Connected e-Roadtrip: Komponenten eines E-Autos – Teil 3

Connected e-Roadtrip: Komponenten eines E-Autos - Teil 3

Sie sind das teuerste Bauteile in einem E-Auto. Die Batteriezellen. Natürlich gibt es auch andere neue Teile, die in jedem E-Auto Platz nehmen. Ich habe Euch hier und hier bereits einen Blick unter die Haube gegeben. Nun also der Blick zum Akkupaket.

Update vom 11. Dezember:

Ich habe die neuesten Entwicklungen unter folgendem Artikel aufgelistet: https://www.mobilegeeks.de/artikel/alles-tesla-oder-was-gigafactories-aus-asien-sind-im-kommen/ .

Originale Meldung vom 27. August 2018:

Aktuell werden in allen Großserien-E-Autos Akkuzellen mit Lithium-Ionen bzw. Lithium-Polymer-Technologie verbaut. Doch, wo kommen diese eigentlich her? Derzeit gibt es die folgenden – für in Europa verkaufte Fahrzeuge – relevanten Hersteller für Batteriezellen:

  • Panasonic/Sanyo. Das japanische Unternehmen baut eigene Akkuzellen. Zusammen mit Tesla wird die Gigafactory gebaut, in der auch Akkuzellen gefertigt werden (siehe hier). Tesla setzt in all seinen aktuell erhältlichen Modellen auf Zellen des japanischen Unternehmens.
  • Samsung SDI. Die Firma gehört zum bekannten südkoreanischen IT-Konzern Samsung und fertigt selbst Akkuzellen. Es gibt nun erstmals eine Zellfertigung in Ungarn, um den europäischen Markt besser beliefern zu können. Verbaut werden diese Zellen aktuell in BMW-Modellen (siehe hier).
  • LG Chem. Der Erzfeind von Samsung hat ebenfalls eine eigene Abteilung, die sich um die Entwicklung und den Bau von Akkuzellen kümmert. Das Unternehmen hat in Polen eine eigene Akkuzellenfertigung für Europa. Zu den Abnehmern gehören Daimler, General Motors, Hyundai (meinen Testbericht zum Ioniq Elektro gibt´s hier) und der VW-Konzern.
  • SK Innovations. Der Mischkonzern aus Südkorea baut in Ungarn eine eigene Zell-Fertigung für Europa auf und möchte so auch ein Stück vom Kuchen der anderen vier großen Batteriezellen-Hersteller abhaben. Der erste Großkunde wird Daimler sein.
  • CATL. Der – aktuell – weltgrößte Produzent von Lithium-Ionen-Zellen aus China drängt nach Europa. Nach einer Vereinbarung mit BMW wird CATL ein eigenes Akkuzellen-Werk in Erfurt bauen (siehe hier). Von dort sollen dann viele europäische Autobauer mit Batteriezellen beliefert werden. Zu den Kunden gehören – zukünftig – BMW, Daimler, PSA (mit den Marken Citroen, DS, Opel) und der VW-Konzern.

Generell setzen alle großen Automobilhersteller, mit Ausnahme von Tesla, darauf, in zukünftigen E-Automodellen Ihre Akkuzellen von mehreren unterschiedlichen Herstellern zu beziehen. Der Grund ist, dass man flexibel bleiben möchte, was die Stückzahlen von E-Autos angeht. Für den chinesischen Markt (und aktuell nur dort) gibt es noch weitere einheimische Akkuzellen-Hersteller, wie beispielsweise BYD (Build Your Dreams). Da stellt sich mir die Frage, wie es denn mit deutschen Firmen und Ihrem Engagement in Sachen Akkuzellen-Herstellung aussieht.

Bitte kein Risiko eingehen – Wir haben genügend Zeit

So scheint das Motto der großen deutschen Hersteller zu lauten. Im sächsischen Kamenz ist die zu Daimler gehörende „Deutsche Accumotive“ am Start. Wobei man hier feststellen muss: Dort werden die von asiatischen Herstellern produzierten Akkuzellen „lediglich“ zu einem funktionierenden Batteriepaket zusammengebaut, so dass man dieses dann ins E-Auto einbauen kann. Akkuzellen werden dort nicht gebaut (siehe hier). Genauso verfährt übrigens auch BMW. Dort findet lediglich die Montage des Batteriepakets im eigenen Haus statt. Einer der größten Automobilzulieferer „Bosch“ hat bekanntgegeben, dass man nicht vorhat, selbst Akkuzellen zu produzieren.

„Wir müssen die Akkuzelle technisch verstehen, wir müssen sie nicht fertigen. Wir sagen Nein zur eigenen Zellfertigung, aber Ja zur Batterie bei Bosch.“ So der Bosch-Manager Roland Bulander (siehe hier).

Das bedeutet, dass man bei Bosch „nur“ die Batteriepakete fertigen möchte bzw. sich um deren Zusammenstellung kümmert. Auch Elektronik und Steuerungssoftware spielen beim Automobilzulieferer eine Rolle. Natürlich nicht erst seit dem „Dieselskandal“…Generell ist Bosch das finanzielle Risiko einer eigenen Zellfertigung zu hoch. In der Tat verdient – aktuell – kein Automobilhersteller großartig Geld mit den E-Autos. Vor allem die Batteriepakete sind noch zu teuer im Einkauf, als dass sich damit lohnenswert arbeiten lässt. Jedoch sinken die Preise für die Akkuzellen deutlich. Nach einer Auswertung durch Bloomberg, an der mehr als 50 verschiedene Unternehmen beteiligt waren, kostete im Jahr 2017 eine Kilowattstunde durchschnittlich 209 US-Dollar (siehe hier). Im Vergleich mit dem Jahr 2010 heißt das, dass Autohersteller nun nur noch ein Fünftel bezahlen müssen. Ein E-Auto, wie der neue Hyundai Kona Elektro (siehe hier) kommt mit 64 Kilowattstunden großem Akkumulator auf den Markt. In den nächsten Jahren sollte der Preis pro Kilowattstunde weiter sinken, wann die angepeilten knapp 100 US-Dollar pro Kilowattstunde erreicht werden, steht aber in den Sternen.

Neue Akku-Technik = Durchbruch?

Große Hoffnung setzen die hiesigen Autobauer in die nächste Akku-Technik – die Festkörper-Akkus. Im Prinzip geht es hierbei – vereinfacht ausgedrückt – darum, wie die Ionen transportiert werden. Bisher erfolgt das bei Lithium-Ionen bzw. -Polymer-Akkus in einer Flüssigkeit. Bei Festkörperakkus hingegen erfolgt der Ladungstransport aufgrund von Sprüngen der Ionen innerhalb einer Festkörpermatrix. Wer mehr dazu wissen will, dem wird hier weitergeholfen. Im Endeffekt soll so deutlich mehr Reichweite möglich werden und die Akkus länger halten. Der Zulieferer Continental, denkt darüber nach, ob man eine eigene Akkuzellenfertigung aufbauen sollte. Die Bedingung ist jedoch, dass in der Fabrik ausschließlich Zellen mit Festkörper gebaut werden. Die Entscheidung, ob man dieses Risiko eingehen will, soll erst nach 2020 fallen. Aktuellen Meldungen zufolge kann man erst zwischen 2025 und 2030 mit einem großflächigen Einsatz dieser neuen Akkus rechnen (siehe hier). Die Frage nach dem Preis für diese „neue“ Akku-Technik ist natürlich auch noch zu klären…Das wird nur die Zeit zeigen, wie viele andere Akku-Technologien es geben wird, was diese im Vergleich zueinander kosten und was dann jeweils Vor- und Nachteile sind.

Fakt ist aber, dass der neue Chef des VW-Konzerns, Herbert Diess, im Interview mit dem Handelsblatt (siehe hier) unmissverständlich klargemacht hat, dass er sich eine Akkuzellenfertigung in Deutschland wünscht. Nur vom eigenen Konzern nicht. Denn ein Konkurrent, wie z.B. Daimler, wird wohl kaum Akkuzellen von Volkswagen in einen Elektro-Mercedes verbauen wollen. Sprich: Es müsste ein Automobilzulieferer einspringen und in die Akkuzellenfertigung einsteigen. Klar ist, dass alle großen Autobauer eigene Kompetenzzentren bauen, um die Akkuzellen technisch verstehen zu können, sowie Ihre E-Motoren und weitere Antriebskomponenten möglichst gut auf die zugelieferten Zellen abstimmen zu können. Im Rahmen dieser Tätigkeit werden vereinzelt auch kleine Prototypen-Werkstätten errichtet, in denen ein paar Akkuzellen selbst produziert werden. Diese Standorte sind aber nicht dazu gedacht, eine große Menge zu produzieren, um sie in einem Großserienfahrzeug einzubauen. Es sind eben „nur“ Kompetenzzentren, um – naja – Kompetenzen aufzubauen. Getreu dem Wettbewerbscharakter: Wer kann am meisten aus den zugelieferten Akkuzellen herausholen?

 

Weitere Infos

Afhüppe, Sven; Brors, Peter; Menzel, Stephan: Noch ist es nicht zu spät. 

BMW: BMW Group und Samsung SDI bauen Partnerschaft aus.

BMW: Rede von Harald Krüger (Vorstandsvorsitzender BMW Group).

Chediak, Mark: The latest bull case for electric cars. The cheapest batteries ever.

Deutsche Accumotive: Accumotive-Werk II steht kurz vor der Betriebsaufnahme.

Donath, Andreas: Volkswagen-Chef fordert Akkuzellenfabrik in Deutschland.

Ecomento: Continental denkt über Fertigung von Festkörper-Batteriezellen nach.

Kirchbeck, Bernd: Herausforderungen und Potenziale von Batterien.

Koeller, Stefan: CATL liefert Batteriezellen an Volkswagen.

Panasonic: Panasonic and Tesla Sign Agreement for the Gigafactory.

Sorge, Nils-Viktor: Chinesen düpieren deutsche Industrie mit Batterieprojekt.

Spiegel: Bosch baut keine Zellen für E-Auto-Batterien.

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Über den Autor
Claus Ludewig
Ich bin mit Windows 98 aufgewachsen und habe seitdem jede Windows- und Office-Version genutzt. Zum Entspannen dient die Xbox. Neben der engen Verbundenheit zu Microsoft-Produkten, schaue ich auch gerne mal über den Tellerrand hinaus in die weite Welt. Ich interessiere mich für alles, was vier Räder hat. In diesem Sinne nehme ich Euch gerne zu einer Spritztour mit.
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