüber hinaus bringt.

Die CISPE wird ihre Beschwerde bei der EU offiziell zurückziehen und auch keine gleichlautenden Beschwerden in Europa oder anderen Märkten unterstützen.

“Diese Vereinbarung wird gleiche Wettbewerbsbedingungen für europäische Anbieter von Cloud-Infrastrukturdiensten und ihre Kunden schaffen”, wird CISPE-Generalsekretär Francisco Mingorance zitiert.

Es gibt allerdings auch Misstöne. Etwa von Amazon, die zwar Mitglied des CISPE-Verbands sind, für die aber die neuen Konditionen ausdrücklich nicht gelten sollen.

“Wir stehen weiterhin an der Seite der wachsenden Zahl von Kunden, Anbietern und Regulierungsbehörden weltweit, die Microsoft auffordern, seine diskriminierenden Praktiken für alle Kunden zu beenden”, kommentierte Amazon gegenüber Reuters.

Auch Google bleibt auf Konfrontationskurs. Cloud-Chef Amit Zavery sagt:
“Viele Aufsichtsbehörden haben Untersuchungen zu Microsofts Lizenzierungspraktiken eingeleitet, und wir hoffen, dass es Abhilfemaßnahmen geben wird, um den Cloud-Markt vor Microsofts wettbewerbswidrigem Verhalten zu schützen. Wir prüfen unsere Optionen, um weiterhin gegen die wettbewerbswidrige Lizenzierung von Microsoft zu kämpfen, um Auswahl, Innovation und das Wachstum der digitalen Wirtschaft in Europa zu fördern.”

Über den Autor

Martin Geuß

Martin Geuß

Ich bin Martin Geuß, und wie unschwer zu erkennen ist, fühle ich mich in der Windows-Welt zu Hause. Seit mehr als 17 Jahren lasse ich die Welt an dem teilhaben, was mir zu Windows und anderen Microsoft-Produkten durch den Kopf geht, und manchmal ist das sogar interessant. Das wichtigste Motto meiner Arbeit lautet: Von mir - für Euch!

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